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Südtirol-Autonomie: ein Exportprodukt für Asien? 
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Über 5000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Pakistan und Südtirol. Mit seinen 800.000km² ist das Land zwischen dem Iran und China rund einhundert Mal so groß wie die Provinz Bozen.
Kultur, Geschichte und Religion prägen das Leben der Menschen auf unterschiedlichste Art und Weise. Und doch gibt es ein verbindendes Moment: Hier und dort leben verschiedene Gesellschaftsgruppen beieinander, hier und dort muss das Zusammenleben unterschiedlicher Mehr- und Minderheitengruppen geregelt werden. In Südtirol ist dies bereits geschehen, in Pakistan noch nicht.

Umaira Ansari aus Lahore studierte mit sechs weiteren Menschen- und Bürgerrechtsaktivisten sieben Tage lang an die EURAC europäische Konfliktlösungs- und Autonomiemodelle, allen voran das Südtiroler Modell.
Der Politologe Thomas Benedikter befragte die Anwältin aus Pakistan nach der Situation in ihrer Heimat und nach einer möglichen Umsetzung europäischer Konfliktlösungsmodelle in Pakistan.

Frau Ansari, sie bilden im Journalist Resource Center in Lahore Journalisten aus ganz Pakistan in Menschenrechtsfragen weiter. Besteht in dem Bereich noch so viel Aufklärungsbedarf?
Ansari: In Pakistan ist der Islam Staatsreligion. Religiöse Minderheiten haben stark an den so genannten Blasphemie-Gesetzen zu leiden, nach denen Gotteslästerung mit dem Tod bestraft wird. Vor allem die Ahmadya, die 1974 von Staats wegen zu Nicht-Muslimen erklärt worden sind. Aber auch die Christen. In der Öffentlichkeit und in der Justiz ist ein Klima des Hasses gegen religiöse Minderheiten entstanden. Das führt immer wieder zu Gewaltausbrüchen und Selbstjustiz.

Kann die Südtirolautonomie für Pakistans Minderheitenfragen ein Anhaltspunkt sein?
Ansari: Vielleicht für die Konflikte mit einzelnen Regionen wie Baluchistan, Azad Kaschmir und Gilgit-Baltistan, ja. Eure Autonomie war ein größtenteils erfolgreiches Experiment. Ihr habt aus schmerzlichen Erfahrungen der Vergangenheit gelernt. Man hat nach den Weltkriegen begriffen, dass ungelöste Minderheitenkonflikte ein Sprengsatz sein können.

Wie lassen sich nun Erkenntnisse aus dem europäischen Minderheitenschutz in Pakistan praktisch umsetzen?
Ansari: Wir führen Projekte zur Bekämpfung religiöser Intoleranz in ganz Pakistan durch und haben noch einen langen Weg bis zur Abschaffung der Blasphemiegesetze vor uns. Zurzeit drängt man die Ahmadya sogar offen zur Auswanderung. Die Lokalzeitungen sind oft voll mit Hassartikeln gegen diese Gruppe. Entweder die Journalisten nehmen an, dass die Leute das gerne lesen, oder sie denken tatsächlich so. In beiden Fällen müssen wir als Menschenrechtsorganisation gegensteuern.

25.10.2004
 


 
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