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Sprache verdient mehr Aufmerksamkeit und Pflege - Teil I 
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Als Leiter des Projektes „Korpus Südtirol“ widmet sich Johann Drumbl einem Aufgabengebiet, das bisher nur partiell durch eine Datensammlung der Universität Innsbruck und in einzelnen wissenschaftlichen Studien, Dissertationen und Diplomarbeiten angegangen worden war.

Als ordentlicher Professor an der Freien Universität Bozen rief der Linguist im September 2005 das Projekt Korpus Südtirol ins Leben, bei dem deutschsprachige, von Südtirolern verfasste Texte gesammelt, archiviert und korpuslinguistisch erschlossen werden.
Wieso es eines eigenen Südtiroler Korpus' bedarf, welche spezifischen Funktionen dieses hat und wie der Sprachwissenschaftler die Mehrsprachigkeit Südtirols bewertet, erläutert er in einem Interview.

Herr Drumbl, was war der auslösende Impuls für das Korpusprojekt?
Anlass war die Präsentation der Daten der Innsbrucker Forschungsgruppe zu den Varianten der Sprache in Südtirol. Wir haben mit der Universität Innsbruck und der EURAC ein Nachfolgeprojekt beschlossen, das mit den Mitteln der Korpusanalyse das Erreichte weiterführen sollte. Ein zweiter Ansatzpunkt ist der didaktische Einsatz von Korpusinstrumenten für die Sprachdidaktik. Wir verfolgen dabei einen innovativen Weg, alle drei Schulsprachen, Deutsch, Italienisch und Englisch in einem Paket anzubieten. Gemeinsam oder getrennt genutzt, können gezielte Korpusrecherchen sehr viel zur Entwicklung und zur Verfestigung der Sprachaufmerksamkeit beitragen.

Was hat sich sprachlich in Südtirol verändert?
Die sprachliche Situation ist sehr vielfältig. Die neuen Medien, Internet, e-mail und SMS haben zu einem explosionsartigen Anwachsen der Produktion im Bereich der Schriftlichkeit geführt und zu massiven Veränderungen des Sprachverhaltens besonders der Jugendlichen. Schreibfaul ist heute kaum einer, aber es entstehen neue Konventionen, neue Stile.
Die neuen Textsorten haben aber eine Art Signalfunktion für die Schriftlichkeit. Wenn jetzt alarmierte Töne erklingen über die Sprache der Jugendlichen, dann ist nicht mehr vom Eindringen des Englischen oder des Italienischen ins Deutsche die Rede, sondern vom negativen Einfluss der Kürzelsprache der SMS. Das ist gut so. Viele Menschen erkennen in dieser Situation, dass die Sprache, die sie benutzen, Aufmerksamkeit verdient. Viel mehr Aufmerksamkeit und Pflege, als sie bisher erhalten hat.

Wie passt zu dieser Problematik die Sammlung von eher konventionellen Texten aus Südtirol?
Die Problematik des Standards und der Varietäten hat zu einem internationalen Projekt Anlass gegeben, den schriftlichen Sprachgebrauch in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol umfassend zu dokumentieren. Das Projekt entstand in Berlin, an der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften mit dem DWDS, dem Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache. Der Südtiroler Anteil wird von der Arbeitsgemeinschaft Universität Bozen und EURAC, zu der jetzt noch die Tessmann-Bibliothek hinzukommen soll, erarbeitet. Sie ist die Institution schlechthin für das Sammeln von Texten aus Südtirol. mehr


 
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