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Vespa, Käfer, Ente – tierisch gutes Design 
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Fahrzeuge, die Tiernamen haben, kommen bei den Käufern tierisch gut an. Der VW-Käfer beispielsweise, ist das Auto, das am meisten verkauft wurde. Sein Design überzeugte Deutsche, Mexikaner, Brasilianer und das lange, bevor der Durchschnittsdeutsche überhaupt wusste, dass das Wort Globalisierung existiert.

Das gleiche gilt übrigens für die „Ente", das französische Pendant zum deutschen Käfer. Schaut man zu den Zweirädern stellt man fest, dass ein kleines, lautes Insekt seit 1946 munter durch die Gegend knattert und von ihrem ursprünglichen Charme kaum etwas verloren hat: eine Wespe – die Vespa aus dem Hause Piaggio.

Das Design der Vespa hat sich seit 1946 nur unwesentlich verändert und wirkliche Liebhaber stehen sowieso auf die alten Modelle. Dabei war die Vespa – wie viele Geniestreiche – ein Zufallsprodukt. Außerdem ist die Vespa der real existierende Beweis dafür, dass Goethe wieder einmal recht hatte: in der Beschränkung zeigt sich nämlich wirklich erst der Meister.

Pontedera bei Pisa 1946. Der zweite Weltkrieg ist gerade mal ein Jahr vorbei und eine Flugzeugfabrik, die eigentlich Hubschrauber bauen möchte, hat drei Probleme: erstens kaum Material, zweitens kein Geld und drittens erhebliche Zweifel daran, ob sich teure Hubschrauber so kurz nach dem zweiten Weltkrieg wirklich gut verkaufen würden. Die Lösung aller Probleme war die Vespa.

Für ein Zweirad, war das notwendige Material schon irgendwie zu beschaffen, vor allem, wenn man auf die - bei Zweirädern übliche – Antriebskette verzichtet. Dadurch spart man nicht nur die Antriebsketten sondern auch die erforderlichen Zahnräder ein. Der Motor wird gleich am Hinterrad platziert – einfach, aber genial. Das Vorderrad wird nicht in einer Gabel montiert, sondern einseitig aufgehängt, dadurch ist es viel leichter zu wechseln. Um den Fahrer vor Schmutz zu schützen, erhält das Gefährt eine Art Schutzschild, hinter dem der Fahrer sitzt. Als Enrico Piaggio die Neuschöpfung seines Konstrukteurs und Designers Corradino D'Asciano zum ersten Mal zu Gesicht bekommen hat, soll er beim Blick auf das  ausgeprägte Hinterteil und die schmale Taille des Gefährts gesagt haben: „Sembra una vespa" – sieht aus wie eine Wespe. Das neue Zweirad hatte seinen Namen, der Motorroller war geboren – 3,2 PS, 98 cm³ Hubraum, 60 km/h Spitzengeschwindigkeit.
20 verschiedene Vespa-Modelle wurden seither gebaut, designmäßig hat sich das Zweirrad in mehr als 60 Jahren kaum verändert. Die Lenkstange, die 1946 noch wie ein Fahrradlenker aussah ist massiver geworden, die runde Vorderlampe ist mittlerweile eckig, die Leistung liegt heute bei etwa 12 PS, bei bis zu 200 cm³ Hubraum; Spitzengeschwindigkeit :112 km/h.

Längst ist die Vespa zu einer Stilikone in Sachen Design geworden. Den weltweiten Siegeszug trat die Vespa übrigens im Jahr 1953 an, weil auf ihr zwei Menschen saßen, die ebenfalls Stilikonen wurden. Audrey Hepburn und Gregory Peck. Die zwei Schauspieler fuhren in dem Film „Roman Holliday" („Ein Herz und eine Krone") gut eineinhalb Minuten auf einer Vespa. Ab diesem Zeitpunkt war die Vespa nicht nur mehr ein Motorroller - sie war das romantischste Fahrzeug der Welt. Seither tauchte die Vespa in Filmen wie „Quadrophenia", „Austin Powers", „American Pie" und „The Talented Mr. Ripley" auf. Auch in Werbespots von American Express, Coca Cola und IBM wurde Vespa gefahren. Gregory Peck und Audrey Hepburn machten auch vor, wie man sich anziehen muss, wenn man Vespa fährt: Der Herr trägt einen grauen Straßenanzug mit dunkler Krawatte, die Dame einen langen Rock, flache Schuhe, weiße Halbarmbluse, natürlich ein Halstuch und Kurzhaarfrisur. Wie zerstörerisch wirkte auf diese vollendete Harmonie zwischen Gefährt und Fahrer doch die Helmpflicht ein. Seit 1999 ist in Italien, wenn es um stilsicheres Vespa fahren geht, mit der Einführung der Helmpflicht, nichts mehr wie es einmal war.

Trotzdem ist die Vespa-Euphorie ungebrochen. Selbst in den USA schwärmen Menschen von der Vespa. In einem Artikel der New York Times vom Juli 2001 geht die Autorin dem Phänomen „Vespa" auf den Grund und zitiert einen amerikanischen Vespa-Fan mit den Worten: „Nichts ist mit dem Gefühl vergleichbar eine Vespa zu fahren. Vor allem die alten Vespas gefallen mir. Ich war 15 als ich zum ersten Mal Vespa gefahren bin und ich habe mich gefühlt, als wäre ich im Europa der 60er Jahre unterwegs. Seither bin ich Vespa-süchtig."

Ein Design, das aus der Not geboren wurde, das sich strikt an Funktionalität und Pragmatik orientiert, schafft es also seit über 60 Jahren Menschen in aller Welt zu faszinieren. Und wer glaubt, dass dies bei der Vespa ein Zufall ist, dem sei gesagt, dass auch die „Ente" einen solchen Kultstatus inne hat und dass der VW-Käfer als New Beetle wieder seine Runden dreht. Fahrzeuge, die Tiernamen haben, garantieren ein tierisch gutes Design und vielleicht ist es ja nur noch eine Frage der Zeit bis Citroen die „Ente" als „New Duck" zu neuem Leben erweckt.

28.04.2008

Heiko Schoberwalter, TIS innovation park 


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