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Die RFID-Technik ist im Vormarsch. Überall dort, wo Objekte und Güter mobil sind, kann RFID Vorteile bringen, meint Alexander Roth von Siemens im Interview mit der Wirtschaftszeitung. Am kommenden Donnerstag kommt Roth nach Bozen. | Herr Roth, Sie beschäftigen sich intensiv mit der RFID-Technik, die die automatische und berührungslose Identifizierung und Lokalisierung von Gegenständen ermöglicht.¬ Ist RFID für die Logistik die Errungenschaft des Jahrhunderts? Mit Superlativen wäre ich generell vorsichtig hinsichtlich neuer Technologien, aber der Einsatz der RFID-Technik kann in der Tat bei gut geplantem Einsatz eine entscheidende Lücke in der Wertschöpfungskette der Logistikprozesse schließen. Dabei liegt die Wertschöpfung des Einsatzes von RFID-Technik nicht in einem Ersatz der Barcode-Verwendung, sondern darin, neue Einsatzmöglichkeiten der Objekterkennung erst zu ermöglichen. Die zusätzliche Wertschöpfung ergibt sich dann durch die Einführung neuer Prozesse oder Prozessoptimierungen. RFID-Einsatz kann die Transparenz der Warenströme und der Abläufe erhöhen und so Verbesserungspotenzial aufzeigen. Wer einen Überblick über die Abläufe in seinem Logistikgeschäft hat, ermöglicht damit kontinuierliche Verbesserungen. Zudem werden durch den Einsatz von RFID-Technik neue Anwendungen ermöglicht, wie zum Beispiel die sichere Authentifizierung von Produkten im Einsatz gegen Produktpiraterie.
Dass RFID Vorteile für große Logistikunternehmen bringt, ist gut vorstellbar. Können auch kleinere Unternehmen anderer Branchen davon profitieren – zum Beispiel im Handel oder im Handwerk? Vorteile durch RFID-Einsatz kann es überall dort geben, wo Objekte oder Güter mobil sind, das ist im Handel, der stark an die Logistik gekoppelt ist, sicher der Fall, zum Beispiel bei der Inventarisierung. Für die Handwerksbranche sehe ich deutlich weniger Einsatzmöglichkeiten. Generell sind zwar vielfältige Einsatzmöglichkeiten denkbar, aber zahlreiche halten einer Kosten-Nutzen-Analyse nicht stand.
Nun befürchten Verbraucherschützer die totale Überwachung der Konsumenten durch RFID. Trotzdem hat Brüssel vorerst jede Regulierung ausgeschlossen. Gut so? Die EU-Kommission veranstaltet zurzeit eine Reihe von Symposien und Expertentreffen, um eine europäische Regelung zum RFID-Einsatz auszuarbeiten. Dabei gibt es meines Wissens noch keine Festlegung, wie diese aussehen wird. Selbstverständlich darf und wird es keine totale Überwachung der Konsumenten durch RFID geben, das verbieten schon heute die strengen Datenschutzrichtlinien der EU. Zudem werden mit den meisten RFID-Anwendungen – wie zum Beispiel in der Logistik – Verbraucher gar nicht in Berührung kommen. Das Thema Logistik dürfte auch für Siemens eine große Rolle spielen, nicht nur, weil sich Siemens mit RFID befasst, sondern auch weil die unzähligen Fertigungs- und Entwicklungsstandorte sowie Niederlassungen vernetzt sein wollen.
Was können andere Unternehmen von Siemens in Sachen Logistik lernen? Siemens fertigt hochkomplexe Produkte wie zum Beispiel Turbinen, was nicht in einer, sondern in mehreren weltweit verteilten Anlagen geschieht. Dort werden viele tausend Fertigungsschritte parallel und seriell durchlaufen, nach denen Einzelteile zusammengefügt werden müssen. Die logistische Herausforderung dabei, dass Zeitpläne exakt eingehalten werden und sich die notwendigen Komponenten bei minimalen Lagerzeiten stets am richtigen Fertigungsstandort befinden, ist nur durch eine penible Überwachung und Optimierung der Bewegungen aller Komponenten zu bewerkstelligen. Ich denke, die Kopplung der Warenbewegung mit den IT-Prozessen ist sicher eine Stärke, die Siemens im Logistikbereich auszeichnet.
Worin sehen Sie die größte Herausforderung für die Logistik der Zukunft? Die traditionelle Logistik, die unmittelbar mit Lkw-Verkehr zu tun hat, wird mehr und mehr mit dem Hinweis auf Umwelt- und Gesundheitsnotwendigkeiten gebremst. Ich denke, eine große Herausforderung der Zukunft wird sein, die zwei großen Trends beim Warenverkehr – erstens die durch Globalisierung und Veränderung unserer Konsumgewohnheiten stark ansteigende Menge der transportierten Güter und zweitens die steigende Sensibilität für die Belastungen durch den globalen Warenverkehr – zu vereinen. Ich befürchte, dass es in absehbarer Zukunft kaum Lösungen geben wird, die beide Trends vollständig bedienen können. Veränderungen würde ich im Bereich der Vernetzung und Optimierung der Logistikvorgänge und durch technische Verbesserungen im Bereich der Transportmittel erwarten.
Interview von Südtiroler Wirtschaftszeitung erschienen am 13.10.07
Info: Zur rechten Zeit am rechten Ort
Alexander Roth (siehe Interview oben) ist einer von zwei Referenten bei der nächsten Abendveranstaltung aus der Reihe „Lernen von anderen Branchen", die von Eurac, SMG und TIS Innovation Park gemeinsam organisiert wird. Am Donnerstag, 18. Oktober, geht es um 19 Uhr in der Eurac um das Thema Logistik: „Zur rechten Zeit am rechten Ort" lautet der Titel. Alexander Roth, der im April 2005 zu Siemens gestoßen ist und dort im Bereich RFID tätig ist, wird in seinem Vortrag unter anderem auf die Chancen der RFID-Technik (Radio Frequency Identification) für die Logistik eingehen. Der zweite Referent des Abends ist Fercam-Verkaufsleiter Walter Mitterer. Eurac, SMG und TIS möchten mit „Lernen von anderen Branchen" Unternehmer und Führungskräfte zu einem Blick über die eigenen Branchengrenzen hinaus anregen. Denn jede Branche hat ihre ganz besonderen Stärken, und jedes Unternehmen kann demnach von anderen Branchen lernen – oft sogar mehr als von den Mitbewerbern in der eigenen Branche. Informationen und Anmeldungen zur Veranstaltung am 18. Oktober: events@suedtirol.info.
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