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Urlaub nach Maß 
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Warum ist der Urlaub nur kein Wein? fragt sich Herr Müller beim Studieren der Urlaubsangebote. Dann könnte er ihn vor dem Kauf verkosten. Damit er nicht die Katze im Sack kaufen muss, träumt er vom maßgeschneiderten Ferienpaket. Die Produktentwickler im Tourismus arbeiten daran.

Herr Müller kauft gerne eine gute Flasche Wein. Wenn er auf Nummer sicher gehen will, greift er zu seinem Lieblingstropfen, dem Donna Marzia: „Weich und samtig und dennoch intensiv im Geschmack", schwärmt er. Will der Münchner Unternehmer einmal etwas Neues ausprobieren, vertraut er der Beratung seines Sommeliers hinter der Theke. Oder aber er studiert die Weinetiketten. Sie verraten einiges über Herkunft, Traube und Alkoholgehalt. Wenn es um Wein geht, weiß Herr Müller sich zu helfen. Wenn es um seinen nächsten Urlaub geht, schon weniger. „Da zerbreche ich mir schon mal den Kopf, bis ich mich für ein Angebot oder ein Produkt entscheide", erklärt er mit etwas ratlosem Gesichtsausdruck.

Das „Produkt Urlaub" steht eben nicht im Regal, fein etikettiert nach Entspannungsfaktor und Spaßgehalt. Der Urlaub ist ein Leistungsbündel, das sich aus einzelnen Teilleistungen zusammensetzt. Die Vermarktung von Urlaub beginnt mit der Erkundung der Bedürfnisse von Herrn Müller. Möchte er im Urlaub entspannen, Kultur erleben oder Sport treiben? Alleine reisen, mit Familie oder Freunden?
Das Produkt Urlaub ist individuell. Es ist ein Erlebnis, eine Erfahrung, ein Vertrauensgut, welches es erst aufzubauen gilt. Im Unterschied zu herkömmlichen handfesten Produkten, wie dem Donna Marzia, ist es erhöhten Risiken ausgesetzt, weil es von unendlich vielen Variablen abhängt. Doch auch diese lassen sich zumindest teilweise definieren.

Hat sich Herr Müller erst einmal für einen Aktivurlaub mit dem Fahrrad entschieden, so sollte sein ideales Urlaubsziel „Erfahrung im Umgang mit Radsport" aufweisen. Im Detail wünscht sich Herr Müller, in einem spezialisierten Betrieb unterzukommen, die nötigen Vorrichtungen wie z.B. eine kleine Werkstatt für sein geliebtes Rad vorzufinden, einen kompetenten Partner für den Fahrradverleih in Anspruch zu nehmen, eventuell von einem professionellen Tourenplaner beraten bzw. geführt zu werden und im Vorfeld ein auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Kartenmaterial mit speziellen Routenvorschlägen ausgehändigt zu bekommen. Für welches Produkt sich Herr Müller letztendlich entscheiden wird, hängt in erster Linie von der Qualität der gebündelten Angebote ab. Unabhängig davon, ob es sich um ein Radurlaubspaket, ein Hotel, einen Attraktionspunkt wie eine Thermenlandschaft, einen gesamten Ort oder ein Resort handelt, touristische Produkte entwickeln heißt, sich auf die jeweiligen Stärken zu konzentrieren und Produkte zu designen, die für den Gast maßgeschneidert und mit eigenen Idealen und Werten angereichert sind.

Matteo Thun, Stararchitekt aus Mailand, findet sehr poetische Worte für die touristische Produktgestaltung. Er nennt es „der Wirtschaft Schönheit verleihen".
Ausschlaggebend ist bei der Produktentwicklung die Tatsache, dass jedem Produkt eine Seele gegeben wird. Diese muss der Kunde erkennen können. Und sie ist es auch, die das Produkt einzigartig und damit gut vermarktbar macht. Wenn dies gelänge, dann wäre vielen Gästen geholfen - auch Herrn Müller.
In Sachen Urlaub träumt Herr Müller noch immer von einem Urlaubssommelier. Der freundliche Fachmann hinter der Reisetheke kennt seine Vorlieben. Als ihn Herr Müller in Sachen Radreisen befragt, zögert der Sommelier nicht lange und greift zu einer Flasche Kalterersee: „Dieser Urlaub wird ihnen garantiert schmecken."

08.03.06

Barbara Hölzl


 
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