Die Wettbewerbsjury tritt am 23.10.1995 um 08.30 Uhr zur Aufnahme Ihrer Arbeit zusammen.
Es sind anwesend: Jury: Univ.-Prof. Arch. Othmar Barth (dt) Arch. Silvano Bassetti (ital) Arch. Josef March (dt) Dr. Gennaro Pellegrini (ital) Univ.-Prof. Arch. Luigi Snozzi (ital) Dr. Werner Stuflesser (lad) Ing. Stefan Winkler (dt)
Vorprüfer: Arch. Enrico De Dominicis Arch. Stephan Dellago
Mitarbeiter: Armin Blasbichler Ivo Kux Claudia Delsante (zeitweilig) Astrid Lageder (zeitweilig)
Dr. Stuflesser erläutert einleitend die Anforderung der Europäischen Akademie Bozen an das Gebäude:
1. Förderung der Kommunikation und der Konzentration (konzentrierte Individualarbeit, spontane Kommunikation, informelle Kontakte fördernd) 2. 'sich wohlfühlen' (Großzügigkeit in der Anlage, Offenheit nach außen, Einfachheit in der Orientierung, 'gemütlich', 'schön') 3. Flexibilität (in der Nutzungsart, bezügl. Anzahl und Größe der Fachbereiche, in der Organisationsform) 4. innere und äußere Qualität
Prof. Barth wird als Vorsitzender der Jury bestätigt (s. Beschluß des Verwaltungsrates der EAB). Arch. Dellago wird zum Kommissionssekretär benannt.
Prof. Barth übernimmt den Vorsitz.
Es werden die Ausschlußgründe lt. Art.7 der Wettbewerbsausschreibung in beiden Sprachen vorgelesen; es gibt hierzu keine Einwände oder Stellungnahmen.
Es findet zunächst ein informeller Rundgang statt.
Anschließend findet der Rundgang mit zusammenfassenden Erläuterungen der Berichte der Vorprüfer statt.
Nach Abschluß des Rundganges werden vom Vorsitzenden kurz die entscheidenden Problemstellungen zusammengefaßt: Umgang mit dem Bestand und dessen architektonischer Qualität, Zugang zu Bestand und Neubau, Befreiung aus den Zwängen, welche der Bestand scheinbar auferlegt, Gesamtkubatur und Baukosten; Denkmalaspekte.
Als weiteres Beurteilungskriterium wird der Umgang mit der Talferböschung angesprochen, wobei eine Verbindung des Hofniveaus mit dem Uferbereich zwar techn. Probleme provozieren könnte, aber als bedeutend angesehen wird. Die Hochwassergefahr durch die Talfer ist zwar durch die Wildbachverbauung am Oberlauf gebannt, es dürften aber Probleme bei einem Rückstau durch den Eisack entstehen. Es muß eine Abriegelung bei Hochwasser gegeben sein. Die Erhaltung des Flußdammes wurde aber schließlich als wichtiger landschaftlicher Sockel für den Baukomplex aungesehen. Weiters wird betont, daß das neue Projekt den Bestand verbessern soll; es muß etwas Neues entstehen, der neue Bauteil soll sich nicht dem Bestand unterordnen. 1. Beurteilungsrundgang:
Es wird die weitere Vorgehensweise besprochen und man einigt sich darauf, daß in der ersten Runde Projekte nur einstimmig, in den weiteren Runden mit Stimmenmehrheit ausgeschlossen werden. Die erste Runde hat den Zweck, die Entsprechung in städtebaulicher und in baulicher, in der Beziehung und in der Behandlung des Bestandes zu überprüfen, zu bewerten, und die unterschiedlichen funktionellen Anordnungen zu beurteilen. Insgesamt wird das vorgeschlagene Gesamtkonzept in seiner Aussage zur gestellten Aufgabe, zum Ort und zum innenräumlichen Anlagekonzept kritisch untersucht. Festgestellte größere Mängel unterschiedlicher Art führen zum Ausschluß, der einstimmig vorgenommen wird.
Davon betroffen sind die Projekte: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 9, 10, 15, 16, 18, 20, 23, 24, 32, 35, 37, 38, 39, 41, 43, 44.
Es verbleiben also folgende Projekte: 7, 8, 11, 12, 13, 14, 17, 19, 21, 22, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 33, 34, 36, 40, 42, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56.
