Die Photovoltaik-Welt in Barcelona
Home |
Focus |
Wasser, Sonne, Wind |
Die Photovoltaik-Welt in Barcelona
 |
Vom 6. bis 10. Juni wurde in Barcelona die 20. Europäische Photovoltaik Konferenz abgehalten. Es handelt sich dabei um die größte Europäische Konferenz, welche sich ausschließlich mit dem Thema Solarstrom beschäftigt. Die Entwicklung dieser Konferenz in den letzten Jahren spiegelt sehr deutlich die schnelle Entwicklung des gesamten Sektors wider. |
In Barcelona kamen über 2000 Wissenschaftler, Ingenieure, Industrielle und Politiker aus ca. 70 Ländern und ca. 244 Messe-Aussteller zusammen. Es wurden etwa 270 Fachvorträge und über 800 wissenschaftliche Poster in diesen Tagen präsentiert. Wie bereits im letzten Jahr führte dies zu einem äußerst dichten Vortrags-Programmm, in welchem insgesamt 8 Themenkreise behandelt wurden. Die Themenkreise decken die verschiedenen Solarzellentechnologien (Kristallines Silizium, Amorphes Silizium, Dünnschichttechnologie und Grundlagen), Modul- und Systemtechnologie sowie auch globale und Industrieaspekte ab.
Die Ergebnisse einer solchen Konferenz zusammenzufassen ist sehr schwierig, trotzdem möchte ich versuchen einige Eckpunkte aufzuzeigen. Charakterisiert war diese Konferenz deutlich von zwei wesentlichen Aspekten der industriellen Entwicklung im Sektor:
- Dem deutlichen Marktwachstum im letzten Jahrzehnt (stets über 15%) und insbesondere dem äußerst starken Wachstum im letzten Jahr (deutlich über 40%)
- Die sich dadurch zwischenzeitlich ergebenden Knappheit des Rohstoffes Silizium aufgrund mangelnder industrieller Kapazitäten, deren Ausbau noch mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen wird.
Der erste Punkt zeigt sich in einem deutlichen Ausbau der Kapazitäten nahezu aller Anbieter, einer starken Suche nach geschultem Personal, an sehr positiven Absatzzahlen und Börsennoteierungen. Global gesehen wurde in der Photovoltaikindustrie im letzten Jahr ein Umsatz von ca. 5 Milliarden Euro erwirtschaftet, dies entspricht etwa 10% des globalen Umsatzes der gesamten Halbleiter Industrie (Tendenz steigend). Der Siliziumverbrauch der Photovoltaikindustrie ist damit etwa gleich hoch wie jener der Halbleiterindustrie. Dies führte auch zu einer engen Zusammenarbeit der Industrieorganisationen aus diesen beiden Sektoren und zu gemeinsamen Veranstaltungen, insbesondere im Bereich Produktionstechnologie.
Der zweite Punkt führt in diesem Jahr und voraussichtlich im kommenden Jahr zu einem deutlich reduzierten Wachstum (man spricht von ca. 20%) und zu einer klaren Tendenz hin zu immer dünneren Solarzellen (Von 300 µm wie bisher üblich hin zu 200 µm und darunter). Zusätzlich verstärkt sich der Druck zu stetig höheren Wirkungsgraden was auch unbedingt notwendig ist um die Systemkosten weiter zu reduzieren.
Im Bereich der Dünnschicht-Solarzellen kommt man mit inzwischen 39% Wirkungsgrad der 40% Hürde im Labor stetig näher. Wurde diese Technologie bisher nahezu ausschließlich im Weltraum verwendet kommt sie nun durch die Nutzung von Konzentrator-Modulen auch auf der Erdoberfläche zum Einsatz. Dabei wird die direkte Sonneneinstrahlung durch eine Linse auf eine Solarzelle weniger Millimeter Größe konzentriert, sodass auch der Einsatz von sehr aufwändigen Solarzellentechnologien wirtschaftlich wird. Bei der kristallinen Silizium Solarzellen liegen die Wirkungsgrad Laborwerte unverändert bei knapp unter 25%, jedoch wurden wiederum eine ganze Reihe von Produktionstechnologien vorgestellt um auch die handelsüblichen Solarzellen näher zu diesem Maximalwert zu schieben.
Es handelt sich somit um einen äußert dynamischen und interessanten Sektor in dem eine deutlich positive Stimmung herrscht; wohl auch deshalb weil das wirtschaftliche und technische Potenzial noch lange nicht erschöpft ist.
Wolfram Sparber
Für weitere Informationen: http://www.photovoltaic-conference.com/press.html
|