kontakt | site map | impressum           18.5.2008
Logo EURAC  
  NEWS ARCHIV    
      Veranstaltungen    
      Kurse    
      Forschung    
      Neuerscheinungen    
      Stellenangebote    
SUCHE IN EURAC.EDU  
 

Afghanistan: der Kampf nach dem Krieg - Teil 4 
Home  |  Focus  |  EuropeSouth Asia  |  Afghanistan: der Kampf nach dem Krieg - Teil 4  

Afghanistan heute

Afghanistan ist auch nach dem Krieg gefährlich. Der Weg in ein kleines Bergdorf ist mit ausgebrannter Kriegsmaschinerie gesäumt. Überall patrouillieren ISAF Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen. Kaum eine Autostunde außerhalb von Kabul scheint endlich Frieden eingekehrt. Doch der Schein trügt. Das ganze Gebiet ist nach wie vor vermint, nur die an manchen Berghängen sichtbaren weiß markierten Stellen sind entmint. „Wir können uns nicht frei bewegen", erzählt mir der Dorfälteste etwas später. Sein Dorf besteht aus drei Großfamilien.

Immer wieder haben sie es aufgebaut, immer wieder wurde es in zahlreichen Kriegen und Stammesfehden zerstört. Besonders freue es den alten Mann, mit dem sonnengegerbten Gesicht, dass in den letzten Monaten viele junge Exilafghanen heimkehren würden.Im Dorf sind auch Exilafghanen aus Deutschland zu Besuch. „Wir sind nur auf begrenzte Zeit bei Verwandten hier, inzwischen ist Deutschland unsere zweite Heimat", versichern sie mir.

Vor allem di jungen Frauen sind verunsichert: „Wir wissen hier oft nicht, wie wir uns den Männern gegenüber verhalten sollen", erklären sie mir. „Dürfen wir deren Hand zur Begrüßung schütteln oder nicht?" Die zwei Exilafghaninnen dürfen erst einmal im Gemeinschaftshaus Platz nehmen. Die Frauen aus dem Dorf dürfen nicht zu uns kommen. Nach dem Essen verschickt sie der Dorfälteste dennoch. Die beiden nehmen es locker und zünden sich auf dem Weg zu den Dorffrauen heimlich eine Zigarette an. Im Gemeinschaftshaus legen sich die Männer auf Teppichen nieder. Den Kopf auf bunte Kissen gestützt trinken sie Tee und rauchen. Sie erzählen sich Geschichten oder schweigen auch einfach nur. Hie und da durchbrechen Gewehrsalven die Stille. Aus Zeitvertreib schießen ein paar junge Männer mit einem alten Gewehr auf Steine.
Bei Sonnenuntergang verabschieden wir uns von der Dorfgemeinschaft. Die jungen Deutschafghanen kehren mit uns nach Kabul zurück. Der Abschied ist herzlich, die Exilafghanen sind hin- und hergerissen. Obwohl sie als kleine Kinder Afghanistan verlassen haben, wissen sie, dass hier ihre Wurzeln liegen. Doch erst müsse mit ausländischer Hilfe Demokratie und Sicherheit gewährleistet werden, dann ist an Rückkehr zu denken Bis alle Stammesfehden bereinigt sind und das Land nicht mehr von religiösen Fundamentalisten tyrannisiert wird, wird es wohl noch Jahre dauern. Projekte wie jene von Swisspeace und der EURAC leisten einen kleinen Beitrag zum Demokratisierungsprozess in Afghanistan.

Günther Rautz

21.10.2004


  info box
   


Teil 1: Afghanistan: der Kampf nach dem Krieg

Teil 2: Welcome to Kabul 

Teil 3: Historische Rückblende

Photo Gallery

 
 
Copyright © EURAC 2008 Seite versenden Seite drucken Seitenanfang