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Die Neuregelung neu regeln?
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Die Neuregelung neu regeln?
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Behält der Delphin sein ph oder schreibt man jetzt nur noch über Delfine? Kann der Boxer seinen Gegner fertigmachen oder doch nur fertig machen? Seit 1998 die neue Orthografie(!) eingeführt wurde, kocht die Diskussion um die deutsche Schriftsprache immer wieder hoch. Kerstin Güthert, Geschäftsführerin des neu eingesetzten Rates für deutsche Rechtschreibung, erklärt, ob wir künftig nochmals umlernen müssen. |
Frau Güthert, mit dem 1. August dieses Jahres sollte die alte Rechtschreibung ihre Gültigkeit verlieren und nur noch die neue gelten. Ist dies so? Das ist zum Teil so. Bis 31. Juli sind noch die alte und die neue Schreibung parallel nebeneinander gültig. Daran hat sich nichts geändert. Diese Übergangsphase wurde 1996 bei der Einführung der Neuregelung festgesetzt. Die Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung, die die Einführung der Neuregelung begleitet hat, hat 2004 eine modifizierte Version des Regelwerks veröffentlicht. Inzwischen hat sie ein Nachfolgegremium erhalten: den Rat für deutsche Rechtschreibung. Dieser hat den Auftrag, in besonders umstrittenen Gebieten eine Weiterentwicklung der Orthografieregeln auf der Basis der Neuregelung von 2004 zu erarbeiten.
Um welche Gebiete handelt es sich? Überarbeitet werden die Getrennt – und Zusammenschreibung, die Zeichensetzung und die Silbentrennung.
Warum werden diese Teile nochmals verändert? Wie Sie ja aus den Medien entnommen haben, gab es Kritik an der Neuregelung vor allem von Seiten der Sprachpraktiker. Größter Brennpunkt war die Getrennt- und Zusammenschreibung. Man muss wissen, dass die Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung ausschließlich aus Wissenschaftlern bestand. In dem neuen Gremium sitzen nun auch Personen aus der Schreibpraxis: Journalisten, Wörterbuchmitarbeiter, Lehrer, Schulbuchverleger usw. Die Kompetenzen sind nun gebündelt. Wir sind somit im neuen Rat in der glücklichen Lage, die Diskussion in das Gremium hineinzuverlegen, um eine Lösung zu finden, die alle Gruppen akzeptieren können.
Ist der Rat für deutsche Rechtschreibung so etwas wir ein Gegengremium zur „alten" Kommission? Nein, in keiner Weise. Die Kommission hat mit der Gründung des Rates aufgehört zu existieren. Einige der Mitglieder der Kommission sitzen nun auch im Rat. Nur sind eben noch zusätzlich Vertreter der Sprachpraxis dazugekommen. Sehr positiv ist auch die Tatsache, dass auch einige der alten „Reformgegner" von Seiten der Linguisten nun Mitglieder des Rates sind bzw. im Rat mitarbeiten. So können sie an einer wirklich zielgerichteten und fruchtbringenden Diskussion mitwirken.
Was wird genau an der aktuellen Rechtschreibung nochmals verändert oder revidiert? Nehmen wir ein prominentes Beispiel aus dem Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung: jemanden fertigmachen, im Sinne von jemanden zermürben. Das schrieb sich nach der alten Rechtschreibung zusammen, nach der neuen muss man es getrennt schreiben, weil es auf ‚ig' endet - eine Ausnahmeregel der neuen Rechtschreibung. Die Arbeitsgruppe des Rates, die sich mit der Getrennt- und Zusammenschreibung beschäftigt, schlägt nun vor, diese Fälle, wie fertigmachen oder heiligsprechen zusammenzuschreiben. Und zwar deswegen, weil man erstens an der Betonung auf der ersten Silbe hört, dass es sich um ein Wort handelt und nicht um zwei. Und zweitens, weil man es nicht steigern oder erweitern kann. Man kann jemanden nur fertig machen, ihn aber nicht *fertiger machen. Nach der Neuregelung von 2004 hat man zum Beispiel auch schon einen Politiker kaltstellen zusammenschreiben müssen, eben aus dem gleichen Grund: weil man ihn ja nicht *kälter stellen kann. Diese bestehende Regelung soll nach dem Willen der Arbeitsgruppe nun auch auf Fälle wie fertig machen angewendet werden.
Also doch eine Reform der Reform? Nein, wie das Beispiel schon zeigt, nimmt der Rat eine Weiterentwicklung der bestehenden Rechtschreibung, der Neuregelung in der Fassung von 2004, vor. Er verstärkt die Prinzipien, die schon gelten. Das ist auch genau sein Auftrag: Er soll nichts vollkommen Neues schaffen, aber auch nicht zur alten Rechtschreibung zurückkehren. Nach dem Vorschlag der Arbeitsgruppe werden die Regeln zum Teil systematischer, um vor allem auch den Schülern stärkere Anhaltspunkte zu geben, an bestimmten Randstellen räumt man größere Freiheiten ein, indem man Variantenschreibungen zulässt.
Wie schreiben wir nun ab dem 1. August? Zum 1. August treten die Teile der Neuregelung in Kraft, die unstrittig sind. Verbindlich ist das gesamte Regelwerk - das war von Beginn an so vorgesehen – jedoch nur für Schulen und Behörden. Jedem anderen Schreiber bleibt es selbst überlassen, sich der Neuregelung anzuschließen. Die Teile, die nun für Schulen und Behörden verbindlich werden, sind zunächst die Laut-Buchstaben-Zuordnungen: es bleibt bei der s-Regelung, auch Schifffahrt schreibt man weiterhin mit drei fff. Ebenso wenig ändert sich die Fremdwortschreibung: Delfin kann man weiterhin mit f oder mit ph schreiben. Ebenfalls definitiv sind die Schreibung mit Bindestrich und die Groß- und Kleinschreibung. Für die anderen Bereiche erarbeitet der Rat, wie gesagt, Vorschläge, die dann zu einem späteren Zeitpunkt in Kraft treten können.
Bozen, 09.05.2005
Das Interview führte Julia Reichert.
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