Die Alpen, ein Freilandlabor (2.Teil)
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Die Alpen, ein Freilandlabor (2.Teil)
Und die Alpen? Die Alpen sind nicht nur das grösste und höchste Gebirge Europas, in keiner anderen Region Europas gibt es so viele Tier- und Pflanzenarten. Die Alpen sind aber auch Lebensraum für mehr als 14 Millionen Menschen. Sie sind nicht nur ein einzigartiger Natur-Kultur-Raum, sondern vor allem – und das seit Jahrtausenden – eine Brücke zwischen dem Norden und dem Süden Europas, ein geschichtsträchtiger, vielsprachiger Ort der Begegnung und Auseinandersetzung. Da die Alpen das am besten untersuchte Gebirge der Welt sind, gelten sie als ein Großlabor für die Untersuchung globaler Veränderungen und deren Auswirkungen.
Der gesamte Alpenraum ist aber heute in einer raschen Umwandlung begriffen, die Klima, Natur, Wirtschaft, Kultur und Sprache gleichermaßen betrifft. So führt z.B. der globale Klimawandel nicht nur zum Gletscherrückzug (alpinen Gletscher haben seit dem Gletscherhochstand 1850 ca. die Hälfte ihres Eisvolumens und 30-40% ihrer ursprünglichen Oberflächen verloren), zum Ausschmelzen tiefliegender Permafrostkörper und zu einer Verschiebung in der Vegetation, sondern auch zu einer massiven Beeinflussung der Alpen als Lebens- und Wirtschaftsraum. Man denke nur etwa an die zunehmende Häufigkeit von Naturkatastrophen oder die Auswirkungen auf die Schneesicherheit der Schigebiete. Die Landnutzung und damit auch das Landschaftsbild verändern sich sehr stark: die gut erreichbaren tiefen Tal- und Beckenlagen, sowie Tourismuszentren oder gut erreichbare Gemeinden in der Nähe von großen Städten verstädtern zunehmend. Im ländlichen Raum hingegen findet in vielen Fällen eine Entsiedelung statt. Besonders markant ist dies in den italienischen Alpen zu beobachten. Die Landwirtschaft hat ihre ehemals große Bedeutung als Wirtschaftsfaktor verloren. So wurden z.B. in den letzen 20 Jahren in den Alpen über 40% der landwirtschaftlichen Betriebe geschlossen. Heute ist im Durchschnitt für 70% der Bauern die Landwirtschaft nur mehr ein Nebenerwerb. Neue Nutzungsformen wie z.B. Freizeitnutzung und Energiegewinnung gewinnen an Bedeutung. Für viele Alpentäler ist es heute charakteristisch, dass der flache Talboden und einige kleinere Teilflächen im Almbereich durch Landwirtschaft, Gewerbe, Tourismus, Siedlungen, Verkehr intensiv genutzt, teilweise übernutzt werden, während alle anderen Flächen aus der Nutzung fallen, verbuschen und verwalden.
Damit gehen große Herausforderungen für die Gesellschaft und Politik, aber auch für die Wissenschaft einher. Es gilt Grundlagen, Strategien und Methoden für eine nachhaltige Nutzung und Entwicklung des Alpenraumes zu erarbeiten und umzusetzen. Im Zentrum der Alpen gelegen sind die Voraussetzungen an der EURAC ideal, um anwendungsorientiert im Berggebiet zu forschen und Fragen zur Schnittstelle Mensch-Umwelt nachzugehen. Und genau hier setzt das Institut für Alpine Umwelt an. Zentraler Forschungsfrage ist: Wie ist die nachhaltige Entwicklung in einer Gebirgsregion möglich?
An dieser Stelle können Sie in den nächsten Wochen Informationen zu einer Reihe unserer konkreten Projekte erhalten. Wir laden Sie aber auch ein, unsere Internetseite http://www.eurac.edu/Org/alpineEnvironment/alpineEnvironment/index_de zu besuchen, oder uns auch direkt zu kontaktieren.
Ulrike Tappeiner
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