Die Alpen, ein Freilandlabor (1. Teil)
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Die Alpen, ein Freilandlabor
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Zu fast einem Viertel bedecken Gebirge die Landfläche der Erde.Für Europa sind die Alpen seit jeher von zentraler Bedeutung. Sie sind Lebensraum für mehr als 14 Millionen Menschen, ein einzigartiger Natur-Kultur-Raum und seit Jahrtausenden eine Brücke zwischen dem Norden und dem Süden Europas, ein geschichtsträchtiger, vielsprachiger Ort der Begegnung und Auseinandersetzung. |
Das Institut für Alpine Umwelt beschäftigt sich mit der Erforschung des alpinen Lebensraumes. Eines der größten natürlichen ökologischen Experimente, möglicherweise das einzige, das es über alle Klimaregionen und Breitengrade der Erde gibt, sind die Gebirge der Erde. Die hohe vertikale Dimension der Gebirgsstöcke führt dazu, dass die Lebewesen dramatischen Veränderungen von Klimafaktoren, wie Temperatur und Sonneneinstrahlung auf kürzesten Distanzen ausgesetzt sind. Im Flachland hingegen treten derartige Klimagradienten nur über Tausenden von Kilometern auf. Gebirge sind also nicht nur irgendwelche marginalen, quantitativ irrelevanten Regionen dieses Globus, sie stellen Lebensgrundlagen und Ressourcen für sehr viele Menschen zur Verfügung: Mehr als die Hälfte der Menschheit bezieht ihr Trinkwasser aus Gebirgen. Gebirge als die Regenfänger der Kontinente haben deshalb eine eminent wichtige Rolle. Nur ein sehr geringer Teil des Wassers wird allerdings getrunken; viel wichtiger sind die Gebirge als Lieferanten von Bewässerungs-Wasser und von Wasser für die Erzeugung von Elektrizität. Gebirgs-Ökosysteme, allen voran die Wälder, haben eine wichtige Funktion für die Speicherung des Niederschlagswassers und die kontrollierte Abgabe des Wassers. Damit spielen sie auch eine wichtige für die Stabilisierung der steilen Gebirgshänge, sie verhindern Erosion und regeln, wie erwähnt, den Abfluss des Wassers. Viele Gebirgswälder schützen menschliche Infrastruktur vor Lawinen und Steinschlag. Wo keine Wälder vorhanden sind, ist es oftmals nötig, teure Schutzbauten zu erstellen. Aus Gebirgen stammt auch eine grosse Palette an Bioressourcen. Ich nenne hier nur stellvertretend die Viehwirtschaft, welche zum Beispiel für den Bergkäse oder die Schokolade verantwortlich ist, und Gewinnung von erneuerbaren Baustoffen wie Holz.
Zunehmend wird auch die Bedeutung von Gebirgswäldern für die Kohlenstoffbilanz der Erde erkannt –28% der Wälder unseres Planeten liegen in Gebirgen. Da in den gemässigten Breiten die Waldnutzung derzeit zurückgeht, dürfte ein grosser Teil des viel diskutierten 'missing sink' der globalen Kohlenstoffbilanz in Gebirgswäldern liegen. Gebirge und ihre Ökosysteme sind auch von eminenter Bedeutung für den globalen Tourismus – wohin gehen die Menschen in die Ferien, wenn nicht ans Meer, in interessante Städte oder ins Gebirge? Schliesslich sind Gebirgsökosysteme wichtig für die natürliche Vielfalt, die so genannte Biodiversität. Dies ist zum einen eine Folge der Tatsache, dass in Gebirgen auf kleinstem Raum eine Vielzahl von verschiedenen Ökosystemen vorhanden ist. Zum anderen rührt die hohe Biodiversität aber auch daher, dass die Nutzungsintensität typischerweise geringer ist als in tiefen Lagen. In einem einzigen Gebirgszug (z.B. Kaukasus) umfasst die Artenzahl der alpinen Stufe ungefähr die der gesamten Tundra (ca. 1500 Pflanzenarten). (weiter) Ulrike Tappeiner
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