„Architektur ist versteinerte Musik", steht auf dem Türrahmen eines alten Bauernhauses. Mit sichtbar viel Mühe ist es hergerichtet worden und bietet nun mit seinen warmen Sandsteinen einen behaglichen Anblick. Es fordert die Passanten förmlich auf, stehen zu bleiben und vielleicht sogar den messingfarbenen Türklopfer zu tätigen und hineinzugehen. Das Haus gehört einem Architekten. Eine Tatsche, die nicht weiter verwundert, ließe sich doch sonst kaum jemand zu solch einem Ausspruch hinreißen. Häuser und Räume werden bewohnt, gelebt, aber meist eher unbewusst wahrgenommen. Mit Musik bringt der Nicht-Architekt maximal ein Opernhaus in Verbindung. Und wirkliche Beachtung erfahren meist nur Prachtbauten.
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Und doch ist Architektur die Kulturform, mit der jedermann am häufigsten in Kontakt kommt, nämlich täglich und fast ununterbrochen. Unsere Umwelt ist in erster Linie eine gebaute Umwelt. |
| Bild: Lukas Abram |
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Permanent befinden wir uns in, vor oder zwischen Gebäuden. Und dennoch ist Architektur meist nur Diskussionsgegenstand elitärer Kreise.
Architektur für alle
Architektur hingegen zum allgemeinen Gesprächsthema zu machen, ist das Ziel, der im Juni vergangenen Jahres an der EURAC gestarteten Initiative Baukultur.Bozen. „Architektur geht uns alle an", schreibt Walter Prenner, ältester Mitarbeiter der Initiative, in seinem persönlichen Statement zum Thema Baukultur. Mit unterschiedlichen Projekten und Veranstaltungen möchte Baukultur.Bozen Experten und Laien gleichermaßen ansprechen und „Bauen" in Südtirol zum öffentlichen Gesprächsthema machen.
Mit EURAC auf ArchitekTour
Vier Projekte sind seither über die Südtiroler Baubühne gegangen. Auftaktveranstaltung war die „ArchitekTour", ein Streifzug durch Bozen und Umgebung.
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Begleitet von Experten begaben sich 35 Interessierte im vergangenen Juli auf die Entdeckungsreise lokaler Baukultur. Begegnungen mit Gestern, Heute und Morgen lautete das Motto der Tour. An drei Stationen erlebten die ArchitekTouristen drei zeitliche Etappen der Südtiroler Architekturgeschichte: das Gestern symbolisiert durch die Festung Sigmundskron in Eppan, das Neue Landhaus II in Bozen, als „bürokratische Festung" unserer Zeit.un schließlich der Bunker 1549/54 in Haslach, der unter dem Stichwort „Tarnung" visionäre Projekte junger Architekten beherbergte.
Nach Venedig zur Architekturbiennale
Internationale Architekturtrends sahen sich im Oktober auf Einladung der EURAC eine Gruppe von Südtiroler Architekten, Politiker und Unternehmer bei einem Besuch der Biennale in Venedig an.
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Begleitet von Architekturdozent und Autor Hubert Salden und dem ehemaligen Präsidenten der deutschen Architektenkammer, Andreas Gottlieb Hempel, erkundete und erörterte die Gruppe die Länderausstellungen des „Arsenale" und der „Giardini", die dieses Jahr im Zeichen der Metamorphose standen. |
Barrierelos Bauen
Zurück in Südtirol beleuchtete eine Tagung Ende Oktober einen ganz anderen Aspekt der Architektur und Raumplanung. Unter dem Titel „Leben ohne Barrieren" diskutierten Politiker, Experten, Betroffene und Interessierte über eine behindertengerechte Bauweise in Südtirol. Bereits einen Monat vorher war die Öffentlichkeit aufgerufen, konkrete Vorschläge einzureichen, wie baulicher Hindernisse in Südtirol vermieden oder abgebaut werden könnten. Dabei ging es um Randsteine, Stiegen, Türen und Gänge, die für Menschen mit Einschränkungen unüberwindbare Hindernisse darstellen können.
Destination Brenner
Das jüngste Projekt von Baukultur.Bozen beschäftigt sich mit dem ehemaligen Grenzort Brenner. Über die Zukunft des einst florierenden Höhenkurortes am Alpenhauptkamm machten sich in diesem Wintersemester 70 Studenten aus Trient, Innsbruck und Stuttgart Gedanken.
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Nach einer Vor-Ort-Einführung ins Thema im vergangenen September in Brenner und an der EURAC hatten die künftigen Architekten, Raumplaner und Bauingenieure fünf Monate Zeit, um Konzepte zu entwerfen und Modelle zu bauen. Von irrationaler Utopie bis zum realisierbaren Entwurf reichen ihre Ideen, die sie vom 18. bis 25.März auf dem EURAC-Vorplatz unter dem Motto „Destination Brenner – Höhenkulturort in Europa" dem Südtiroler Publikum präsentieren.
Julia Reichert
14.03.2005