Terminologieverwaltungssysteme in Europa: Ergebnisse zweier Studien
von Felix Mayer
In den letzten beiden Jahren wurden unter Beteiligung des Fachbereichs "Sprache und Recht" zwei Untersuchungen zu Terminologieverwaltungssystemen erarbeitet, die in diesem Beitrag zusammenfassend vorgestellt werden sollen:
Eine internationale Arbeitsgruppe der GTW ("Gesellschaft für Teminologie und Wissenstechnik") veröffentlichte gegen Ende des vergangenen Jahres unter der Federführung der Europäischen Akademie einen Abschlußbericht zum Thema "Evaluation Criteria for Terminology Management Systems". Hier ging es darum, Entwicklern und Anwendern von Terminologieverwaltungssystemen Beurteilungskriterien für die Einordnung derartiger Systeme zu liefern. Bereits die ersten Zwischenergebnisse dieser Arbeitsgruppe flossen in die zweite Studie im Rahmen des EU-Projekts "Pointer" ("Proposals for an Operational Infrastructure for Terminology in Europe") ein, wo ein Teilprojekt sich mit der Untersuchung von Terminologieverwaltungssystemen auf dem europäischen Markt beschäftigte. Ziel dieser Untersuchung war, Entwicklungsstand und Zukunftsaussichten von Terminologieverwaltungssystemen zu beurteilen und gleichzeitig Empfehlungen für die EU zu erarbeiten.
Der fachbezogenen Kommunikation und mit ihr dem Fachwortschatz, also der Terminologie, kommt heute eine entscheidende Bedeutung zu. Sie stellt die Grundlage für den Transfer und den Austausch von Wissen, Technologie und Fertigkeiten dar; gleichzeitig spielt sie eine zentrale Rolle bei der Ordnung und Speicherung von Wissen. Eine wichtige Aufgabe fällt in diesem Zusammenhang der Terminologiearbeit zu, bei der Fachwörter in einer, zwei oder mehreren Sprachen beschrieben werden. Dabei wird ihre exakte Bedeutung geklärt bzw. festgelegt und den Interessenten zugänglich gemacht.
Wenn Fachwörter (Termini) allerdings noch gar nicht vorhanden sind, also erst noch geprägt werden müssen, so steuert und kordiniert die Terminologieplanung im Interesse der Verständlichkeit die Neubildung von Fachwörtern.
Die traditionelle Form der Verwaltung dieser Terminologie am Sprachexperten- bzw. Übersetzerarbeitsplatz ist die Arbeit mit Wortlisten oder Karteikarten, d.h., der terminologische Eintrag wird auf Papier festgehalten. Da sich der Sprachexpertenarbeitsplatz jedoch in den letzten Jahren entscheidend gewandelt hat und wie in vielen anderen Bereichen Rechner genutzt werden, bietet sich auch für die Terminologieverwaltung eine rechnergestützte Lösung an. Verschiedene Möglichkeiten stehen hier zur Verfügung; sie spiegeln gleichzeitig in gewisser Weise die Entwicklung der rechnergestützten Terminographie im Bereich der Personal Computer (PC) wieder.
Bereits bei den ersten PC's wurden Textverarbeitungsprogramme zur Terminologieverwaltung verwendet. Dabei wurde auf die Möglichkeit von Textverarbeitungsprogrammen zurückgegriffen, mehrere Fenster am Bildschirm zu öffnen und Listen alphabetisch zu sortieren.
In diesem Fall wird in einem Fenster ein Text geschrieben, im anderen Fenster ein Glossar geöffnet, in dem Termini gesucht werden. Noch bis vor wenigen Jahren stieß diese Lösung jedoch schnell an ihre Grenzen, denn das Suchen eines Eintrags dauerte mit zunehmender Anzahl der terminologischen Einträge und mit zunehmender Komplexität der terminologischen Informationen immer länger. Hinzu kam, daß ein nicht unerheblicher Aufwand, der zudem profunde EDV-Kenntnisse sowie eine gute Beherrschung der Textverarbeitungsprogramme voraussetzte, notwendig war, um einigermaßen komfortabel und effizient diese Lösung zu nutzen.
