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Ein Stückchen Freiheit
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Neue EU-Staaten: Rumänien und Bulgarien |
Ein Stückchen Freiheit
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Für die ungarische Minderheit in Rumänien hat der Silvesterabend des Jahres 2006 eine ganz besondere Bedeutung: Ab 1. Jänner 2007 ist Rumänien Teil der EU und die Ungarn damit ihrem Traum von Autonomie – so hoffen sie - einen Schritt näher. |
Pelzmantel drängt sich an Pelzmantel. Die Gesichter glühen vor Freude und Begeisterung. In alten, umfunktionierten Weinfässern brennt an jeder Ecke ein Feuer. Sie erhellen die ganze Stadt.
| Sepsiszentgyörgy (rum. Sf. Gheorghe; Bild), eine Kleinstadt mit siebzigtausend Einwohnern – 75% Ungarn und 25% Rumänen - in der Beugung der rumänischen Karpaten, fiebert einem ganz besondern Ereignis entgegen: dem Silvesterabend des Jahres 2006. Über dreißigtausend Menschen sind gekommen. |
 | Nicht einmal zu Zeiten von Ceausescu, als die Menschen bei Mai-Aufmärschen und bei Besuchen des verhassten „Landesvaters" jubelnde Menge zu spielen hatten, hat die Stadt so viele Menschen auf der Straße gesehen. Es ist jeder gekommen, ob arm, ob reich, ob angesehen oder weniger. Sogar die Politiker mischen sich unter die Menge, keiner möchte diese Silvester-Party der besonderen Art verpassen. Über der vor Freuden betrunkenen Menge schweben fünf überdimensionale Luftballons. Genau um Mitternacht platzen sie und entleeren ihren Inhalt: dreitausend mit der Fahne der Europäischen Union bedruckte Luftballons, als Symbol für den Beitritt Rumäniens zur Europäischen Union. Die Freude der Bewohner von Sepsiszentgyörgy teilen jedoch nicht alle in Rumänien. Das Wort „Beitrittsdilemma" kursiert in den Medien. Zu zahlreich schätzen manche die Abstriche ein, die bei den Beitrittsverhandlungen gemacht werden mussten. Dazu gehören auch die Zugeständnisse an die Minderheiten im Sinne der Erweiterung der Union. „Für die Ungarn in Rumänien existiert kein Beitrittsdilemma, in dem Sinn, dass Rumänien der EU beitreten muss" – mit diesen Worten leitete der Vorsitzende der Demokratischen Allianz der Ungarn in Rumänien und Minister für Koordination der Aktivitäten im Bereich der Kultur, Bildung und Europäischen Integration, Béla Markó, eine Fernsehdiskussion ein. Die Bilder des Silvesterabends 2006 aus Sepsiszentgyörgy - live übertragen nach Budapest -unterstreichen die Worte von Markó. Die ungarische Minderheit in Rumänien, über 1, 5 Millionen Menschen, setzen sehr viele Hoffnungen und Erwartungen auf den Beitritt Rumäniens zur EU. Für sie steht der Beitritt für mehr Menschenrechte und mehr Rechte für die Minderheiten, eine Dezentralisierung der Selbstverwaltungen und sogar die Chance auf eine Autonomie.
Als um Mitternacht als erstes die EU - Hymne, dann die rumänische, die ungarische und sogar die Hymne der ungarischen Minderheit in Rumänien, die Seklerhymne, erklingen, sind alle Augen mit Tränen erfüllt. Niemand kann die Freudentränen mehr herunterschlucken. Zu Zeiten von Ceausescu wurde das Spielen der ungarischen oder der Seklerhymne mit langjährigen Gefängnisstrafen geahndet. Und auch nach der Revolution von 1989 ist das Klima gegenüber den Minderheiten kaum besser geworden. Heute kämpfen noch immer die Ungarn in Rumänien für das Recht der höheren Bildung in der Muttersprache, für die reale Umsetzung der Mehrsprachigkeit der Ämter und das Anrecht der Verwendung der Muttersprache vor Gericht.
Am 1. Jänner 2007 ist in Sepsiszentgyörgy alles anders, man fühlt sich frei. Die Fernsehbilder unterstreichen dieses Gefühl. Sie zeigen Menschen, die immer wieder über die Grenze gehen, nur um sich zu vergewissern, dass man tatsächlich ohne Reisepass in die EU kommt. Der EU-Beitritt bedeutet für die Ungarn in Rumänien und für die Rumänen eine Re-Integration in Europa. Die ungarische Minderheit setzt auch auf das Subsidiaritätsprinzip der EU, also auf die Maxime, dass die Entscheidungsgewalt in erster Linie bei der unteren Verwaltungsebene liegt, wie Gemeinden und Städte, somit näher beim Volk und in diesem Sinne näher bei der Minderheit. Sie rechnet sich dadurch Chancen auf eine gewisse Form der Autonomie aus.
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Dieser Weg ist noch weit, aber daran denkt in diesem Augenblick niemand. Die Freudentränen werden weggewischt, die Menschen tanzen, die Kinder beißen herzhaft in einen „Kürtöskalacs" (einen typischen siebenbürgischen Kuchen vgl. Bild) und die Feier erreicht ihren Höhepunkt als der Himmel in einem Feuerwerk erstrahlt. |
Eva Teglas
Die Ungarrumänin Eva Teglas ist in Sepsiszentgyörgy geboren. Sie lebt derzeit in Girlan und arbeitet am EURAC-Institut für Regionalentwicklung und Standortmanagement.
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