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Afghanistan Wahlen: Über 55 Prozent für Präsident Karsai 
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Hamid Karzai ist nach vorläufigen Ergebnissen der klare Sieger der Präsidentschaftswahl in Afghanistan. Offiziellen Angaben zufolge haben über 55 Prozent (rund 4,4 Millionen) der Wähler für den bisherigen Übergangspräsidenten gestimmt.

Das offizielle Wahlergebnis wird erst nach Abschluss einiger Untersuchungen von Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenabgabe verlautbart. Die Wahlbehörde und die unabhängige internationalen Untersuchungskommission haben allerdings bereits verkündet, dass Untersuchungen nur bei 15 der mehr als 22.000 Wahlurnen nötig seien. Auch die Wahlverlierer, wie der mit knapp über 16% der Stimmen zweitplatzierte frühere Erziehungsminister Junus Kanuni (politischer Führer der Nordallianz), haben bereits verkündet, das Wahlergebnis im nationalen Interesse anzuerkennen.

Von den insgesamt 18 Kandidaten konnten nur noch der Hazara-Führer Mohammed Mohaqiq mit 11% und der Usbeken-Führer Abdul Rashid Dostum mit 10% ein beachtliches Ergebnis einfahren. Die einzige Frau, Masuda Dschalal, erreichte knappe 1,3%.

Die ersten offiziell frei durchgeführten Wahlen in Afghanisten scheinen jedoch eine Radikalisierung mit sich zu bringen. Drei Wahlhelfer der Vereinten Nationen, ein philippinischer Diplomat und zwei Frauen aus Großbritannien und Kosovo wurden von einer abgespalteten Taliban-Gruppe entführt. Internationale Beobachter vermuten, dass es zu einer Radikalisierung wie im Irak kommen könnte, da es den Taliban nicht gelungen ist, die Wahlen zu sabotieren.
Das Wahlergebnis, ganz im Sinne von US-Präsident Bush, könnte auch Auswirkungen auf das Kopf an Kopf Rennen im amerikanischen Wahlkampf haben. Bush wird die Wahl von Karzai als gelungenes Beispiel von Krisenmanagement und erfolgreiche Einleitung eines Demokratisierungsprozesses propagieren. Wenn nach den US-Wahlen - wie erwartet - wirklich massiv amerikanische Soldaten aus Afghanistan abgezogen werden sollen, wird sich erst zeigen, ob der auf amerikanischen Druck durchgeführte Urnengang, wirklich Demokratie oder nur erneutes Chaos ins Land am Hindukusch gebracht haben wird.

Günther Rautz

29.10.2004


 
   


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