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Indien – Die größte Demokratie der Welt
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Indien – Die größte Demokratie der Welt
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Bei den Wahlen im Mai haben 654 Millionen Menschen entgegen aller Meinungsumfragen die Kongress Partei zur stärksten Kraft im Lande gemacht. Aber wie demokratisch ist nach dem Rückzug Sonia Gandhis' die größte Demokratie der Welt wirklich? | Bei einer Bevölkerung von einer Milliarde Menschen, extremen ethnischen, religiösen und sozialen Unterschieden war das Wahlergebnis und seine Folgen in vielerlei Hinsicht überraschend. Nach den letzten Wahlen zur Volkskammer -Lok Sabha- 1999 hatte die Kongress Partei nur mehr 114 Sitze. Die Bharatiya-Janata-Partei, die auch den letzten Ministerpräsidenten Atal Behari Vajpayee stellte, kam dagegen zusammen mit ihren 24 Koalitionspartnern auf 298 der insgesamt 537 Sitze. Der alte Politprofi Vajpayee stand bis zu den Wahlen für eine stabile Regierung und für die Annäherung an Pakistan. Er war unbestritten verantwortlich für das indische Wirtschaftswunder mit Wachstumsraten bis zu 8% und förderte die national-hinduistische Lebensweise bei einer Bevölkerung von 80% Hindi. Sein scheinbar unschlagbares Wahlmotto "Shining India" (Leuchtendes Indien) versprach steigenden Wohlstand, Innovation und Konsum für alle.
Auf der anderen Seite eine seit Jahren geschwächte Kongress Partei mit Sonia Gandhi an der Spitze. Einer politisch relativ unerfahrenen "Italienerin", bei der böse Kommentatoren mitzählen, wie viele Minuten sie fehlerfrei Hindu spricht. Trotzdem triumphierte Gandhi im ersten Medienwahlkampf Indiens über den haushohen Favoriten.
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 | Indien schien schon in den letzten Jahren und besonders nach diesen Wahlen einen demokratischen Quantensprung gemacht zu haben. Die Koalition unter Ministerpräsidenten Vajpayee mit 25 Parteien, die eine ganze Legislaturperiode hielt, zeugte von der außerordentlichen Demokratiereife der Parteien. Doch auch der indische Wähler ist mündig geworden und brachte mit seinem Votum für die Kongress Partei seinen Willen deutlich zum Ausdruck: Für eine Trennung von Staat und Religion und für ein soziales Indien, in dem der Wirtschaftsboom auch der armen Bevölkerung zugute kommen sollte. Schließlich das Vertrauen in Sonia Gandhi, die erst seit 20 Jahren die indische Staatsbürgerschaft besitzt.
Nachdem Sonia Gandhi mit der Regierungsbildung beauftragt wurde, kam es zu heftigen Demonstrationen von Seiten des nationalen Lagers gegen ihre Person. Bei einer Milliarde Indern wäre es eine Schande für das Land, eine nicht in Indien geborene Christin zum Premierminister zu machen. Viele politische Stimmen zweifelten nach dem Rücktritt Gandhis' an der Demokratiereife Indiens. Der Wahlsieg war ganz klar der Person Sonia Gandhi zuzuschreiben, die dem Druck der Strasse zu weichen schien. Doch bei nüchterner Betrachtung war mit solchen Reaktionen zu rechnen. Sonia Gandhis' Entscheidung hatte vielmehr mit persönlichen wie auch politischen Gründen zu tun. Einerseits die Gefahr wie ihre Schwiegermutter Indira Gandhi und ihr Ehemann Rajiv einem politischen Attentat zum Opfer zu fallen. Andererseits hätte bei der knappen Mehrheit ihrer Koalition mit unzuverlässigen Partnern ihre politische Unerfahrenheit schnell zu einer Regierungskrise führen können. Nach der Entscheidung Gandhis spiegelt sich die Demokratiereife Indiens vielmehr in zwei bemerkenswerten Details: Die Ernennung des ehemaligen Finanzministers Manmohan Singh zum ersten Premierminister, der einer religiösen Minderheit, den Sikhs, angehört und die nunmehr seit einen halben Jahr doch relativ stabil arbeitende Regierung. Sonia Gandhi dagegen wird durch ihr opferreiches Leben und mit ihrem Rückzug zum Wohle der Nation auch weiterhin eine wichtige politische Rolle in ihrem Land spielen. (Günther Rautz)
21.10.2004
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