Es werden die allgemeinen Bewertungskriterien gemäß Wettbewerbsausschreibung wiederholt.
Sodann erfolgt ein Lokalaugenschein des Bauplatzes und seiner Umgebung.
2.Beurteilungsrundgang:
In die diesem Rundgang wurden die verbliebenen Projekte eingehend diskutiert und analytisch bewertet. Vor allem wurden sie auch einander gegenübergestellt, wobei ähnliche Ansätze oder solche mit stark gegensätzlichen Eingriffsabsichten zur Frage neuer Bewertungen Anlaß gegeben haben. Der detaillierte Vorprüfungsbericht wurde wieder in Anspruch genommen, um von Fall zu Fall dessen Ergebnisse nochmals vorzutragen. Eine differenzierte Behandlung mit Hilfe von Verteidigung und Kritik der Projekte in Bezug auf die wichtigen, in der Ausschreibung vorgesehenen Kriterien und neu gewonnener Impulse aus der reichen und kompetenten Behandlung der gestellten Aufgaben durch die Wettbewerbsteilnehmer an diesem sehr komplexen Ort haben schließlich zur Auswahl der folgenden 10 Projekten geführt:
7, 11, 13, 21, 25, 36, 45, 48, 53, 55.
3. Beurteilungsrundgang:
In dritten Beurteilungsrundgang wurden alle verbliebenen Projekte nochmals aufmerksam durchgesehen und auch wieder mit den im zweiten Rundgang bereits ausgeschiedenen verglichen um evtl. neue hervorgerufenen Argumentationen an ihnen zu überprüfen.
Daher wurden die Projekte 8, 31 und 46 wieder in den Kreis der preiswürdigen Beiträge zurückgeholt.
Bei dieser Gelegenheit hielt das Projekt 11 nicht mehr dieser Kritik stand und wurde ausgeschlossen.
4. Beurteilungsrundgang:
In einem vierten Beurteilungsrundgang wurde nochmals eine genaue Kontrolle der 12 verbliebenen Projekte bezüglich der einzelnen Teile der zu erfüllenden Aufgaben vorgenommen und die Kandidaten der Preiskategorie, jene der Spesenvergütungen und jene, die eine besondere Erwähnung verdienen, vorgeschlagen.
Kandidaten für eine besondere Erwähnung:
07, 08, 21, 46
Projekt 007:
Dieses Projekt setzt in hervorragender und ausgewogener Weise einen der häufigsten Lösungsansätze im Wettbewerb um:
der Eingrifft erfolgt einerseits als Unterbauung des Erddammes, um eine neue städtische Front zu schaffen, und andererseits im westlichen Hofbereich, um den internen Hof neu zu definieren. Dies erfolgt im Rahmen zurückhaltender Auseinandersetzung mit und Rücksichtnahme auf den vorgefundenen historischen, urbanistischen und landschaftlichen Kontext.
Beide neue Bauteile folgen einem ausgewogenen und maßvollen Entwurf, zeigen aber gleichzeitig die beschränkte Funktionalität der Verbindung und Erschließung, wie auch Schwächen in der Symbolik und in der Gestaltung.
Das Projekt ist trotzdem als gelungenstes jener Projekte zu bezeichnen, welche der am häufigsten gewählten 'zurückhaltenden' Annäherung an die Entwurfsaufgabe folgen.
Projekt 008:
Dieses Projekt schlägt eine Lösung vor, welche vollständig unter dem Vorplatz zur Drususstraße, dem derzeitigen Erschließungsbereich, untergebracht ist. Dies erfolgt mittels der Aushöhlung des Vorplatzes und einer streng geometrischen und linearen Aneinanderreihung von Baukörpern und Freiräumen.
Es wird ein 'horizontale Stadt' gebildet, aus welcher sich die Gebäudeteile des Bestandes wie aus einer 'archäologischen' Plattform zwar intakt, aber entfremdet erheben.
Es handelt sich hier um eine sehr radikale kulturelle Provokation, die zwar von einer Realisierbarkeit weit entfernt ist, aber aufgrund ihrer konsequenten Haltung eine besondere Erwähnung verdient.
Projekt 021:
Das Modell dieses Projektes ist exemplarisch für den geplanten Eingriff: außer eines kleinen Pavillons wird nichts dargestellt. Die gesamte restliche neue Baumasse ist unterirdisch und nicht sichtbar.
