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Jharkhand – ein neuer Bundesstaat für ein altes Volk 
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Kulturelle Vielfalt erachten wir Europäer häufig als unser ureigenstes Charakteristikum. Spätestens seit den Verhandlungen um die EU-Verfassung ist die Vielfalt, die es in unserer neuen Einheit zu bewahren gilt, in aller Munde.
Dass Kulturen erhalten und geschützt werden müssen, auch die sehr kleiner ethnischer Gruppen, ist zum festen Wert des neuen Europas geworden. In anderen Teilen der Welt ist das noch anders. Die kulturelle Vielfalt ist da, geschützt oder gefördert wird sie nicht.
Sanjay Basu Mullick berichtet von seinem Heimatland Indien. Er stammt aus Jharkhand, dem 28. indischen Bundesstaat, der erst im Jahr 2000 geschaffen wurde. In Jharkhand bilden die Ureinwohner, in Indien Adivasi genannt, fast 52% der Bevölkerung. Sanjay hat jahrzehntelang in der Autonomiebewegung für Jharkhand gekämpft, jetzt setzt er sich in der Nicht-Regierungsorganisation Other Media für die Interessen der Adivasi gegenüber der zentralistischen Regierung des neuen Bundesstaats ein. Er sprach während eines Studienaufenthaltes, den er gemeinsam mit sechs weiteren südasiatischen Menschenrechts- und Bürgerrechtsaktivisten an der EURAC verbracht hat, mit dem Politologen Thomas Benedikter über seine konfliktbeladene Heimat im Nordosten Indiens, über Minderheitengruppen und Autonomiemodelle.

Jharkhand ist seit kurzem ein eigener Bundesstaat geworden. Damit ist ja zumindest dem Anschein nach das Ziel Ihrer Autonomiebewegung erreicht. Ist dies so?
Sanjay: Nein. Dass Indien im Jahr 2000 tatsächlich den neuen Bundesstaat Jharkhand geschaffen hat, ist zwar mehr, als wir ursprünglich erwartet hatten, doch hat dieser Bundesstaat die Erwartungen der Menschen, vor allem der Adivasi, in Jharkhand nicht erfüllt. Bestimmte Parteien haben die Macht in Jharkhand sofort an sich gerissen. Während es uns gestern um die Autonomie ging, geht es heute um die Kontrolle des Landes und der Ressourcen.

Welcher Ressourcen? Bodenschätze?
Sanjay: Unser Land hatte einst viel Wald, wörtlich übersetzt heißt Jharkhand „Land des Waldes". Jetzt ist nur mehr 4% der Fläche bewaldet. Der Rest wurde abgeholzt. Die Menschen haben die Natur geradezu vergewaltigt. In ihrer Not und Gier haben sie alle Grenzen überschritten und das Land steht nun fast nackt da. Es muss aber Wald auch für die kommenden Generationen verbleiben.
Daneben ist unser Land unglaublich reich an Bodenschätzen. Wir haben Kohle, Eisenerze, Wasserkraft, Bauxit und vieles andere mehr. Doch davon haben die Ureinwohner nichts. Man muss eben nicht nur Autonomie gegenüber dem Zentralstaat durchsetzen, sondern selbst auch gut umsetzen.

Was wurde dann nicht umgesetzt? Wofür setzt sich Ihre Organisation jetzt ein?
Sanjay
: Mehr als 50% von Jharkhand ist zwar als Gebiet der Ureinwohner ausgewiesen, aber ihr Status ist ungenügend geregelt. Neu Delhi hat ein gutes Rahmengesetz zu ihrem Schutz erlassen, aber unsere Staatsregierung setzt es nicht um. Uns geht es darum, jetzt die Autonomie der lokalen Gemeinschaften zu stärken und die Macht dezentralisieren. Bei den nächsten Wahlen in Jharkhand werden wir die jatzige Regierung nach Hause schicken. Die politische Führung darf sich nicht nur darauf konzentrieren, den Lebensstandard ihrer Klientel zu verbessern, sondern muss dafür sorgen, dass wir unsere Ressourcen tatsächlich kontrollieren können.

12.03.2004

 

 


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