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Kunden wollen Sicherheit 
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Über Qualitätsstandards und die Herausforderungen im Export hat Nadja Scheuringer, Marketing- und Vertriebsleiterin beim österreichischen Unternehmen Care Diagnostica in der EURAC  im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Lernen von anderen Branchen" referiert. Das Thema lautete: „Dem Kunden Sicherheit bieten".

Frau Scheuringer, was bedeutet für Sie „dem Kunden Sicherheit zu bieten"?
Nadja Scheuringer: Care Diagnostica produziert und vertreibt Medizinprodukte, und da liegt es auf der Hand, dass wir den Kunden eine hohe Qualität und eine hohe Produktsicherheit bieten müssen. Der Arzt muss sich bei der Diagnose auf die Qualität unserer Produkte verlassen können. Dazu gehört, dass wir gemeinsam mit Krankenhäusern viele Studien durchführen, und auch die Produktentwicklung erfolgt in Zusammenarbeit mit Spitälern. Wir machen bei der Produktqualität nie Abstriche, auch wenn wir als international tätiges Unternehmen in manchen Ländern unter einem enormen Preisdruck stehen – nehmen wir beispielsweise Indien, wo bei Produkten von Mitbewerbern oft keine Anleitungen vorhanden sind.

Nun spielt das Thema Sicherheit in einer Branche wie der Ihren, in der es um Medizinprodukte geht, ja eine Sonderrolle. In anderen Branchen stellt sich die Frage, ob dem Thema Sicherheit derselbe Wert beigemessen werden soll. Ein Tischler kann doch nicht Tische ohne Kanten produzieren. Und Skigebiete können doch nicht für Unfälle auf den Pisten verantwortlich gemacht werden, die aus fehlender Vorsicht der Wintersportler rühren.
Jeder Unternehmer muss herausfinden, wie viel Sicherheit für sein Produkt zielführend ist. Wenn ein T-Shirt wegen eines Fehlers einmal violett statt blau wird, hat das keine tragischen Konsequenzen. Trotzdem muss sich der Produzent die Frage stellen, ob er das will oder ob er seinen Kunden einen gewissen Standard bieten will, um sich auf diese Weise von anderen Unternehmen abheben zu können. Ich bin der Meinung, dass kleine und mittlere Unternehmen genau diese Stärke ausspielen sollten: sich spezialisieren und sich in diesem Spezialgebiet abheben. Bei Medizinprodukten kann dies die Zuverlässigkeit sein, bei anderen Produkten vielleicht der Schnitt – oder das Design, weil sie Tische angesprochen haben.

Sicherheit bedeutet für Sie demnach nichts anderes als Qualität?
Sicherheit ist nicht allein mit Produktqualität gleichzusetzen. Es geht – vor allem im Export – auch um Vertragssicherheit und vieles mehr.

Was können sich Unternehmen anderer Branchen Ihrer Meinung nach von einem Unternehmen wie Care Diagnostica abschauen?
Ich bin der Meinung, wir sind im Export sehr stark. Wir haben eine Exportquote von 80 Prozent, was ja eher untypisch ist. Als typisches KMU sind wir da sehr stark gefordert, den hohen Ansprüchen unserer Kunden – die teilweise von Land zu Land variieren – gerecht zu werden.

Sicherheit für die Kunden ist wichtig, keine Frage. Manchmal scheint es aber, dass es mit der Sicherheit übertrieben wird. Wenn auf Zimmerpflanzen der Hinweis prangt, dass sie nicht zum Verzehr geeignet sind, ist das doch nicht mehr sinnvoll, oder?
Ich kenne die Normen für Pflanzenhersteller nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass sich die Pflanzenhersteller auf diese Weise für den Fall, dass etwas passiert, absichern, oder dass der Gesetzgeber ihnen diese strengen Vorschriften macht. So dramatisch ist es in unserer Branche nicht, es gibt zwar Warnhinweise, aber diese sind allesamt gerechtfertigt. Der erwähnte Hinweis für eine Pflanze ist übertrieben, da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Aber da schießt der Gesetzgeber manchmal über das Ziel hinaus und den Unternehmern bleibt nichts anderes übrig als sich dem unterzuordnen. Das gilt beispielsweise auch für CE-zertifizierte Produkte: Man möchte meinen, dass eine CE-Zertifizierung, die ja die Erfüllung der EU-Normen signalisiert, genügt, um das Produkt in allen Ländern der EU vertreiben zu dürfen. Dem ist aber nicht so: Einzelne Länder haben ganz spezifische Wünsche, damit das Produkt zum Verkauf zugelassen wird. Für exportorientierte Unternehmer ist das eine große Schwierigkeit.

01.04.08

Das Interview führte die Südtiroler Wirtschaftszeitung.


 
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