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...das Wort den Fachleuten. 
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Baukultur.Bozen nennt sich die neue Initiative, die den Südtirolern mit Veranstaltungen und Kulturprojekten Lust auf gebaute Umwelt machen möchte. Was das junge Team ganz persönlich unter „Baukultur" versteht, umreißen sie in drei kurzen Statements.




Wie wir bauen, so leben wir
Claudia Tappeiner
Noch bevor der Mensch sesshaft geworden ist, hat er Gebäude errichtet. Seither hat Bauen mit Kultur, mit Pflege, Verfeinerung, Veredelung – das ist die Übersetzung von Kultur – zu tun. Gegenüber Esskultur, Körperkultur, Spaßkultur und sonstigen Kulturen von denen man heute spricht, ist von Baukultur, als eine der wohl ältesten aller Kulturen, eher selten die Rede.
Die Baukultur gibt Aufschluss wie wir leben und wie wir denken. Die Großfamilien zu Beginn des letzten Jahrhunderts hatten andere Lebensformen, als Kleinfamilien von heute und daraus entstehen auch andere Bedürfnisse an das Bauen. Räume lassen sich verschieden gestalten und damit ändert sich auch unser Zusammenleben mit anderen Menschen, im privaten, wie auch im öffentlichen Bereich. Wir benötigen heute andere Räume, der technologische Fortschritt bietet andere Möglichkeiten der Raumformen und des Raumklimas, unser Bezug zur Natur hat sich geändert, genauso wie die Organisation des Tagesablaufes. Daraus entstehen neue Bedürfnisse an die Gestaltung der gebauten Umwelt.
Bauen bezieht sich nicht nur auf das Gebäude in dem wir uns befinden. Ein Gebäude oder ein baulicher Eingriff kann niemals nur für sich stehen. Gebautes ist immer ein Eingriff in die Umgebung und beeinflusst diese nicht nur in ästhetischer Hinsicht. Ein Bauherr trägt somit auch immer Verantwortung anderen Menschen gegenüber.
Da Gebautes nicht ad hoc ausgetauscht werden kann, wenn neue Bedürfnisse entstehen, müssen diese reflektiert werden. Aus diesen Überlegungen stellen sich für mich Fragen:
Nehmen wir die Räume bewusst war, in denen wir uns bewegen und denken über sie nach?
Machen wir uns beim Bauen Gedanken, wie wir morgen leben werden?
Welche Bedeutung wird der Atmosphäre eines Raumes zugemessen im Verhältnis zu ökonomischen oder ökologischen Überlegungen?
Nehmen wir die Verantwortung wahr, die wir beim Bauen gegenüber anderen Menschen tragen?
Wie am Anfang beschrieben hat Baukultur mit der Pflege, der Verfeinerung des Bauens zu tun.
Diese Reflexionen sollen durch die Initiative baukultur.bz unterstützt werden, da der Umgang mit der gebauten Umwelt jeden von uns betrifft.

Architektur geht uns alle an
Walter Prenner
Baukultur entsteht in einem gesellschaftlichen Prozess, in Zusammenhang mit der Entwicklung einer Gemeinschaft an einem Ort oder in einer Region. Sie resultiert aus der Antwort auf Bedürfnisse mit Einsatz materieller und geistig-kultureller Ressourcen sowohl eines jeden Einzelnen, als auch der Gemeinschaft, der Wirtschaft und der Politik.
Dadurch präsentiert sich gebaute Kultur sehr vielgestaltig und komplex. Gebautes lässt sich also von örtlichen und zeitlichen Gegebenheiten herleiten. Die Art und Weise der gebauten Kultur ist Zeugnis für gemachte, derzeitige und mögliche Entwicklungen einer Gesellschaft. Im Bezug auf Südtirol präsentiert sich für mich ein sehr fragwürdiges Bild, das jedoch die Möglichkeit bietet über Ursachen und Folgen von Entwicklungen zu diskutieren. Daher gilt es die gesamte Bevölkerung für gebaute Kultur zu sensibilisieren. Architektur geht uns alle etwas an.

Dorado für jedermann
Armin Blasbichler
Baukultur zu einem gesellschaftsfähigen Thema zu machen ist vielleicht notwendiger denn je. Vor allem jedoch ist es Grundlage dafür ein Bewusstsein für eine zeitgenössische Gestaltung der gebauten Umwelt zu entwickeln.
Diskurs, Reflexion und Aktion zum Thema, in einem Ambiente wo Wertvorstellungen zumeist automatisiert ablaufen, Versachlichung und Sicherheitsdenken um sich greifen, verdeutlicht möglicherweise wie viele Chancen in der Vergangenheit ungenutzt geblieben sind.
Baukultur ist nicht immer Architektur und das muss es wohl auch nicht, dafür sind zu viele Interessensgruppen im Spiel. Mit dem Anliegen jedoch, dass das Bauen von einem Dorado für die Verwalter und Rechtsanwälte auch wieder zu einem Dorado für die Architekten und alle anderen Narren, Liebenden und Leidenden, Poeten und Künstlern wird, könnte Baukultur.Bozen bereichernde Akzente für einen frischen Zugang zur gebauten Umwelt setzen.

Für weitere Informationen: baukultur.BZ@eurac 

07.03.2005

 


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