Das 'Ex-GIL'-Gebäude bleibt unversehrt; der Projektant dieses extremen Entwurfes scheint nichts am Bestand ändern zu wollen und sieht eine vollkommen unterirdische Lösung vor, die allerdings in der Ausformung der Typologien und in der Anordnung der Bereiche eine hervorragende Funktionalität aufweist.
Die extreme Konsequenz und die hervorragende funktionelle Lösung empfehlen dieses Projekt für eine besondere Erwähnung, auch wenn durch die übertriebene Bepflanzung der Lichthöfe die einzigen nach außen sichtbaren Zeichen seiner Architektur unwirksam werden.
Projekt 046:
Dieses Projekt ist ambitioniert und reich an Vorschlägen. Es stellt eine großmaßstäbliche Lösung in Aussicht, in welcher die Akademie im Zentum eines Universitätskomplexes steht, der sich entlang des Flusses erstreckt und ihn teilweise überbaut.
Das Projekt sieht außerdem sehr komplexe und schwerwiegende Eingriffe vor, und zwar sowohl in Hinblick auf das Flußufer, welches zugunsten der baulichen 'Eckpfeiler' einer zukünftigen Universität vollständig abgetragen wird, als auch in Hinblick auf die bestehende Bausubstanz, deren Gebäudeteile an der gesamten südlichen Fassade von einem verglasten Körper umfasst werden. Sowohl in städtebaulicher, als auch in architektonischer Hinsicht erscheint das Projekt übertrieben, ungeordnet und schwer realisierbar.
Der Ideenreichtum und die enthaltenen gesellschaftlichen Anregungen legen eine besondere Erwähnung für diesen Entwurf nahe.
Kandidaten für die Spesenvergütung:
13, 36, 45, 48.
Projekt 013:
Dieser Entwurf sieht zwei Eingriffe vor:
- an der Flußseite wird dem Auditorium ein kleiner oberirdischer Saal-Block vorgelagert; dieser ist an eine bescheidene Unterbauung der Böschung angeschlossen, die sich auf eine Geländeabstufung hin öffnet.
- im westlichen Hofbereich werden zwei Blöcke linear aneinandergereiht und verbunden, wodurch der Hof neu definiert wird.
Städtebaulich und landschaftlich ist das bauliche Zeichen an der Böschung interessant, wenn auch etwas zu leicht. Der Eingriff im Hof ist hingegen ohne Auswirkungen auf den städtischen Kontext.
Aus architektonischer Sicht erscheint das Zusammenwirken mit dem Bestand unentschlossen, wobei vor allem der Verbindungsbereich zwischen zwischen Turm und Turnhalle bedrängt wirkt.
Die Funktionszuordnung ist zweckmäßig, wenn auch die Eingangssituation nicht zufriedenstellend gelöst wird.
Projekt 036:
Dieses Projekt schlägt einen mehrgeschossigen Baukörper mit kreisbogenförmigem Grundriß am westlichen Hofrand vor, wodurch der Hofraum neu definiert wird.
Aus urbanistischer Sicht vermeidet der Entwurf eine Auseinandersetzung mit dem städtischen Kontext.
Zurückhaltend und behutsam im Umgang mit dem Bestand, enthält der Entwurf zahlreiche Umwandlungen gegebener stilistischer Elemente und zeigt eine aufmerksame Wahl der Formensprache.
Die innere Organisation weist in der vertikalen wie horizontalen Erschließung und Verbindung der verschiedenen Funktionsbereiche ein gutes Niveau auf. Die funktionierende Erschließung ist insbesondere auf den eingeschoßigen Bauteil im Hof zurückzuführen, dessen architektonische Umsetzung allerdings im Kontrast zum allgemeinen entwerferischen Ansatz des Eingriffes steht. Die vorgeschlagene Lösung im Bereich des Hauptzuganges erscheint problematisch.
Projekt 045:
Dieses Projekt sieht als einziges Bauvolumen einen kompakten, mehrgeschossigen Baukörper im westlichen Bereich des Hofes vor. In städtebaulicher Hinsicht setzt sich der Entwurf ausschließlich mit dem kleinen Maßstab des Viertels auseinander und schlägt eine Neudefinition des Hofbereiches und eine Abschirmung von den rückwärtigen Häusern vor.
