Architektur als Teil der Landschaft
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Architektur als Teil der Landschaft
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Wie Politik Architektur beeinflusst und umgekehrt. Und warum es an der Zeit ist, unser Gespür für Formen in der Landschaft zu schärfen. Ein Gespräch mit Landesrat Michl Laimer. |
Ganz Südtirol scheint derzeit eine einzige Baustelle. Wird nicht zu viel gebaut? Heute schimpft man im ganzen Land, dass zu viel gebaut wird. In Wirklichkeit schimpfen die Leute, weil schlecht gebaut wird. Wenn es uns gelingt, wieder Qualität ins Bauen zu bringen, wird das Schimpfen ein Ende haben.
Bestimmt nicht auch die Politik, was und wie gebaut wird? Die Politik schafft mit Vorgaben zur Ausweisung von Bauzonen, zur Kubatur, zu den Gebäudeabständen, zum Umgang mit Ressourcen usw. die Rahmenbedingungen fürs Bauen, kann aber nicht zu jedem Zeitpunkt absehen, wie sich Architektur entwickelt. Als wir zum Beispiel gesetzlich verankert haben, dass das Stiegenhaus zur Kubatur gehört, haben die Planer plötzlich angefangen, Stiegenhäuser nach draußen zu verlegen. Schön ist das in den wenigsten Fällen, dafür gewinnbringend. Und leider muss sich in Südtirol beim Bauen immer alles rechnen. Nun werden wir per Gesetz festlegen, dass Stiegenhäuser nicht im Freien liegen dürfen.
Ist das nicht mühsam und kontraproduktiv immer nur regulierend einzugreifen? In der Tat. Und eigentlich sollte es in der Politik gar nicht so weit kommen. Wenn die verantwortlichen Bauakteure ein besseres Gespür für gebaute Umwelt entwickeln würden, wenn sie begreifen würden, dass sie nicht zur Selbstinszenierung bauen, dass es bei einem Bauplan auch ein Links und Rechts davon gibt, und dass sich der Einzelbau auch immer in ein landschaftliches oder städtebauliches Ensemble eingliedern muss, dann werden wir auch weniger Gesetze brauchen.
Wie kann die Politik das Gespür für gebaute Umwelt schärfen? Indem sie Baukultur zu einem wichtigen Thema macht. Indem sie etwa ein Kompetenzzentrum fürs Bauen einrichtet, in welchem interdisziplinäre Fachleute aus dem In- und Ausland sitzen, um Bauakteuren bei der Ausarbeitung sensibler Projekte beratend zur Seite stehen. Aber ich möchte nicht immer nur Negativbeispiele nennen. Es gibt durchaus auch gute Architektur in Südtirol und gelungenes Bauen in der Landschaft. Die Gemeinde Lana hat neulich einen Landschaftsinventarplan vorgenommen. Die Verantwortlichen der Gemeinde haben sich von externen sachkundigen Beratern durch ihre eigene Landschaft führen lassen und waren am Ende überrascht, was für Schätze – natürliche und gebaute - sie selbst jahrelang übersehen hatten. Wir müssen unsere Natur- und Kulturlandschaft wieder lieben lernen, um sie zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Das Interview führte Sigrid Hechensteiner.
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