Heute sind diese Argumente aufgrund der hohen Leistungsfähigkeit und der einfachen Benutzerschnittstelle der Programme zu relativieren. Dennoch eignet sich die Terminologieverwaltung per Textverarbeitung eher für den Hausgebrauch bei wenigen Hundert Termini; bei mehreren Tausend Einträgen, die professionell nach zeitgemäßen Kriterien zu verwalten sind, ist auch mit den neuen Programmen bald eine Grenze erreicht.
Unter bestimmten Voraussetzungen können traditionelle Datenbank-Systeme für die Verwaltung terminologischer Daten eingesetzt werden. Bei den klassischen Datenbank-Systemen auf MS-DOS-Ebene (Adimens, dBase, etc.) war jedoch ein erheblicher Konfigurationsaufwand erforderlich, um diese Programme an die eigenen Anforderungen anzupassen. Zudem war bei diesen Programmen die parallele Nutzung von Textverarbeitung und Terminologieverwaltung - genauer die Interaktion zwischen beiden - schwierig bzw. aufwendig. Schließlich führte die Nutzung von Datenbanken mit festen Feldlängen entweder dazu, daß damals kostenintensiver Speicherplatz belegt, aber nicht genutzt werden konnte, oder daß Informationen abgekürzt werden mußten, so daß sie für einen Dritten leicht unverständlich wurden. Im Hinblick auf moderne Datenbank-Systeme (wie MS Access, Foxpro, 4th Dimension, etc.), die viele Beschränkungen früherer Datenbanken nicht mehr aufweisen, bleibt das Problem der Datenverwaltung bestehen: So lassen sich beispielsweise nur mit größerem Aufwand Datenstrukturen aufbauen, mit denen man Synonyme und Äquivalente korrekt verwalten kann.
Bereits Mitte der achtziger Jahre wurden die ersten Terminologieverwaltungssysteme auf PC entwickelt. Dabei handelt es sich im weitesten Sinne um spezielle Datenbanken, die für die Verwaltung terminologischer Daten am Sprachexpertenarbeitsplatz entwickelt wurden. Sie weisen in der Regel die für eine anspruchsvolle Terminologieverwaltung notwendigen Leistungsmerkmale auf.
Die ersten Systeme zur Terminologieverwaltung waren allerdings relativ einfach: Die Einträge mußten eher kurz sein, und es gab häufig eine Längenbegrenzung bei Termini. So hätte man - bei der damals üblichen Längenbegrenzung auf 30 Zeichen - den Terminus Überlassung eines Minderjährigen zur Betreuung, das Äquivalent von affidamento familiare, der aus insgesamt 46 Zeichen (nämlich 42 Buchstaben und 4 Leerzeichen) besteht, nicht aufzeichnen können, sondern hätte wohl die Bezeichnung Anvertrauung zur Betreuung verwenden müssen. Bei diesen Begrenzungen hätte man auch weder Überlassung zur adoptionsvorbereitenden Betreuung noch Anvertrauung zur Betreuung vor der Adoption (beide Äquivalente von affidamento preadottivo) verwalten können, außer man hätte abgekürzt. Dies wiederum führt schnell zu einem Kauderwelsch, wie man leicht sehen kann: Anvertr.z.Betreuu. v.d.Adopt. oder Überlass.e. Minderj.z.Betreuu. ...
Heute bietet der amerikanisch-europäische Markt ein breites Angebot an Terminologieverwaltungssystemen, wobei die Mehrzahl dieser Programme auf IBM-kompatiblen PC läuft. Neuere Untersuchungen sprechen insgesamt von ca. 70 Programmen, rechnet man alle Entwicklungen in diesem Bereich zusammen (vgl. Ahmad et al. 1995, Blanchon 1994).
