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WETTBEWERBSVORGABEN
Die nachfolgenden Auszüge aus dem Konvolut 'Grundinformationen und Raumprogramm', das Teil der Ausschreibungsunterlagen bildete, sollen collagenhaft die Aufgabenstellung des Wettbewerbes zusammenfassen.
Allgemeine Erwartungen:
- Das Bauwerk soll als Symbol der Verständigung und des Zusammenwirkens zwischen den drei Sprachkulturen des Landes dienen. Es soll zu einem Bezugspunkt für die Stadt werden und das Stadtviertel aufwerten.
- Aufgrund der schwer vorhersehbaren tatsächlichen Entwicklung der Akademie sind Flexibilität der Raumgliederung und die Anpassungsfähigkeit an geänderte Gebäudeanforderungen grundsätzliche Forderungen.
Denkmalschutz und Umgang mit dem Bestand:
- Der gesamte Gebäudekomplex steht im Sinne des Denkmalschutzgesetzes Nr.1089 vom 1.6.1939 unter Denkmalschutz.
- Der Bestand soll sinnvoll in einen aussagekräftigen Gesamtkomplex integriert werden, ohne seine architektonische Qualität einzubüßen.
- Die zu realisierende Erweiterung muß der architektonischen Qualität des Bestandes Rechnung tragen; der Dialog zwischen neuer und bestehender Kubatur darf nicht zu Lasten des Bestandes gehen.
Lage:
Der Bauplatz liegt am Verbindungspunkt zwischen der 'Altstadt' und der 'Neustadt'; das historische Stadtzentrum ist nur fünf Gehminuten entfernt, der Bahnhof wenig mehr.
Personalentwicklung:
- Die Akademie strebt einen Personalstand von ca. 83 Mitarbeitern an; inklusive Gastdozenten, Stipendiaten, Praktikanten, studentische Hilfskräfte etc. wird eine Gesamtzahl von ca. 120 Arbeitsplätzen erwartet.
Funktionszonen:
Insgesamt können entsprechend dem Besucherandrang drei wesentliche Funktionszonen unterschieden werden:
- ein ruhiger Bereich, in dem die Geschäftsführung, die Verwaltung (der sog. 'Zentralbereich') und die verschiedenen wissenschaftlichen Fachbereiche untergebracht sind;
- ein halböffentlicher Bereich, in dem Vorlesungen, Kurse und andere Weiterbildungsmaßnahmen durchgeführt werden; auch der Zugang zur Bibliothek könnte in diesem Bereich angesiedelt werden;
- ein öffentlicher Bereich, welcher jedermann für den Besuch von öffentlichen kulturellen Veranstaltungen (Kino, Vorträge etc.) und zur Erholung (wie Cafeteria, Freiflächen etc.) zugänglich ist.
Funktionsbereiche:
Das Raumprogramm der Akademie sieht folgendes vor:
- 120 Arbeitsplätze in 6 Fachbereichen sowie in Zentralbereich und Geschäftsführung
- Besprechungsräume
- 3 Seminarräume und 2 Hörsäle
- kombiniertes EDV- und Sprachlabor
- Bibliothek mit Lesesaal, Zeitschriftenbereich, Studierzellen; organisiert alsPräsenzbibliothek für einen Buchbestand von ca. 100.000 Bänden
- Rechenzentrum
- Cafeteria / Buffet
- Archivräume
- Putzräume / Serviceräume
- Lagerflächen und Technikräume
- Tiefgarage
- Hauswartwohnung
Arbeitsweise:
- Für die wissenschaftliche Tätigkeiten in der Akademie ist die Individualarbeit wesentlich, wobei ein ruhiges und konzentriertes Arbeiten gewährleistet sein muß. Gleichzeitig sollen die Arbeitsbereiche kommunikationsfördernd sein und Hemmschwellen vermieden werden.
- Es sind daher grundsätzlich Einzelbüros vorgesehen, wobei jedes Büro so vorzusehen ist, daß eine weitere Arbeitskraft bei Bedarf Platz findet.
PREISGERICHT
Gemäß einem Beschluß des Verwaltungsrates der Akademie und in Absprache mit der Südtiroler Architektenkammer setzte sich das Preisgericht wie folgt zusammen:
Architekten:
Univ. Prof. Arch. Othmar Barth (Brixen / Innsbruck) als Vorsitzender Univ. Prof. Arch. Luigi Snozzi (CH- Locarno / Lousanne) Arch. Silvano Bassetti (Bozen) als Vertreter der Südtiroler Architektenkammer
Europäische Akademie:
Dr. Werner Stuflesser, Präsident Dr. Gennaro Pellegrini, Vizepräsident
Behörde:
Ing. Stefan Winkler, Ressortdirektor für Bauten, Vermögen und Raumordnung Arch. Josef March, Direktor der Abteilung Hochbau und Technischer Dienst
BEWERTUNGSKRITERIEN
Die Jury hielt sich an folgende Bewertungskriterien, die im Konvolut 'Wettbewerbsausschreibung' vorgegeben waren:
Städtebauliche Kriterien: Städtebauliche Einfügung in die bestehende Baustruktur, Gliederung und Anordnung der Baumassen und Freiflächen, Verkehrserschließung für Fußgänger-, Fahr- und ruhenden Verkehr.