Das Projekt zeigt eine anspruchsvolle und 'eigenständige' Eleganz. Es will nicht den Bestand umgestalten, und stellt sich ihm zur Seite, ohne dessen Ausgewogenheit zu beeinträchtigen, aber auch ohne einen Dialog anzustreben.
Innerhalb des neuen Bauteils werden ausgezeichnete funktionelle Lösungen vorgeschlagen; die notwendigen Verbindungen zu den Funktionsbereichen im Bestand werden hingegen nicht zufriedenstellend gelöst.
Ein offensichtliches Problem liegt in der Verlagerung des Hauptzuganges in den Hof, der durch eine klare Ausbildung als öffentlicher Durchgang die Möglichkeit der internen Verwendung durch die Akademie verliert.
Projekt 048:
Das Projekt schlägt einen kompakten, mehrgeschossigen Baukörper mit rhombischem Grundriss im westlichen Bereich des Hofes vor. In städtebaulicher Hinsicht setzt sich der Entwurf ausschließlich mit dem kleinen Maßstab der nächsten städtischen Umgebung auseinander.
Der Entwurf zeigt eine intensive formale Suche (rautenförmiger Grundriss), welche eher das Zwiegespräch mit der baulichen Umgebung (dreieckförmiges Gebäude) als mit dem 'Ex-GIL'-Bestand sucht, dem eine erklärtermaßen 'häusliche' Architektur gegenübergestellt wird.
In funktioneller Hinsicht erweisen sich die Hauptverbindungswege, wenn auch im Verbindungsbereich der einzelnen Bauteile teilweise durchaus interessant ausgebildet, als unklar und in der Vertikalerschließung als wenig funktionell.
Die vorgeschlagenen Lösungen im Bereich des Hauptzuganges erscheinen problematisch.
Preisträgerkandidaten:
25, 31, 53, 55.
Projekt 025:
Das Projekt sieht zwei voneinander autonome Eingriffe vor, die, auch wenn sie beide am Rande des Planungsareal liegen, den gesamten Komplex samt Bestand zu einer Einheit verbinden:
- Eine Neugestaltung des Böschungsbereiches zur Talfer, der als Unterbauung des Pergolaganges und des Auditorium-Foyers gleich einem zurückhaltenden Sockelkörper wirkt und die ursprüngliche Flußfassade des Bestandes in einer respektvollen Geste unterstreicht und verbessert.
- die Errichtung eines kräftigen, kompakten, in seiner Ausformung sehr bedeutenden Baukörpers am Rande des Hofbereiches, der -gleichsam als Kulisse dem Bestand schräg gegenübergesetzt - die 'Unordnung' der bestehenden umliegenden Bauten ausschließt und mit dem Bestand eine neue formale Einheit bildet. Der neue Baukörper nimmt in einer spannenden Mischung aus Achtung und Herausforderung einen lebendigen Dialog mit dem Bestand auf. Seine Eigenständigkeit zeigt sich in der Fassadengestaltung (linear, homogen, glatt und mit der Textur der rautenförmigen Fenster überzogen), die sich ganz klar von den razionalistischen Stilelementen des bestehenden Baukörpers abhebt.
Der Entwurf verzichtet auf jegliche bauliche Verbindung zwischen den einzelnen Bauteilen, wodurch der Hof zum Verteiler-, Erschließungs- und Kommunikationsbereich wird.
Zu diesem funktionellen Hemmnis gesellen sich Beeinträchtigungen in der Raumanordnung und -gliederung innerhalb des neuen Bauteiles.
Insgesamt kann der Beitrag als bedeutender Entwurf bezeichnet werden, der für die Probleme der Liegenschaft eine geeignete und originelle architektonische Lösung vorschlägt.
Projekt 031:
Das Projekt löst die Entwurfsaufgabe mit einem kräftigen langgestreckten Baukörper, der sich der Länge nach zwischen die bestehenden Baukörper einfügt. Der Projektant schlägt eine gebaute Front zwischen der Stadt, welcher die wissenschaftlichen Funktionen sowohl im neuen, als auch im bestehenden Baukörper zugeordnet werden, und der Fluß- und Parklandschaft vor, welcher das Auditorium zugeordnet wird.
Städtebaulich und landschaftlich bietet der Entwurf eine in seiner Wirkung weitreichende Umgestaltung an: Auf die an das bauliche Umfeld angebundene Plattform ('städtischer Sockel') wird ein Baukörper aufgesetzt, dessen Überhöhung die Transparenz zum Park gewährleistet.
