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Entwicklung der Agrarstrukturen in Südtirol 
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Analyse der Strukturen, ihrer Veränderung und möglicher Entwicklungen in verschiedenen Szenarien

Jahrelang galt die Lage der Südtiroler Landwirtschaft im Vergleich zu den anderen Alpenregionen als außerordentlich gut: Betriebszahlen und Flächengrößen sind stabil, die Bauern sind gesellschaftlich anerkannt.
Mit dem Fall der Grenzen wächst der Einfluss des Weltmarktes und Südtirols Bauern müssen sich einer neuen politischen und wirtschaftlichen Realität stellen.

Projektbeschreibung

Der Bereich „Alpine Umwelt" initiierte und koordinierte deshalb eine Studie mit dem Ziel

  • die Zukunftsperspektiven der Südtiroler Landwirtschaft für verschiedene politische und wirtschaftliche Entwicklungen zu beurteilen und
  • den regionalpolitischen Handlungsbedarfs zur Unterstützung der Entwicklung in die gewünschte Richtung abzuschätzen.

Die Interpretation und Bewertung der Situation durch ein renommiertes Expertenteam aus dem Ausland ergab ein "Außenbild" durch welches die Südtiroler Sicht der Landwirtschaft ergänzt und vervollständigt wird.

Die Ergebnisse der Strukturanalyse zeigen, dass die Südtiroler Landwirtschaft im europäischen Vergleich sehr klein strukturiert ist. In den Tallagen mit günstigen Produktionsbedingungen bewirtschaften kleine "Spezialbetriebe" mit Obst- oder Weinbau im Mittel 2-3 ha Nutzfläche, in den höheren Lagen dominieren Milchproduktionsbetriebe mit durchschnittlich 11 ha Fläche.
Die Anzahl der Betriebe und ihre Größenstruktur sind zwischen 1970 und 1990 annähernd konstant geblieben, die Produktionsstrukturen dagegen haben sich deutlich verändert: In der pflanzlichen Produktion fand seit 1970 eine Ausdehnung des Apfelanbaus auf Kosten der Rebflächen statt. In der Tierhaltung wurde die landwirtschaftliche Produktion intensiviert: die aggregierte Viehdichte (DGVE je Hektar Grünland) hat sich seit 1970 um 10% von 1,25 auf 1,38 GVE/ha erhöht. Dabei beträgt die Viehdichte bei 24% der Tierhaltungsbetriebe 2-3 DGVE je Hektar, bei den intensivsten 18% der Betriebe sogar 3 DGVE und mehr je Hektar reduzierte Grünlandfläche. Daraus lässt sich schließen, dass 1990 fast die Hälfte der Tierhaltungsbetriebe aus ökologischer Sicht zu hohe Viehdichten aufwiesen.

Auf diesen Ergebnissen aufbauend hat die EURAC für die künftige Entwicklung zwei Leitplankenszenarien gebildet: Szenario 1 "unveränderte Problemlage" und Szenario 2 "verschärfte Problemlage". Die den Szenarien zugrunde liegenden Annahmen betrafen die mögliche zukünftige Entwicklung der wichtigsten Umfeldfaktoren bis ins Jahr 2010, namentlich der Erwerbsmöglichkeiten (Arbeitsmarkt), der Absatzverhältnisse für Obst und Milch, der Veränderungen in der Agrarpolitik der Europäischen Union sowie des technischen Fortschrittes. Dabei zeigte sich, dass selbst im best-case-Szenario die Situation vor allem für die Berglandwirtschaft deutlich schwieriger werden wird.

Man kann davon ausgehen, dass die wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft weiterhin schrumpfen, die ökologische jedoch wachsen wird. Am Berg werden aufgrund sinkender Einkommen die sozialen Probleme, im Tal hingegen tendenziell die ökologischen Probleme zunehmen.
Ein extensiver Strukturwandel (Betriebsvergrößerungen) soll in Zukunft zugelassen und in Richtung eines ökologischen Strukturwandels beeinflusst werden. Die bisherige Strukturerhaltungspolitik ist in eine Strukturanpassungspolitik zu transformieren, welche nicht der wirtschaftlichen Entwicklungen entgegen steuert, sondern den Anpassungsprozess der Landwirtschaft unterstützt und gleichzeitig in eine umfassende Politik für den ländlichen Raum integriert.

Laufzeit: 1995 - 1999


 Projektpartner und Finanzierung


 Kontakt

mail      Ulrike Tappeiner

mail      Flavio V. Ruffini 


 Ausgewählte Publikationen

Die Ergebnisse der Studie wurden in der Reihe „Arbeitshefte" der Europäischen Akademie Bozen publiziert.

Link zur Bestellung Baur, Priska / Pezzatti, Marco-G. / Rieder, Peter / Schluep, Isabelle: Langfristige Entwicklung der Agrarstrukturen in Südtirol. Bozen: Europäische Akademie, 1999. - 363 S. - (Arbeitshefte = Quaderni 15) - ISSN 1125-3827

Weitere Publikationen


KONTAKT  
   Tel.+39 0471 055 333
 Fax+39 0471 055 399
 

 

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