Will man sich bei dieser großen Zahl an Programmen noch einigermaßen zurechtfinden und das für die eigenen Bedürfnisse geeignete Programm auswählen, so steht man zunächst vor scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten. Der Dschungel lichtet sich schnell, wenn man einmal die Vielfalt der Kriterien in einer geordneten Reihenfolge sieht; man kann sich rasch darin zurechtfinden und besonders auf die Kriterien achten, die für das eigene Arbeiten notwendig sind. Zunächst einmal die Hauptgruppen der Kriterien; im Anschluß daran werden sie kurz erläutert: (1)
- Technische Aspekte
- Benutzerschnittstelle
- Terminologische Aspekte
- Eingabe der Information
- Zugriff auf die Information (Suche, Anzeige, Sicherheit)
- Aufbereitung der Information (Druck, Export, Import, Interaktion)
- Dienstprogramme und zusätzliche Werkzeuge
- Kommerzielle Aspekte
Zu den technischen Aspekten zählen im wesentlichen Informationen zu den Hardware- und Softwareanforderungen, die ein Terminologieverwaltungssystem an den Rechner stellt. Hierzu gehören beispielsweise Rechnerplattform (IBM-kompatibel, Macintosh, Unix etc.), Prozessortyp (80486, 80586 bzw. 68030, 68040 etc.), Betriebssystem (DOS, Windows, OS2 etc.), erforderlicher Arbeitsspeicher, Festplattenkapazität, Maus- und Graphikunterstützung etc. Von Bedeutung sind auch Fragen nach den unterstützten Zeichensätzen sowie nach der Art der Speicherverwaltung: Der heute verfolgte Ansatz besteht darin, daß zur Verwaltung des Hauptspeichers Windows verwendet wird; in vereinzelten Fällen werden auch andere Speicherverwaltungsprogramme wie beispielsweise DesqView eingesetzt. Hier steuert das Speicherverwaltungsprogramm die Interaktion zwischen Textverarbeitungs- und Terminologieverwaltungssystemen.
Ein weiteres technisches Kriterium zur Bestimmung der Einsetzbarkeit von Terminologieverwaltungssystemen ist die Frage, ob das System für den Einzelplatz oder für den Einsatz in einem Netzwerk vorgesehen ist. Der Netzwerkaspekt gewinnt heute zunehmend an Bedeutung, denn der gemeinsame Zugriff auf die terminologischen Daten ist von großer Bedeutung. So muß beispielsweise gewährleistet sein, daß die Datenbank nicht beschädigt wird, wenn zwei Anwender sozusagen gleichzeitig einen terminologischen Eintrag ändern wollen. Dies darf die Datenbank nicht zulassen; einem Anwender muß in diesem Fall der Zugriff auf den Eintrag verwehrt werden.
Im wesentlichen gelten für Terminologieverwaltungssysteme die Kriterien, die auch für die Evaluierung anderer Programme benutzt werden. Hinzu kommt möglicherweise ein verstärkter Bedarf nach Mehrsprachigkeit bei der Arbeit mit dem Programm. So ist es beispielsweise von Vorteil, wenn in einem Netzwerk jeder Anwender in der Sprache seiner Wahl mit dem Programm kommunizieren kann (Programmeldungen, Befehle, Hilfetexte, Lernprogramm etc.).
Aus terminologischer Sicht ist bei der Beurteilung von Terminologieverwaltungssystemen von Bedeutung, wieviele Datenbanken bzw. Bestände, Glossare oder Wörterbücher angelegt werden können. Darüber hinaus spielt eine Rolle, auf wieviele Datenbanken gleichzeitig zugegriffen werden kann, wieviele Sprachen eine Datenbank aufweisen kann, wieviele Einträge eine Datenbank haben kann und welche Länge die Einträge nicht überschreiten dürfen. Wichtig ist auch, ob die Sortierung an die jeweilige Sprache angepaßt ist bzw. sich anpassen läßt.
Ein weiteres wesentliches Kriterium zur Einordnung von Terminologieverwaltungssystemen ist die Struktur des terminologischen Eintrags. Hier konkurrieren zwei Ansätze: Systeme mit frei definierbarer Eintragsstruktur und solche mit fester Eintragsstruktur.
