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„Wenn jemand nicht rumänisch spricht, wird er oder sie es lernen müssen"  
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Seit 2007 sind auch die Rumänen Teil der EU-Familie. Mit ihnen eine Vielzahl von Minderheitengruppen, die im Land zwischen Karpaten und Schwarzem Meer leben.
Ein Blick auf ihre gesellschaftspolitische Situation.

Südtirol und Rumänien – beim ersten Hinsehen scheint es, als lägen Welten zwischen den beiden Ländern. Offensichtlich ist, dass das „Wirtschaftswunder Südtirol" prosperiert, während Rumänien wirtschaftlichen Problemen gegenübersteht. Zudem hat das südosteuropäische Land trotz neu erworbener EU-Mitgliedschaft Schwierigkeiten, sich den Normen der europäischen Union anzupassen. Das liegt nicht zuletzt an seinen innenpolitischen Konflikten, einer begrenzten Medienfreiheit, der ungenügenden Lebensmittelsicherheit, fehlenden Maßnahmen gegen Umweltverschmutzung und langwierigen Privatisierungen. In besonderem Maße beanstandet Brüssel aber den mangelnden Schutz der Minderheiten Rumäniens. Durch den territorialen Zugewinn nach dem ersten Weltkrieg wurde das Land zum Vielvölkerstaat. Laut dem Nationalen Amt für Statistik sind rund 10 % der rumänischen Landeseinwohner nicht rumänischer Abstammung.

Während die sprachlichen Minderheiten in Südtirol nun relativ übersichtlich sind, reicht das Spektrum an Minderheiten in Rumänien von Serben, Griechen, Italienern bis hin zu Albanern. Am Beginn des 19. Jh. war die hohe Anzahl an Deutschen, die in Rumänien lebte, beachtlich. Aufgrund der Auswanderungswelle Anfang der 90er ist der Anteil dieser sprachlichen Minderheit jedoch auf 0,3 Prozent geschrumpft. Heute sind es Ungarn und Roma, die die zahlenmäßig größten Minderheiten in Rumänien darstellen. Die Ungarn sind es auch, die unter den restlichen sprachlichen Minderheiten am meisten politische Vertreter besitzen. Sie stellen derzeit zehn von insgesamt 137 Senatoren und 22 von 332 Abgeordneten. Dem gegenüber stehen die restlichen 17 anerkannten Minderheiten, denen das rumänische Recht aufgrund der Fünfprozenthürde jeweils nur einen Abgeordneten gewährt.

In Südtirol wie auch in Rumänien hat die Geschichte Spuren hinterlassen. In Rumänien ist man allerdings erst seit der Wende 1989 dabei, die Ereignisse aus der Vergangenheit zu ordnen und sich neu zu organisieren. Damals stürzten die Rumänen mittels blutiger Kämpfe ihren Diktator Nicolae Ceausescu. Dem sozialistischen Regime wurde so ein Ende gesetzt, die Rechte der sprachlichen Minderheiten wurden erweitert. Jedoch zeigen sich nicht alle mit der derzeitigen Situation zufrieden.

Hier wie dort werden immer wieder Autonomiebestrebungen laut. In Rumänien sind die ungarischen Rumänen dabei besonders aktiv. In einzelnen Gebieten Rumäniens stellen sie sogar 20 Prozent der Bevölkerung. Eines ihrer Anliegen ist es, eine staatliche ungarische Universität in Rumänien zu errichten. Bisher scheint man davon jedoch noch weit entfernt. Anders verhält es sich mit ihrer politischen Selbstbestimmung. Ende 2006 hielten die ungarischen Rumänen in Siebenbürgen, dem Gebiet mit dem größten Anteil an Ungarn ein Referendum ab, das die Meinung der ungarischen Minderheit zu einer Autonomie einholte. Trotz der damaligen eindeutigen Zustimmung herrscht Uneinigkeit – man fürchtet den Antritt einer zweiten ungarischen Gruppierung bei den Parlamentswahlen 2008. Dies hätte zur Folge, dass die Fünfprozenthürde von keiner der beiden ungarischen Parteien erreicht werden würde. Den ungarischen Rumänen würde so automatisch nur ein Parlamentarier zugebilligt werden.

Die Lage der Roma hingegen, der zweitstärksten Minderheit, hat sich seit dem Ende des Kommunismus verschlechtert: Nur wenige  konnten sich in die rumänische Gesellschaft integrieren. Viele Roma sind Halb-Nomaden, arbeitslos und ohne Schulbildung. Die Europäische Union kritisierte diesen Zustand bereits während des Aufnahmeverfahrens Rumäniens heftigst.

Es steht außer Frage, dass der Schutz der sprachlichen Minderheiten in Südtirol bedeutend gereifter als in Rumänien ist. Und doch lassen sich Parallelen erkennen. Hier wie dort gibt es einen Siegesplatz – in Südtirol hat er trotz heftiger Diskussionen seinen Namen behalten, in Klausenburg wurde er von „Platz der Einheit" 1993 in „Platz der Freiheit" umbenannt. In beiden Ländern lassen sich die Unabhängigkeitsbestrebungen der sprachlichen Minderheiten an den Diskussionen über mehrsprachige Ortstafeln ablesen: Minderheiten müssen in Rumänien einen Anteil von 20 Prozent stellen, um ihre Sprache in gewissen Gebieten als Amtssprache benützen zu dürfen. Lächerliche 1,4 Prozent trennen die ungarischen Rumänen in Klausenburg von diesem Prozentsatz.

Von Zuständen wie hier in Südtirol, wo Minderheiten vor Gericht ihre Muttersprache sprechen dürfen, können die Rumänen vorerst nur träumen. „Wenn jemand nicht rumänisch spricht, wird er oder sie es lernen müssen", so argumentiert Dan Voiculescu, Präsident der konservativen Partei Rumäniens (PC) in der ungarischen Tageszeitung Uj Magyar Szo. Er gibt an so lange zu kämpfen, bis jeder Ungar die rumänische Sprache erlernt. Ein dementsprechender Gesetzesentwurf wurde bereits erarbeitet. Bleibt abzuwarten, ob dieser vom Parlament bewilligt wird. Doch schon der Entwurf alleine macht deutlich, dass in Rumänien noch einiges an Reformen und Überdenken erforderlich ist. Dazu ist nicht nur der Zusammenhalt der sprachlichen Minderheiten, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der Geschichte und der kommunistischen Vergangenheit des Landes notwendig. Rumänien muss sich darüber klar werden, dass seine Einheit durch Hass und Unsicherheit nicht gefestigt wird, sondern mehr und mehr auseinander bricht.

28.06.07

Sigrid Florian

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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