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Mit dem Fahrrad an den Rand Europas.  
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Eine sportliche Exploration zwischen politischer Osterweiterung, stolzen Wehrkirchen, buntem Kulturerbe und bemühter Draculabeschwörung.

Zwischen 7. und 13. Mai durchradeln zwei EURAC-Mitarbeiter das rumänische Transsylvanien und Siebenbürgen. Gewissermaßen ein habituelles Unterfangen: Bereits im Mai 2004 sind Günther Rautz und Gabriel Toggenburg auf den Spuren der ersten Osterweiterung gefahren – entlang der berüchtigten Green Line auf der geteilten Insel Zypern. Der neuerliche Radurlaub der beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter soll uns unmittelbare Eindrücke von der neuen „Erweiterungszone" beschaffen: eine Radtour der besonderen Art für mehr „terra cognita" in unserer Europäischen Nachbarschaft.

Die verschwiegene Erweiterung. Bald schon sind es 6 Monate dass Rumänien und Bulgarien auch formell zur Europäischen Staatenfamilie der EU gehören. Doch die so genannte „Kleine Osterweiterung" fand jenseits des öffentlichen Bewussteins statt. Wenig weiß man von den neuen Nachbarn. Kaum jemand hat Notiz davon genommen, dass mit ersten Jänner 2007 fast 30 Millionen Menschen zu neuen EU-Bürgern wurden. Das war vor 3 Jahren, anlässlich der Grossen Erweiterung noch anders: 10 Staaten mit einer Bevölkerung von insgesamt 75 Millionen sind damals mit großem Pomp der EU beigetreten. Als Toggenburg und Rautz am 1. Mai 2004 mit ihren Rädern die Green Linie zwischen Nord- und Südzypern überschritten hatten, fuhren sie auch durch eine Zone medialer Aufmerksamkeit. Der erste 1. Mai 2004 steht nach wie vor für den krönenden Abschluss der Niederreissung des Eisernen Vorhangs. Davon scheint wenig übrig geblieben: was in der EU-Erweiterungspolitik nach dem 1.Mai 2004 kommt, scheint nur mehr unter business as usual verbucht zu werden. Wird man damit dem Abenteuer Rumänien und Bulgarien gerecht? Zweifel und Neugier sind angesagt. Zeit für die beiden wieder die Mountainbikes einzupacken und Richtung Rumänien zu fliegen!

Eine Stadt - drei Namen Cluj-Koloszvár-Klausenburg. Die Radtour führt durch Transsylvanien und Siebenbürgen, von Cluj-Koloszvár-Klausenburg nach Sibiu-Hermannstadt, das gemeinsam mit Luxemburg Europäische Kulturhauptstadt 2007 ist.
In Cluj-Koloszvár-Klausenburg lebt neben einer kleinen deutschen Minderheit eine beträchtliche Zahl von Ungarn. Mit 7 % sind die Ungarn die größte Minderheit im 22 Millionen Einwohner zählenden Rumänien.

Die Ungarn sind sogar Koalitionspartner in der Regierung in Bukarest. Die Zahl der Roma als zweitstärkste Gruppe liegt bei 2,2 %. Alle anderen Minderheiten wie die Deutschen (etwa 60.000 im Banat und in Siebenbürgen) sind zu klein um aus eigener Kraft ins Parlament gewählt zu werden. Per Gesetz ist daher 18 verschiedenen ethnischen Minderheiten jeweils ein Sitz im Parlament zugesichert. Darüber hinaus haben die Minderheiten unter gewissen Bedingungen das Recht, ihre Sprachen in Verwaltung, Gericht, Schule und für topographische Bezeichnungen zu verwenden. Dass die Praxis etwas anders aussieht, zeigen die Schlagzeilen der letzten Monate aus Cluj, wo zwei Hochschullehrer entlassen wurden. Der Grund: die beiden Dozenten hatten an Hörsälen und Seminarräumen der offiziell mehrsprachigen Babes-Bolyai Universität Beschriftungen in ungarischer Sprache angebracht.

Verblassendes deutsches Erbe: Sighisoara/Schäßburg. Es geht weiter an Hunderten von Wehrkirchen vorbei in Richtung Sighisoara/Schäßburg. Einst Hochburg der Siebenbürgner Sachsen ist vom Glanz längst vergangener Zeit nur wenig übrig. Zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert wurden deutschsprachige Einwanderer angesiedelt und gewaltige Verteidigungsringe und Kirchenburgen erbaut, um einfallende Türken und Tartaren abzuwehren. Mit der kommunistischen Machtübernahme 1947 und vor allem während der Diktatur Nicolae Ceausescu von 1965 bis 1989 begann der Niedergang der deutschen Kultur in Siebenbürgen. Ab 1982 lies sich Ceausescu bis zu 4000 Euro pro Kopf für jeden auswanderungswilligen Deutschen von der Bundesrepublik bezahlen. Ergebnis der absurden Aussiedelung sind verlassene Dörfer und Straßenzüge, nur mehr Reste einer Kulturlandschaft des einst für seinen Weinanbau bekannten Gebietes und wenige, meist alte Menschen, die in Schäßburg noch Deutsch sprechen. Gespenster, heißen sie nun Ceausescu oder Fürst Vlad Tepes alias Graf Dracula, geistern noch immer durch die leeren Gassen Schäßburgs. Ob sie der denkwürdigen Stadt noch touristisches Leben einzuhauchen vermögen?

Neuer alter Glanz: Sibiu/Hermannstadt. Pferdefuhrwerke, Dacias und vereinzelt neue Luxuslimousinen säumen die Straßen Rumäniens.
Noch stärker zeigen sich diese Gegensätze in dem frisch für die Kulturhauptstadt herausgeputzten Sibiu/Hermannstadt.

Galt Bukarest als Klein Paris, so galt Hermannstadt als Klein Wien und diesem Anspruch möchte die Stadt heuer wieder gerecht werden. Trotz einer nur verschwindend kleinen Zahl deutschsprachiger Hermannstädter lenkt ein deutscher Bürgermeister erfolgreich die Geschicke der Stadt. Ein breites kulturelles Angebot und ausländische Firmenansiedelungen lassen in Hermannstadt keine post-kommunistische Dracularomantik aufkommen. Die Stadt spiegelt den Wirtschaftsboom Rumäniens. Mit der Senkung der Inflationsrate von noch 40 % im Jahr 2000 auf knapp 5 % im Jahr 2006 stieg das BIP letztes Jahr landesweit auf 7,5 % und die Arbeitslosigkeit sank auf 5,4 %. Vor allem deutsche und österreichische Unternehmen wie OMV, Erste Bank oder Siemens sind wichtige Investoren, die 2006 über 8,5 Milliarden Euro in die rumänische Wirtschaft investiert haben. Gute Zeichen in nach wie vor unsicheren Zeiten. Mehr Eindrücke werden die beiden Fahrradfahrer gegen Ende ihrer Reise übermitteln.


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