Feuchte Flecken in den Ecken, abgeblätterte Farbe am Fuß der Statue, schwarze Schlieren an der Decke – diese Schäden hängen mit dem Raumklima zusammen. Um ihre Ursachen zu verstehen und zu vermeiden, werden Messungen von Temperatur und Feuchtigkeit an Schlüsselstellen im Raum durchgeführt.
Außerdem kann es hilfreich sein, bestimmte Größen ständig zu messen und die Werte direkt in die Regelung der Heizung einfließen zu lassen.
Wo geht die Wärme hin?
Die Heizung läuft, und in den Bänken merkt man kaum etwas davon, der Organist dagegen zieht die Jacke aus? Ein häufiges Problem: Vor allem bei Luftheizungen steigt die eingeblasene warme Luft oft an die Decke, das Warmluftpolster wird langsam größer und füllt schließlich die gesamte Kirche – die Kirche wärmt sich von oben nach unten. Wie groß der Temperaturunterschied am Anfang ist, hängt von der Temperatur der Heizluft und von ihrer Geschwindigkeit, aber auch von der Höhe der Kirche, von ihrer Form, von der Anzahl der Fenster und der Dicke der Mauern ab. Kleine Temperaturmessgeräte, an Nylonfäden in verschiedene Höhen an unterschiedlichen Stellen an die Decke gehängt, zeigen die Temperaturverteilung in der Kirche.

Abbildungen 1 Verteilung der Temperatur in einer Kirche (Längsschnitt) am Ende des Sonntagsgottesdienstes. Der Temperaturunterschied beträgt über 10°C.

Abbildung 2 Mit maximal 5°C ist der Temperaturunterschied in dieser Kirche deutlich niedriger.
Pfeift die Orgel?
Holz reagiert empfindlich auf Schwankungen der relativen Feuchtigkeit: Es versucht diese Schwankungen auszugleichen, indem es Wasser abgibt oder aufnimmt, es schrumpft und quillt. Die Folge sind Risse und Undichtigkeiten bei der Orgel: Sie verstimmt sich und beginnt womöglich zu pfeifen.
Deshalb ist es sinnvoll, die relative Feuchtigkeit in der Nähe der Orgel zu messen und diesen Wert in die Regelung der Heizung einzubinden – im einfachsten Fall indem die Temperatur nicht weiter erhöht wird wenn die Feuchtigkeit unter einen festgelegten Wert sinkt.

Abbildung 3 Großer Abfall der Feuchtigkeit von 70% auf 40% während der Heizzeiten!
Feuchte Flecken an der Wand?
Je kälter Luft ist, desto weniger Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Kühlt die Luft an der Wand stark ab, kann es passieren, dass sie überschüssige Feuchtigkeit abgibt – als dünnen Wasserfilm an der Wand.
Ob Feuchtigkeitsflecken an der Wand von solcher Kondensation oder – wie meist vermutet – von Feuchtigkeit aus dem Boden herrühren, lässt sich also leicht überprüfen: Es reicht aus die Wandtemperatur an einigen gefährdeten Stellen und Feuchtigkeit der Luft zu messen.

Abbildung 4 Rote über blauer Linie bedeutet Kondensation: Die Westwand ist also dauernd feucht, die Ostwand hat auch Zeit abzutrocknen.