Bei ersteren entscheidet der Anwender, wie der terminologische Eintrag aussieht. Er muß die Datenkategorien (2) festlegen, wobei das Terminologieverwaltungssystem die Einhaltung bestimmter Konventionen erfordert. Diese Konventionen gelten meistens für eine Datenbank, d.h. der Anwender muß vor dem Erfassen die Eintragsstruktur der Datenbank definieren. In manchen Fällen kann man die einzelnen Datenkategorien auf Eintragsebene festlegen. Um zu vermeiden, daß jeder Eintrag unterschiedliche Datenkategorien aufweist, arbeiten diese Systeme dann in aller Regel mit vordefinierten Strukturen ('Masken'), auf deren Grundlage Einträge erfaßt werden.
Bei Systemen mit fester Eintragsstruktur sind die Datenkategorien vorgegeben, so daß der Anwender an der Struktur des terminologischen Eintrags nichts ändern kann. In aller Regel entsprechen diese Systeme jedoch den Anforderungen der übersetzungsorientierten Terminographie und weisen die dazu notwendigen Datenkategorien auf.
Beim Erfassen terminologischer Einträge ist nicht nur ein Kriterium, ob Formatierungs- oder Editierungsoperationen zur Verfügung stehen; darüber hinaus zählt man hierzu Dublettenüberprüfungen, Konsistenzkontrollen oder Rechtschreibhilfen, die die kontrollierte Eingabe der Terminologie unterstützen. Auch ist von Interesse, ob moderne Verfahren der Terminologieextraktion, d.h. der halbautomatischen Übernahme terminologischer Informationen aus maschinenlesbar vorliegenden Texten in das Terminologieverwaltungssystem, zur Verfügung stehen.
Der Zugriff auf die terminologischen Daten findet in der Regel über die Eingabe (abbrechende oder gesamte Eingabe) des Terminus statt; hierbei sollte auch die Möglichkeit der Trunkierung vorgesehen sein. Bei bestimmten Suchanfragen bietet sich der Zugriff über andere Felder an (wie beispielsweise Freitextsuche in Definitionen oder Kontexten, der Zugriff über Sachgebiet oder Erfasser). Weiter ist zu überprüfen, ob Suchanfragen kombiniert werden können, d.h. beispielsweise, ob es möglich ist, alle Einträge zu einem bestimmten Sachgebiet, die ab einem bestimmten Zeitpunkt von einem bestimmten Bearbeiter angelegt oder bearbeitet wurden, herauszufiltern, oder allgemeiner ausgedrückt: es ist zu überprüfen, ob es möglich ist, komplexe Suchanfragen mit Operatoren wie "UND", "ODER", "GRÖSSER ALS", "KLEINER ALS", "UNGLEICH" etc. durchzuführen.
Ein weiteres Kriterium beim Zugriff ist die Art der Anzeige der terminologischen Einträge am Bildschirm: Hier ist zu untersuchen, ob verschiedene, vordefinierte "Sichten" zur Verfügung stehen und ob der Anwender eigene Sichten auf die terminologischen Informationen definieren kann.
Ein wichtiges Kriterium bei der Evaluierung von Terminologieverwaltungssystemen stellt schließlich die Sicherheit dar: Können terminologische Bestände, Einträge sowie einzelne terminologische Informationen derart geschützt werden, daß sie nicht gelöscht werden können oder sie Unbefugten nicht angezeigt werden.
Zur Aufbereitung von terminologischen Informationen zählen Druck, Import, Export sowie die Interaktion mit anderen Programmen. Im Hinblick auf den Druck der terminologischen Einträge bieten einige Terminologieverwaltungssysteme an, die Einträge direkt zu drucken; entsprechende Druckertreiber müssen dann vorhanden sein. Andere Systeme liefern hingegen Schnittstellen zu spezialisierten Druckprogrammen, beispielsweise DTP- oder Textverarbeitungsprogrammen, über die ein Anwender häufig bereits verfügt. Beim Druck wie beim Export müssen Teilbestände aus dem Gesamtbestand ausgegeben werden; hier müssen die bereits oben erwähnten komplexen Suchanfragen diese Selektionsmöglichkeit erlauben.