Funktionelle Kriterien: Konzeptionelle Lösung der Bauaufgabe, Anordnung und Gestaltung der einzelnen Bereiche, ihre Beziehung zueinander, innere Erschließung, Nutzbarkeit der Räume; flexible Nutzung der Gesamtanlage.
Baukünstlerische Kriterien: Qualität der äußeren und inneren Gestaltung entsprechend der gestellten Aufgabe.
Richtlinien und Vorschriften: Einhaltung der baugesetzlichen Vorschriften und der Projektierungsrichtlinien, Erfüllung des Raumprogrammes.
Wirtschaftliche Kriterien: Wirtschaftlichkeit bei Errichtung, Betrieb und Erhaltung; einfache und bedienungsfreundliche technische Ausstattung; Verhältnis zwischen Nutzflächen, Erschließungsflächen und Konstruktion.
FÜR DEN INTERESSIERTEN:
Der archivierte Nachlaß der beiden Planer liegt im "Archivio del '900" des Museums für moderne Kunst Trient-Rovereto auf.
Weiters wurde die Liegenschaft in Bozen in verschiedenen Studien und Publikationen behandelt, wovon hier stellvertretend zwei angeführt werden:
Lucchin, Claudio (Hrsg.): Il complesso edilizio Ex-Gil di Bolzano. Broschüre des CESFOR-Bozen. Bozen 1988.
Zoeggeler, Oswald, und Ippolito, Lamberto: Die Architektur für ein italienisches Bozen 1922-1944. Lana 1992.
KURZGEFASSTES ZUM WETTBEWERB
Prof. Arch. Othmar Barth - Vorsitzender des Preisgerichtes
Das Ex-Gil Gebäude besetzt natürlich die besten Positionen seines Grundstückes. Es hatte damals die Aufgabe zu erfüllen, Symbol am Brückenkopf zu sein und mit der neuen Drususbrücke eine städtebauliche Spanne zwischen der Vorstadt und der im Enstehen begriffen Neustadt zu bilden.
Seine Bauglieder - Turm, Turnhalle, Bürohaus und ovales Auditorium - lassen kaum freien Raum für die Bauten des ausgeschriebenen Wettbewerbes.
So schien es.
Aber hier mußte nochmals soviel Stadtmasse eingeplant werden; diese sollte nicht nur im spärlichen Freiraum verschwinden, sie hatte der Europäischen Akademie ein neues Zuhause, ein Gesicht zu vermitteln. Für Alt und Neu war ein gebrauchstüchtiges Ganzes verlangt. Es sollte in der Sprache von heute gefaßt sein und hier für ein wichtiges 'Morgen' einer postuniversitären Studienstätte stehen.
Des Auslober gab klare Vorgaben und die Teilnehmer boten Konzepte dafür an.
56 Vorschläge lagen dem internationalen Preisgericht vor; das sehr komplexe Thema hatte dementsprechend viele Facetten bekommen:
- Vorschläge mit viel Respekt vor dem Bestand,
- solche, die das Vorhandene in eine Nebenrolle verwiesen und das Verlangte in seiner baulichen und städtebaulichen Aussage zeichenhaft voranstellten.
- Manche suchten, einer Zitadelle gleich, ein neues urbanes Gesamtgefüge zu bilden, eine Universitätsstadt 'in nuce'.
- Der Freiraum am Fluß war für manche Teilnehmer von großem Reiz, da Neuplanungen an diese Stelle große Fernwirkung für einen neuen Angelpunkt in der Stadt hervorbringen würden.
Manches andere könnte noch aufgezählt werden.
Jeder Teilnehmer brachte - wie immer bei Wettbewerben - seine Entscheidung für den ihm wichtigen Vorschlag ein; die Aufgabe des Preisgerichtes hingegen war es, aus diesem reichen und vielfältigen Angebot - die Lösungen untereinander vergleichend sowie deren schöpferischen Impuls zur Aufgabe und zu den eingangs erwähnten Positionen des Ortes und der Stadt auszulotend - das beste Projekt zu finden.
Es wurde einer vorzüglichen Architektur, einem Alt und Neu integrierendem Konzept mit "einprägsamem Gesicht", der Lorbeer des 1. Preises zugesprochen.
Der Weg bis dorthin ist in der Niederschrift der Preisgerichtarbeit festgehalten.
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