Die Wirkung des baulichen Bestandes wird durch den neuen Eingriff grundlegend bestimmt; der Entwurf zeigt die feste Absicht, das neue Vorhandensein der Akademie, unter anderem durch eine stark ausgeprägte gestalterische Logik, zu unterstreichen.
Die vorgeschlagene Lösung weist sowohl in der Verbindung der verschiedenen Funktionseinheiten, aber auch in der inneren Raumgliederung (siehe tiefe und schmale Büros am sehr langen Gang) einen strengen Charakter auf.
Der große Aushub an der Flußböschung scheint schwer realisierbar und dürfte aus hydrogeologischer Sicht riskant sein.
Das Projekt dürfte in den strukturellen Eingriffen (siehe Uferböschung) erhöhte Kosten mit sich bringen, doch auch der langgestrekte, zweigeschoßige Baukörper erscheint überdurchschnittlich kostenintensiv.
Zusammenfassend kann das Projekt als ein sehr aussagekräftigerEntwurf bezeichnet werden, der seine städtebauliche, landschaftsgestalterische und architektonische Schwerpunktsetzung trotz einer etwas starren Funktionalität und schweren Realisierbarkeit klar zum Ausdruck bringt.
Projekt 053:
bewältigt die Entwurfsaufgabe mit einer harmonischen Anordnung mehrerer Baukörper sowohl an der Talferböschung, als auch im Hof, wodurch der Bestand in einem komplexen Gefüge neu geordnet werden. Daraus entwickelt sich das Bild eines städtischen Gefüges, das - auch symbolisch - auf die Entstehung einer kleinen 'Wissenschafts-Stadt', einer 'Stadt in der Stadt' zum Ausdruck bringt.
Aus städtebaulicher Sicht trägt das Projekt zu einer gestalterischen Neuordnung eines ausgedehnten und strukturarmen Bereiches sowie eines bedeutenden Flußabschnittes am Zusammenfluß von Talfer und Eisack.
Die neuen Bauteile stellen sich an die Seite des bestehenden Gebäudes, umfassen es harmonisch, und integrieren es formal und funktional in den neuen Gesamtblock, wodurch dieser eine große Einheitlichkeit erhält. Das Verhältnis zwischen 'neu' und 'alt' in Hinblick auf Lage, Proportionen, Volumen und Form ist ausgewogen, rücksichtsvoll dem Bestand gegenüber und gleichzeitig äußerst innovativ.
In funktionaler Hinsicht erfüllt das Projekt wirksam das verlangte Raumprogramm, wobei für die neue Eingangssituation sowie für die Verteilung und Erschließung der verschiedenen Funktionsbereiche ausgezeichnete Lösungen gefunden wurden, und zwar sowohl in den neuen, als auch in den bestehenden Bauteilen, wobei alle durch den internen Gang, welcher die neue Längsachse bildet, verbunden werden.
Das Projekt, das auch in getrennten Baulosen ausgeführt werden kann, scheint in wirtschaftlicher Hinsicht maßvoll und zweckmäßig zu sein, so daß ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis gewährleistet ist.
Zusammenfassend weist das Projekt ein hohes kulturelles Niveau auf; das Projekt ist in der Lage, die städtebauliche, gestalterische und funkionale Komplexität des Ortes mit den neuen Nutzungsansprüchen in Einklang zu bringen.
Projekt 055:
Das Projekt sieht einen einzigen Baukörper vor, der an den 'Kopf' der Drususbrücke gesetzt wird, und dadurch gegenüber dem Bestand in den Vordergrund rückt und eine dominante Stellung einnimmt.
Entsprechend radikal wird die Hierarchie der Räumlichkeit und des Ausdruckes des gesamten Ortes neu geordnet, und zwar sowohl im Verhältnis zum umliegenden Baubestand, als auch im Verhältnis zum Fluss. Der Akademie wird dadurch eine zeichenhafte Wirkung auf die Stadt verliehen.
Die vorgeschlagene Lösung besteht aus einem 'Turm' als alleinstehenden, eigenständigen und entschiedenen Baukörper, dem sich alles unterordnet.