Für Terminologieverwaltungssysteme, die am Übersetzerarbeitsplatz eingesetzt werden sollen, stellt die Interaktion zwischen Textverarbeitung und Terminologieverwaltung, d.h. die Übernahme des zielsprachlichen Äquivalentes (allgemeiner: von Teilen des Eintrags) aus dem Textverarbeitungssystem in das Terminologieverwaltungssystem, eine notwendige Funktionalität dar. In der Regel sind folgende Interaktionsmöglichkeiten vorhanden:
- Übernahme von Teilen des Eintrags aus der Terminologieverwaltung in die Textverarbeitung;
- Übernahme von Termini oder, bei einer geringen Zahl von Systemen, von Teilen des Textes aus der Textverarbeitung in die Terminologieverwaltung.
Im Hinblick auf die maschinengestützte Übersetzung stellt die Interaktion mit Satzdatenbanken bestimmte Anforderungen. So muß eine Schnittstelle vorhanden sein, die auf das Terminologieverwaltungssystem zugreift, Termini findet, Äquivalente übernimmt und sie weiterverwenden kann. Ähnliches gilt auch für die maschinelle Übersetzung, doch sind hier bislang erst wenige Kriterien entwickelt worden, da bei der Verknüpfung von Systemen zur maschinellen Übersetzung mit Systemen zur Terminologieverwaltung noch Neuland betreten wird.
Spezielle Anforderungen im Bereich der Terminologieverwaltung sind das Erstellen von Begriffssystemen, d.h., terminologische Begriffe werden in hierarchische Relationen geordnet, die darstellbar sein müssen, oder das Verwalten von Thesauri, wozu wiederum bestimmte Anforderungen erfüllt sein müssen. Beinahe selbstredend ist, daß auch die Sonderzeichen oder Zeichensätze, die andere Sprachen erfordern, bei der Verwaltung von Terminologie zur Verfügung stehen müssen.
Hierzu zählt die gesamte Kostenseite - und damit gelten wiederum im wesentlichen die Kriterien, die auch für die Evaluierung anderer Anwendungsprogramme relevant sind: Preis für eine und mehrere Lizenzen, Hochschulrabatte, neue Versionen etc. Auch fallen hierunter die Kosten für Installation, Service, Hotline und Schulung. Für manche Anwender spielen auch die Anzahl der Installationen eines Terminologieverwaltungssystems, das Datum der ersten Installation überhaupt oder die Reputation des Entwicklers oder Vertreibers eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Die hier nur äußerst knapp beschriebenen Evaluierungskriterien dienen dazu, Terminologieverwaltungssysteme einzuordnen und ihre Einsetzbarkeit in verschiedenen Arbeitssitutationen zu überprüfen; dies ist in erster Linie für die Anwender, aber auch für die Entwickler derartiger Systeme von großem Interesse. Allerdings würde es an dieser Stelle zu weit führen, die Einsetzbarkeit dieser Kriterien bei der Evaluierung von Terminologieverwaltungssystemen zu demonstrieren. Daher sei hier in aller Kürze zusammengefaßt: Bei der Anwendung dieser Kriterien zeigt sich, daß für eine Vielzahl von unterschiedlich komplexen Anwendungen geeignete Terminologieverwaltungssysteme angeboten werden. Aufgrund der zur Verfügung stehenden leistungsfähigen Hardware und der erweiterten Möglichkeiten im Bereich der Software sind speicherresidente Terminologieverwaltungssysteme vom Markt verdrängt worden; gängig sind inzwischen Programme unter MS-Windows. Diese Entwicklung hat auch dazu geführt, daß umfangreichere und komplexer strukturierbare Einträge in Terminologieverwaltungssystemen verwaltet werden können. Eintragsbegrenzungen auf wenige Hundert Zeichen mit einer Eintragsstruktur, die nur aus ein oder zwei Hierarchieebenen besteht (z.B. Term, Kontext, Quelle, Äquivalent), gehören der Vergangenheit an. Auch ist in einigen Terminologieverwaltungssystemen die Einbindung von Graphiken in den terminologischen Eintrag möglich, was in bestimmten technischen Bereichen von Interesse ist.
