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Sprache verdient mehr Aufmerksamkeit und Pflege - Teil II 
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Wenn vom Sprachgebrauch der Jugendlichen im SMS-Austausch die Rede ist, liegt es nahe, sprachkritisch Stellung zu nehmen. Dient das Korpus solchen Fragestellungen? Ich erinnere an den Bestseller „Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“.
Damit sind wir beim zweiten Aspekt unserer Arbeit. Das „Korpus Südtirol“ hat neben der wissenschaftlichen eine didaktische Seele. Auf diesem Gebiet betreten wir Neuland. Dazu muss ich etwas weiter ausholen.
Wir leben in einem Land, in dem zwei Verkehrssprachen existieren, mit einer dritten, die beschützt werden muss, Ladinisch, und einer vierten, Englisch, die heute bereits zur Grundausbildung der Jugend gehört. Bei dieser Vielfalt, die zu unserem Alltag gehört, ist es wichtig, Sprache überhaupt als wertvolles Gut wahrzunehmen, das uns Menschen anvertraut ist. Wir sprechen „mit mehreren Herzen“, wie Ennius sagt, der Latein, Griechisch und Oskisch beherrschte. Das Verbum „beherrschen“, das wir oft gedankenlos mit Sprachen zusammenbringen, passt aber nicht so recht. Karl Kraus, der große Sprachkritiker hat gesagt, er beherrsche die Sprache nicht, die Sprache beherrsche ihn. Die Abkehr von der Vorstellung, dass wir die Sprachen „beherrschen“ müssen, lässt uns erkennen, dass wir eigentlich immer nur Teilbereiche der Sprache verwenden. In Südtirol gibt es unterschiedliche Formen von Polyglossie, das heißt, mehrere Formen der Sprache oder mehrere Sprachen teilen sich den Sprachgebrauch im Lauf eines Tages und eines Lebens: der Dialekt, die Hochsprache, das Italienische, jetzt auch das Englische.

Ist das Korpus Südtirol auch für die Sprecher und die Lerner von Deutsch als Zweitsprache gedacht?
Ja, ein besonderes Anliegen war von Anfang an der Einsatz von Korpusinstrumenten im Zweitsprachunterricht. Unter dem Namen „Korpus Südtirol“ versteckt sich ja mehr als nur das Kernkorpus der Südtiroler Texte, die wir für das internationale Projekt des DWDS erstellt haben. Es sind Korpusinstrumente für die mehrsprachige Gesellschaft. Zur Zeit eröffnen wir mit unseren Suchinstrumenten den Zugang zu deutschen, englischen und italienischen Korpora. In Zukunft soll noch Ladinisch hinzukommen. Für das Sprachenlernen gilt es den Raum des Selbstlernens zu entdecken. Dazu brauchen die Lernenden nachhaltige Impulse und neue Instrumente. Der entscheidende Punkt ist die Selbstverantwortung, das Interesse, das man den Sprachen entgegenbringt und der Wunsch, Sprachen im eigenen Leben einen Platz zu geben. Die Lust am Lernen und am Gebrauch mehrerer Sprachen. Das versuchen wir, unseren Studentinnen an der Fakultät für Bildungswissenschaften in Brixen zu vermitteln. Und die Mittel dazu sind die Erforschung von Lernverhalten und bewusst eingesetzten Lernstrategien und der Einsatz neuer didaktischer Hilfsmittel, die Lernen nachhaltig beeinflussen. Die Korpusinstrumente sind ein solches Mittel.


 
   


Sprache verdient mehr Aufmerksamkeit und Pflege - Teil II

 
 
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