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Es wird immer heißer. Unsere Ansprüche an wohltemperierte Räume immer höher. Herkömmliche Klimaanlagen belasten jedoch Umwelt und sommerliche Stromversorgung. „Solar Cooling" heißt eine Alternativlösung, wobei die Sonne die Energie zur Kühlung gleich mitliefert. Hans-Martin Henning vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg spricht mit uns über sonnenbetriebene Klimasysteme. |
Herr Henning, was sind die Vorteile einer solarbetriebenen Klimaanlage?
Die sommerliche Raumklimatisierung eignet sich ideal zur Einbindung von Solarenergie. Je stärker die Sonne scheint, desto mehr Leistung bringen die Anlagen. Der Vorteil solarbetriebener Anlagen liegt darin, dass man hier zur Kälteerzeugung nicht Strom, sondern Wärme nutzt - wir sprechen hier von thermischen Verfahren.
Wie funktioniert das?
Die Sonnenenergie wird von Sonnenkollektoren absorbiert. Die dadurch entwickelte Wärme wird schon seit längerer Zeit zur Heizung oder Warmwasserbereitung genutzt. Seit einigen Jahren betreibt man damit auch Klimaanlagen. Hierbei wird die durch die Sonnenkollektoren erzeugte Wärme in einem thermisch angetriebenen Kühlprozess in Kaltwasser umgesetzt. Oder aber es wird direkt Luft konditioniert, indem man die Energie der Sonne zum Vorentfeuchten nutzt, um anschließend mit der Verdunstungskälte von Wasser kühlen zu können.
Kann Solarenergie alle Arten von Klimaanlagen betreiben?
Nein. Bislang ist das nur für größere Klimaanlagen möglich. Für die kleinen Splitgeräte, die man beispielsweise in Ladenlokalen sieht, gibt es momentan noch keine technischen Möglichkeiten.
Nicht alle Bürogebäude betreiben ihre Klimaanlage solar. Wo liegt momentan noch der Haken?
Die Investitionskosten bei solarbetriebenen Anlagen sind noch deutlich höher als bei herkömmlichen Anlagen. Zur Klimaanlage kommt ja noch das Kollektorfeld, die eigentliche Solaranlage, dazu. Vor allem beim Neubau von Gewerbegebäuden, den so genannten Nicht-Wohnungsbauten, schauen die Bauherren oft in erster Linie auf die Anschaffungskosten. Somit fällt ihre Wahl gegebenenfalls gegen eine solarbetriebene Anlage aus. Gleichzeitig muss man jedoch auch sehen, dass die solare Variante in den Betriebeskosten viel günstiger ist, da weniger zu bezahlende Energie benötigt wird.
Wie unterstützen Sie beim Fraunhofer-Institut die Solarbranche?
Unsere Arbeit umfasst sowohl die Materialforschung als auch die Anwendung. Das heißt, wir befassen uns mit grundlegender Verfahrensforschung, begleiten aber auch Anlagen solarer Kühlung in die Praxis wie beispielsweise die Anlage der Industrie- und Handelskammer in Freiburg, wie auch ein Projekt der Uniklinik Freiburg. Hier wurde ein Labor solar klimatisiert.
Woran arbeiten Sie gerade?
Momentan sind wir gerade dabei ein Entfeuchtungsverfahren zu entwickeln.
Was kann ich mir darunter vorstellen?
Nehmen wir beispielsweise Länder wie Malaysia. Dort ist die hohe Temperatur nicht das einzige Problem…
Sie meinen die Luftfeuchtigkeit?
Genau. Das größte Problem in diesen Ländern ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Wenn man dort eine Klimaanlage baut, reicht es nicht, dass man die Temperatur absenkt. Man muss vielmehr vor allem die Luft entfeuchten. Sie müssen sich das so vorstellen: Man hat eine Lüftungsanlage, die das Gebäude mit entfeuchteter Frischluft versorgt. Das wird klassischerweise mit Kältetechnik erreicht. Das heißt, die Luft wird so stark abgekühlt, dass sie Wasser abgibt. Viel stärker als es zur Kühlung notwendig wäre. Anschließend muss sie wieder auf ein akzeptables Niveau erwärmt werden. Was wir jetzt entwickelt haben und was wir versuchen gemeinsam mit Firmen in ein Produkt zu überführen, ist ein thermisch angetriebenes Verfahren zur Luftentfeuchtung.
Welche Länder sind denn Vorreiter in Sachen Solarenergie?
Im Bereich der Solarthermie, und dazu gehört die solare Kühlung, mit der wir uns befassen, sind Deutschland und Österreich klar am weitesten entwickelt.
Woran liegt das?
Ich denke, eine Schlüsselrolle spielt die Tatsache, dass in diesen Länder das Umweltbewusstsein der Endverbraucher vielleicht doch weiter entwickelt ist als anderswo. Auch auf politischer Ebene spielen die Themen schon eine gewisse Rolle, indem beispielsweise Rahmenprogramm geschaffen werden, die sie fördern. Im Prinzip geht beides Hand in Hand, das eine beeinflusst das andere. Andere Länder, wie beispielsweise Italien und Spanien, tun sich mit den Themen noch schwerer. Besonders Italien steht noch etwas hinten an. Obwohl die Rahmenbedingungen dort eigentlich viel besser sind als beispielsweise in Deutschland: Die elektrische Energie ist teurer und die Gaspreise sind höher. Von der Sonneneinstrahlung müssen wir ja nicht erst sprechen…die ist natürlich auch höher. Dennoch habe ich das Gefühl, dass sich langsam auch in den südeuropäischen Ländern etwas bewegt. Insbesondere in Spanien ist das Solare Kühlen stark im Kommen.
27.06.05
Das Interview führt Julia Reichert.