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Kaschmir - das Tal der Schmerzen 
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Obwohl soziale Diskriminierung, politische Unterdrückung und Entrechtung und militärische Okkupation in vielen Teilen Südasiens Realität sind, sind viele dieser Konflikte „im Westen" in den Medien wenig präsent. Beim Kaschmir-Konflikt ist dies anders.
Das mag an der Grausamkeit der Auseinandersetzungen liegen – es starben bislang mindestens 40 000 Menschen – oder aber an den möglichen katastrophalen Folgen, die bei einer Eskalation nicht nur den indischen Subkontinent betreffen würden: Im Kaschmir-Konflikt stehen sich mit Indien und Pakistan zwei Atommächte gegenüber.

Farooq Khan stammt aus Kaschmir. Seine Familie musste 1990 infolge des Kriegs aus Srinigar, das fest in der Hand des indischen Militärs ist, fliehen. Heute leitet er in Muzaffarabad, der Hauptstadt des pakistanischen Teils von Jammu und Kaschmir, die Civil Society Organisation, eine Plattform unabhängiger Menschen- und Bürgerrechtsorganisationen. Farooq Khan besuchte sieben Tage lang Südtirol, um an der EURAC europäische Konfliktlösungs- und Autonomiemodelle, allen voran das Südtiroler Modell kennen zu lernen.
Der Politologe Thomas Benedikter befragte ihn nach der Situation in seiner Heimat im Himalaya-Gebiet und nach einer möglichen Umsetzung europäischer Konfliktlösungsmodelle im Kaschmir-Konflikt.
 
„Es ist beeindruckend für mich, wie hier in Südtirol der ethnische Konflikt ohne größeres Blutvergießen gelöst werden konnte", sagte er, „ein Beispiel, dass man bei gutem Willen komplexe Minderheitenfragen friedlich lösen kann. Leider gibt es diesen guten Willen bezüglich der Kaschmirfrage weder in Islamabad noch in Neu Delhi." Die jüngsten Entwicklungen zeigen eine vermeintliche Annäherung zwischen Indien und Pakistan. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf sprach sich in Islamabad für einen neuen Status der Grenzregion aus: Kaschmir könne unabhängig werden, unter die gemeinsame Kontrolle Pakistans und Indiens gestellt oder demilitarisiert werden.

Farooq ist trotzdem skeptisch. „Der Kaschmirkonflikt ist so verwickelt, dass nur ein längerer Verhandlungsprozess uns weiterbringt. In diesen Prozess müssen die Vertreter aller Betroffenen einbezogen werden. Abmachungen, die uns aufdiktiert werden, haben keinen Bestand", meint er, „Südtirol kann hier ein richtungweisendes Modell für den pakistanischen Teil Kaschmirs sein. Diese Region hängt streng am Gängelband der Regierung in Islamabad und ist wirtschaftlich völlig vernachlässigt."
Der Konflikt in und um Kaschmir ist so alt wie die Staaten Indien und Pakistan. Als diese 1947 die Unabhängigkeit vom Britischen Empire erhielten, wurde Kaschmir geteilt. Der südliche Teil wurde Indien unterstellt, das 1957 formal das gesamte Gebiet von Kaschmir unter dem offiziellen Namen Jammu and Kashmir zum 16. indischen Unionsstaat erhob. Der nördliche Teil Azad Kashmir (Freies Kaschmir) kam an Pakistan. Ob Farooqs Plattform etwas zu einer Friedenslösung in Kaschmir beitragen kann?

05.11.2004


 


 
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