Paradoxerweise resultiert des bestehende Gebäude ebenso physisch intakt, wie es eigentlich aus dem symbolischen Zusammenhang gerissen wird. Sogar in der Wahl der Farben wird dem pompejanischen Rot der 'Alten Dame' die gelbe sowie metallische Farbe des neuen Hauptdarstellers der städtischen Bühne gegenübergesetzt.
Im Vergleich zu diesen starken und radikalen programmatischen Absichten scheint die gestalterische Umsetzung 'minimalistisch', ohne symbolische Faszination; vielleicht wurde bewußt die Ähnlichkeit zu einem 'Büroturm' der zu einem 'Tempel der Wissenschaften' vorgezogen.
Die Raumanordnung erscheint elementar, die Raumabmessungen minimal, bis hin zum Paradoxen.
Das Projekt, dem eine große logische und ideologische Strenge bescheinigt werden kann, ist aus kultureller Sicht anregend, und aus gestalterischer Sicht provokant.
Aufgrund der vorgenommenen detaillierten Beurteilungen obiger 12 Kandidatenprojekte hat das Preisgericht anschließend die jeweils für die drei Kategorien vorgesehenen Projekte bestätigt und hat sodann die endgültige Reihung vorgenommen:
Die Preiszuteilungen sind folgende: für den ersten Preis wurde mit Einstimmigkeit als besonders wertvoll die ausgezeichnete Arbeit des Projektes Nr. 053 bestimmt.
Die weiteren Projekte erfüllen diese Qualitäten nicht. Sollte sich bei Beruteilung der Papiere des Erstplazierten ein Ausscheidungsgrund gleich welcher Art herausstellen, bleibt die Rangordnung unangetastet und der erste Preis wird nicht zuerkannt.
Dies vorausgeschickt werden nun die weiteren Ränge vergeben. Das Preisgericht hat folgende Reihenfolge mehrheitlich beschlossen:
Zweiter Preis Projekt 031 Dritter Preis Projekt 055 Vierter Preis Projekt 025
Das Preisgericht hat weiters beschlossen, die zur Verfügung stehende Summe von 56 Mio. wie folgt aufzuteilen:
Lire 40 Mio. zu 4 gleichen Anteilen auf die Projekte Nr. 013, 036, 045 und 048 für Spesenvergütungen zuzuteilen. Lire 16 Mio. zu 4 gleichen Anteilen auf die Projekte Nr. 007, 008, 021 und 046 für besondere Erwähnungen zuzuteilen.
Die Urheberumschläge werden geöffnet und geprüft. Es wird nachfolgend angeführte Liste erstellt und zwar mit den zweistelligen Nummern (Bearbeitungsnummer) der Vorprüfer und den 6-stelligen Nummern (Kennzahl) mit Namen der Teilnehmer.
Aus der Liste geht hervor:
Preisträger:
1.Preis: 111410 Prof. Arch. Klaus Kada, A - Graz 2.Preis: 165824 Prof. Arch. Aurelio Galfetti, CH - Lugano 3.Preis: 883600 Prof. Arch. Hans Kollhoff, Kollhoff & Timmermann, D - Berlin 4.Preis: 594391 Arch. Oswald Zoeggeler, Bozen
Spesenvergütungen: 123123 Prof. Arch. Michael Gaenßler, D - München 654962 Arch. Giuseppe Donato, Bozen 240872 Arch. Olli Pekka Jokela, SF - Helsinki 481123 Prof. Arch. Bruno Reichlin, Arch. Benoit Carrie, Arch. Thierry Roze, F -Paris
besondere Erwähnung 856087 Arch. Markus Scherer, Arch. Walter Angonese, Bozen 555667 Arch. Florian Riegler, Arch. Roger Riewe, A - Graz 251171 Arch. Wolfram Pardatscher, Meran 952000 Arch. Ezio Moschen, Arch. Dietmar Dejori, A - Innsbruck Abschließend hat das Preisgericht seine Wertschätzung über die Qualität der Projekte, die in großer Zahl bei diesem wichtigen und komplexen Wettbwerb eingereicht wurden, zum Ausdruck gebracht. Die Beiträge dieses Wettbewerbes stellen für die Akademie und für Bozen einen hochwertigen kulturellen Beitrag dar.
Die Arbeit des Preisgerichtes wird am 25.10.95 um 21.00 Uhr mit der Unterschrift des Protokolls abgeschlossen.
Bozen, 25.10.95
die Jury
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