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„Korpuslinguistik ist zurzeit modern" - Teil I 
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Die Mehrsprachigkeit Südtirols ist fortwährend Brennpunkt anregender Diskussionen. Um das Zusammenleben der verschiedenen Sprachgruppen zu koordinieren, ist Zusammenarbeit und Forschung notwendig.

Einen wichtigen Beitrag zur Analyse des Südtiroler Sprachgebrauchs leistet das seit 1993 bestehende Institut für Fachkommunikation und Mehrsprachigkeit der EURAC.

Die Wissenschaftler erstellen umfangreiche elektronische Textsammlungen (Korpora) und nutzen diese zur Lexikonerstellung, zur Erarbeitung von Fachwortschätzen, so genannten Terminologien, oder zur Untersuchung sprachlicher Eigenheiten. Seit Juni 2006 arbeiten die Korpuslinguisten auch am Projekt Korpus Südtirol, das mittels einer großen Textsammlung den Südtiroler Sprachgebrauch dokumentiert.
Dabei stoßen die Wissenschaftler häufig auf Ausdrücke, die nur in Südtirol verwendet werden.
Was es mit diesen „Südtirolismen" auf sich hat und wie der Durchschnittsbürger von den Forschungsergebnissen des Instituts profitieren kann, erläutern die Korpuslinguistinnen Stefanie Anstein, Verena Lyding und Isabella Ties.

Die Südtiroler „Quästur", das „Assessorat" und die „Supplenz" sind für einen Norddeutschen wahrscheinlich Böhmische Dörfer. Welche Eigenheiten hat das Korpus Südtirol im Vergleich zu anderen Korpora?
Anstein: Das Korpus Südtirol ist eine Sammlung von Südtiroler Texten, die in Südtirol und für Südtiroler geschrieben wurden. Diese Textsammlung hat – wie jedes Korpus – gewisse Eigenheiten. In Südtirol, und zwar vor allem in der Verwaltungs- und Rechtssprache, sind besonders Italianismen – Entlehnungen in Form eines Fremdwortes aus dem Italienischen – auffällig.
Ties: Die Entstehung dieser Italianismen wie „Assessorat", „Quästur" oder „Supplenz" ist auf die ersten Rechtsübersetzungen vom Italienischen ins Deutsche zurückzuführen: Aufgrund des Autonomiestatutes werden auch Gesetzestexte ins Deutsche übersetzt. Professionelle Übersetzer stehen dabei vor einer schwierigen Aufgabe und mussten anfangs gewisse Rechtstermini eben neu „erfinden". Seit 1994 kümmert sich die paritätische Terminologiekommission zusammen mit der EURAC darum, die Rechts- und Verwaltungsterminologie in deutscher Sprache für Südtirol zu ermitteln, auf den neuesten Stand zu bringen und zu normieren. Das Wort "Quästur" vom Italienischen "questura" wurde zum Beispiel von der paritätischen Terminologiekommission normiert, und zwar als "Polizeidirektion".


Kann man vorhersagen, ob diese Italianismen in Zukunft nicht mehr verwendet werden?
Ties: Man kann dieses Bemühen um das Verwenden von normierten Übersetzungen bereits in Texten, die in den letzten zehn Jahren verfasst wurden, beobachten: Statt „Assessor" wird beispielsweise "Landesrat"  verwendet. In der gesprochenen Sprache vollzieht sich diese Entwicklung allerdings etwas langsamer.
Lyding: Mithilfe des Korpus Südtirol können wir der Frage nachgehen, auf welche Art, wie schnell oder in welchem Maße sich diese Entwicklung vollzieht. Bisher waren wir allerdings in erster Linie damit beschäftigt, das Korpus Südtirol aufzubauen, d.h. es ging primär um die Archivierung von Texten in digitaler Form und darum, diese Quelle allen zugänglich zu machen. mehr


 
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