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Güssing: eine Stadt mit viel Energie zur Erneuerung 
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Die Geschichte des österreichischen Städtchens Güssing ist ein bisschen die von Aschenputtel. Eines Aschenputtels unserer Zeit natürlich.
Im südöstlichen Eck Österreichs gelegen, gehörte die Gemeinde Güssing bis zum Niedergang des Ostblocks zu den ärmsten Regionen des Landes. Die Arbeitslosigkeit war hoch, die Jugend wanderte in Richtung Westen ab.
Die Rettung erschien nicht in der Gestalt eines Prinzen, sondern in Form einer innovativen Idee aus dem Bereich der erneuerbaren Energie, welche der Region zunächst finanzielle Vorteile sowie neue Arbeitsplätze einbrachte, sie zum Vorreiter in Sachen Umweltschutz machte und ihr später zu nationaler und internationaler Bekanntheit verhalf. Heuer ist das ehemals verschlafene Nest zur innovativsten Gemeinde Österreichs gekürt worden.

Die Güssinger Erfolgsgeschichte begann mit einem Energiekonzept, welches 1991 erstellt wurde, um der Abwanderungstendenz aus der Region entgegenzuwirken. Nach diesem Entwurf sollte der gesamte Energiebedarf der Stadt durch örtlich verfügbare Biomasse abgedeckt werden. Seither wurde konsequent an der Umsetzung des Energieplans gearbeitet und heute ist Güssing in der Tat (energie)unabhängig. Die Stadt versorgt sich selbst durch einheimische, nachwachsende und damit erneuerbare Energieträger. Ein durch Biomasse betriebenes Fernheizwerk versorgt die Haushalte mit Wärme, ein Biomassekraftwerk erzeugt Strom, wobei die Abwärme ebenfalls in das Fernwärmenetz eingespeist wird, eine RME-Anlage stellt aus Raps Biodiesel her.
Die Ressourcen stammen aus der Land- und Forstwirtschaft (Raps, Holz), von Haushalten (Altspeiseöl), der Industrie (Sägerestholz) sowie direkt von der Sonne (Solarthermie).

Ausgehend von diesen Pilotanlagen in der Stadt Güssing sowie weiteren Anlagen in der Region und dem damit verbundenen Interesse entstand das Europäische Zentrum für erneuerbare Energie Güssing (EEE) als eine europaweite Koordinationsstelle für alle Arten der erneuerbaren Energie.

Neustes Projekt des EEE ist der so genannte „Sunsorber", eine solarbetriebene Adsorptionskältemaschine zur Raumklimatisierung. Die notwendige Energie zur Kühlung kommt hierbei von der Sonne – ein genialer Kniff, liefert die Hitze spendende Sonne doch auch gleichzeitig die notwendige Energie zur Kühlung mit. „Eine weitere Besonderheit ist die, dass in unserem „Sunsorber" als Kältemittel kein FCKW herangezogen werden muss", erklärt Klaus Paar vom EEE Güssing, „die Adsorptionskältemaschine funktioniert mit dem Kältemittel Wasser und dem Adsorptionsmittel Silikagel." Das Projekt befindet sich derzeit noch in der Anfangsphase. Momentan ist man gerade dabei eine Pilotanlage zu erstellen. „Endziel ist es, eine hochtechnologisch ausgereifte Anlage weltweit zu vermarkten. In Abhängigkeit von den Forschungsergebnissen dieses Projekts beabsichtigen wir die Kältemaschine innerhalb von drei Jahren zur Serienreife zu entwickeln." umreißt Paar die hehren Projektziele.
Es wäre zu begrüßen, wenn mit dem Güssinger „Sunsorber" ein neues Kältemaschinenmodell gelingen würde, denn gerade die Raumkonditionierung verschlingt eine Unmenge von Energie – in Mitteleuropa stellt sie 50% des Gesamtergieverbrauchs moderner Bürogebäude dar. Wünschen wir den Güssingern ein gutes Gelingen. (jr)
 

Im Bild: Das Güssinger Biomassekraftwerk

30.08.2004


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