Pfarrer am PC
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Pfarrer am PC
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Kirche und Computer passen scheinbar so gar nicht zusammen. Veraltet, überholt und realitätsfern sei die Kirche, ist eine verbreitet Meinung. Die anonyme High-Tech-Welt des Computers scheint wiederum mit Religion wenig gemein zu haben. Ein deutsches Magazin bricht dennoch seit 20 Jahren eine Lanze für den Einzug von Soft- und Hardware in die Pfarrämter.
| Als in den achtziger Jahren die ersten Heimcomputer in den deutschen Haushalten auftauchten und die Schüler anfingen, sich im neuen Unterrichtsfach „Informatik" mit BASIC und PASCAL herumzuplagen, dachten findige Kirchenleute aus Norddeutschland bereits einen Schritt weiter: Sie gründeten den Verein Pfarrer und PC mit dem Ziel, das neue Medium auch in der Kirchenarbeit einzusetzen.
„Die Computerbranche steckte 1986 bei der Vereinsgründung noch in den Kinderschuhen", erklärt der heutige Vorsitzende Pfarrer Klaus Peter Brandl. Die Kollegen von damals seien jedoch sehr weitsichtig gewesen. Sie hatten gleich erkannt, dass die Kirche mit dem neu angebrochenen Computerzeitalter Schritt halten musste.
Anfangs war Pfarrer und PC nichts weiter als eine Selbsthilfeorganisation, erzählt Brandl. Er diente vor allem dazu, Mitarbeitern der Kirche über die Schwierigkeiten im Einsatz des neuen Mediums hinwegzuhelfen. Heute organisieren Brandl und sein konfessionsübergreifendes Team Kongresse und Messen zum Thema und geben viermal im Jahr die gleichnamige Fachzeitschrift „Pfarrer und PC" heraus. Das Magazin – das älteste zum Thema Computer und Kirche – informiert über die Verwaltung von Kirchengemeinden am PC, über Grabsteinprüfungen per Palm, über neuste Software zur Gottesdienstvorbereitung aber auch über Aktuelles aus der MAC-Welt.
Die jüngste Ausgabe, die natürlich auch online verfügbar ist, berichtet über die „Heilige Schrift" als Computerspiel. Statt im Wälzer aus Papier entdecken vor allem jüngere Menschen die biblische Geschichte zunehmend durch Computer-Spiele. Rund zwei Dutzend biblische CD-ROMs sind derzeit auf dem deutschen Markt. Der junge Pastor Jörg Jeske (36) vom Bibelzentrum in Schleswig hat sie alle getestet. Pfarrer und PC berichtet von seinen Ergebnissen.
Ebenfalls um die junge Generation geht es in einem Beitrag über Gebete im SMS-Zeitalter. „Hallo Du, hab gerade Stress hab kurz an Dich gedacht - schön zu wissen, dass Du da bist, wo ich bin. Danke", lautet ein Gebet mit dem Titel „SMS an Gott". Es ist einem Jugendgebetbuch entnommen, das 25 Studierende der Religionspädagogik herausgegeben haben. In ihren eigenen Worten beschreiben sie Ängste und Sorgen, Fragen und Hoffnungen von Jugendlichen. Wenn Beten bedeutet, mit Gott ins Gespräch zu kommen, muss das auch in der Sprache der Jugendlichen möglich sein, schreibt das Magazin.
Doch kommt bei all' der Kommunikation via Äther nicht der menschliche Kontakt zu kurz? „Natürlich können E-Mail und SMS nie eine menschliche Begegnung ersetzen", sagt Pfarrer Brandl, doch schließe das eine das andere ja nicht aus. Manchmal könne ein „Gespräch" per Mail auch Hemmschwellen überwinden helfen. „In Köln und München gibt es mittlerweile sogar eine Internetseelsorge", erzählt er. „Sie funktioniert mit Passwörtern. Hier finden, ähnlich wie bei der Telefonseelsorge, oftmals Menschen Halt und Unterstützung, die nie den Mut zu einem persönlichen Gespräch gefunden hätten."
13.10.2005
Julia Reichert
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