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Gebauter gesellschaftlicher Ausdruck 
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Bauen ist in Südtirol noch reines Expertenthema. Ein Blick über den Südtiroler Tellerrand hinaus soll Aufschluss darüber geben, was das Ausland in punkto Architekturvermittlung unternimmt.
Wir sprachen mit Silja Schade-Bünsow, Projektleiterin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin des deutschen ‚Förderverein Bundesstiftung Baukultur' in Berlin.


Was ist die Bundesstiftung Baukultur?
Nun, momentan gibt es die Stiftung noch nicht. Sie befindet sich noch in Gründung. Mit der Stiftung wird die seit 2000 existierende Initiative ‚Architektur und Baukultur' fortgesetzt. Ihre Aufgabe ist es die öffentliche Diskussion über die Qualität des Planens und Bauens in Deutschland zu bündeln. Seit 2002 begleitet und fördert der Förderverein Bundesstiftung Baukultur die Errichtung der Bundesstiftung. Wenn die Stiftung dann steht, soll sie eine bundesweite Plattform für gutes Planen und Bauen sein. Sie wird den öffentlichen Dialog über die Kriterien für Baukultur organisieren und soll bei Akteuren und in der Bevölkerung Interesse für baukulturelle Themen schaffen.

Wer sind denn die Initiatoren dieser Stiftung?
Angeregt wurde die Initiative vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, den Architekten- und Ingenieurkammern und Verbänden. Der Bund hat den Vorschlag aufgenommen und nun soll aus der „Initiative Baukultur" eine Bundesstiftung werden, die dann der Baukultur ein höheres Maß an Aufmerksamkeit und öffentlichem Gewicht verschaffen soll.
Das von der Bundesregierung ausgearbeitete Stiftungsgesetz ist derzeit in Abstimmung. Der Bundestag hat bereits zugestimmt, aber da in Deutschland die Kulturhoheit bei den einzelnen Bundesländern liegt, muss auch noch die Ländervertretung, der Bundesrat, zustimmen. Das wird noch etwas dauern. Wir rechnen damit, dass das Gesetz im Herbst dieses Jahres erlassen wird.

Welche konkreten Baukultur-Aktionen gab es bereits?
Es gab zahlreiche Veranstaltungen. Doch waren das bislang Einzelaktionen der Kammern und Verbände. Ein Beispiel ist das Architekturquartett der Bundesarchitektenkammer BAK, bei dem je vier Personen – Architekten, Journalisten und interessierte Laien - kontrovers an Hand von drei Beispielen über die jüngsten Berliner Bauten diskutierten.

Das scheint mir eher eine Expertenveranstaltung zu sein. An wen richten sich denn die Aktionen?
Das ist richtig. Bislang waren die Veranstaltungen mehr auf die Fachöffentlichkeit fokussiert. Das soll sich mit Errichtung der Stiftung ändern. Mit Veranstaltungen, wie beispielsweise öffentliche Ateliers der Architekten oder auch Exkursionen, möchte die Stiftung später auch die breite Öffentlichkeit ansprechen. Ebenso durch Aktionen wie die „Stadt der Baukultur". Hier können sich Städte und Regionen, die besonders anerkennenswerte Aktivitäten und Leistungen auf dem Gebiet der Baukultur nachweisen oder planen, bei der Stiftung um den Titel „Stadt der Baukultur" bewerben.

Eine letzte Frage. Was ist für sie ganz persönlich „Baukultur"?
Baukultur ist vieles. Oftmals wird der Begriff mit Architektur gleichgesetzt. Das ist meiner Ansicht nach zu kurz gegriffen. Für mich beinhaltet Baukultur gesellschaftliche Werte, Traditionen, Baugeschichte, dann die ganzen Disziplinen, wie Städtebau, Ingenieurwesen, Landschaftsarchitektur und vieles mehr. Ich glaube, wenn ich mit einem Satz antworten sollte, würde ich sagen: Baukultur ist der gebaute gesellschaftliche Ausdruck.

Das Interview führte Julia Reichert.


 
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