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Globale Erwärmung nennt sich das Gespenst, das anfangs nur in Öko-Kreisen, später auch in der breiten Öffentlichkeit, Schrecken verbreitete. Wenn wir das Weltklima schützen wollen, müssen wir weniger fossile Brennstoffe einsetzen. Das wissen mittlerweile auch die früheren Umweltmuffel. Doch können alternative Energien bereits unsere Energieversorgung sichern? |
Noch für rund 40 Jahre reichen die weltweiten Vorräte an Erdöl, dem heute wichtigsten Energieträger. Dies belegen aktuelle Prognosen, ausgehend vom derzeitigen Verbrauch und Technologiestandard in der Förderung. Für Erdgas werden 67 Jahre, für Kohle 250 Jahre veranschlagt. Das ist nicht lange. Nähern wir uns doch allmählich dem bereits seit den siebziger Jahren heraufbeschworenen „Ende der Ölzeit"?
„Nein", widerspricht Hans Strassl, Generaldirektor der BP Austria. „In 40 Jahren werden wir die gleichen Prognosen haben wie heute. Auch dann werden wir wieder verkünden können, dass das Erdölvorkommen noch ca. 40 Jahre ausreichen wird." Der Schlüssel zur Versorgungssicherheit, meint er, seien die neuen Technologien. Auch wenn Zweidrittel der geförderten Erdölmenge aus alten Lagerstätten stamme, könne man diese dank neuer Fördermöglichkeiten viel besser ausschöpfen als noch vor einigen Jahren. Obwohl kaum Erdölfelder neu erschlossen werden, wird unsere Energieversorgung in geraumer Zeit nicht an Erdölknappheit scheitern, so sein Fazit.
Dringender ist das Problem des Klimaschutzes. In den Industrieländern steigt der Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen wieder kräftig an. In diesem Jahrzehnt muss mit einem Anstieg um im Schnitt 17 Prozent gerechnet werden, berichtet der Spiegel. Hauptverantwortlich für den so genannten Treibhauseffekt ist die Emission von Kohlendioxid (CO²), bedingt durch den immer noch zunehmenden Verbrauch fossiler Brennstoffe. Nach Angaben des Uno-Umweltprogramms (Unep) hat sich der weltweite CO²-Ausstoß gegenüber dem Jahr 1950 auf heute mit 24 Milliarden Tonnen nahezu vervierfacht.
Die stetig ansteigenden Werte bleiben nicht ohne Folgen für das Weltklima. Nach Schätzungen der Unep wird sich die durchschnittliche Temperatur bis zum Jahr 2100 um 2 Grad erhöhen – die größte Wärmephase der letzten 10.000 Jahre. Die möglichen Folgen: Die Meeresspiegel steigen um durchschnittlich 50 Zentimeter an – genug um tiefer gelegene Küstenländer oder die flachen Insel-Atolle von Südseestaaten zu gefährden. Die tropischen und subtropischen Länder, die chronischen Hungerregionen der letzten Jahrzehnte, werden noch weniger Nahrungsmittel produzieren können.
Gegensteuern soll ein internationaler Klimaschutzvertrag. Bereits 1997 einigten sich rund 150 Staaten im so genannten „Kyoto-Protokoll" auf eine Verringerung der Emissionen von sechs wichtigen Spurengasen, darunter Kohlendioxid und Methan. Die Industrieländer müssen ihren Treibhausgas-Ausstoß von 1990 bis 2012 um 5,2 Prozent vermindern. Die EU verpflichtet sich zu einer durchschnittlichen Reduktion um 8 Prozent. Im Rahmen der EU-internen Lastenaufteilung ergibt sich daraus für Italien eine Reduktion um 6,5 Prozent, für Österreich um 13 Prozent und für Deutschland um 21 Prozent.
Die Realität reicht jedoch noch nicht an die hehren Kyoto-Ziele heran. Während in Italien der CO²-Ausstoß steigt, anstatt zu sinken, werden innerhalb der gesamten EU voraussichtlich nur Deutschland und England ihr jeweiliges Reduktionsziel erreichen können
Abhilfe schaffen alternative Energien. Der Wechsel vom Erdölzeitalter zu einer Sonne-Wind- und Wasser–Ära wird kommen, sagen die Experten. Nicht bedingt durch versiegende Erdölquellen, wie noch vor einigen Jahren angenommen, sondern als Rettungsanker für das Weltklima. Seit einigen Jahren testen die Mineralölkonzerne selbst erneuerbare Energiesysteme und entwerfen Szenarien zum künftigen Weltenergieverbrauch. Der Shell-Konzern mutmaßt, dass der Anteil der erneuerbaren Energien von heute 10 Prozent auf etwa ein Drittel im Jahr 2050 steigen wird. Im Gegenzug soll der Anteil an fossilen Brennstoffen von 85 Prozent auf dann 63 Prozent fallen.
Einziges Hemmnis für eine schnellere Umstellung auf erneuerbare Energien ist derzeit noch ein wirtschaftliches. „Die Sonne könnte den Energiebedarf der Erde komplett abdecken", behauptet Leo Schrattenholzer, Projektleiter beim International Institute for Applied Systems Analysis in Luxemburg, „das Problem liegt jedoch immer noch bei den hohen Kosten der neuen Energiesysteme." Diese gilt es nun zu reduzieren - mehr noch als bei der Solarenergie, im Bereich der Wasserstofftechnologien.
Bozen, 30.05.05
Julia Reichert