Somit stehen heute effiziente und leistungsfähige Terminologieverwaltungssysteme zur Verfügung, die die Verwaltung selbst erarbeiteter Terminologie ermöglichen. Es zeigt sich bei einer sorgfältigen Analyse allerdings auch, daß einige Desiderata wie Abbildung komplexer Einträge mit inkonsistenten Relationen, Einbindung von Animation und Lautwiedergabe etc. bleiben, in denen noch - auch im Hinblick auf die theoretischen Grundlagen - Entwicklungsarbeit zu leisten ist.
Vor diesem Hintergrund wurden in der eingangs erwähnten Studie im Rahmen des EU-Projekts "Pointer" die folgenden Empfehlungen erarbeitet: Angesichts der Tatsache, daß die überwiegende Mehrzahl der Terminologieverwaltungssysteme für den Bereich der übersetzungsorientierten Terminographie konzipiert sind, andere Anwendungen wie maschinelle und maschinengestützte Übersetzung sowie Korpusmanagement diese Werkzeuge jedoch auch dringend benötigen, sollten Terminologieverwaltungssysteme in stärkerer Weise auf den Sprachexpertenarbeitsplatz zugeschnitten werden. Im Hinblick auf die Bedienungsfreundlichkeit dieser Programme wäre wünschenswert, in stärkerer Weise Hypertext-Technologien, kontextsensitive Hilfsfunktionen und intuitive Lernprogramme zu entwickeln. Angesichts des wachsenden Bedarfs an Sprachmittlung in den kommenden Jahren sollte darüber hinaus darauf geachtet werden, daß einerseits fortschrittliche Technologien für die Verwaltung der Zeichensätze genutzt werden und daß andererseits Austauschverfahren auf internationaler Ebene entwickelt und verwendet werden.
Wünschenswert wäre auch, in stärkerer Weise die Grundlagen für die Repräsentation von bewegten Bildern und Animationen sowie Klängen in Terminologieverwaltungssystemen zu entwickeln; auf diese Weise können dann umfangreichere, beispielsweise enzyklopädische Informationen in diesen Systemen gespeichert werden.
Ein letzter, allerdings zentraler Punkt ergibt sich aus der rasanten Entwicklung des WWW: Umfangreiche Bestrebungen sollten dahingehend unternommen werden, Terminologie im Internet allen Interessenten zur Verfügung zu stellen. Dies bedeutet einerseits, geeignete Schnittstellen für Terminologieverwaltungssysteme zu entwickeln, wodurch aus dem WWW auf die terminologischen Daten zugegriffen werden kann. Andererseits bedeutet dies auch, verstärkt Forschung im Hinblick auf die Bedürfnisse von - nicht ausschließlich professionellen - Anwendern sowie die Repräsentation sprachlichen Wissens durchzuführen, um die für das WWW geeigneten Formen der Darstellung terminologischen Wissens zu finden.
Die intensive Mitarbeit an diesen Studien hatte für den Fachbereich "Sprache und Recht" erhebliche Synergieeffekte: So konnten beim Aufbau der Datenbanken für die Verwaltung der Rechts- und Verwaltungsterminologie die modernsten Verfahren genutzt werden; gleichzeitig war es durch den Austausch mit anderen europäischen Experten auch möglich, beispielsweise bei der Entwicklung von Routinen zur halbautomatischen Extraktion von Terminologie intensiv an europäischen Forschungsvorhaben zu partizipieren. Darüber hinaus wird die für die nächste Zeit geplante WWW-Schnittstelle der Bozner Terminologiedatenbank auch die Anbindung an terminologische Ressourcen anderer Forschungseinrichtungen und Betreiber mit sich bringen. Damit wird die in Südtirol erarbeitete Terminologie nicht nur lokalen Interessenten, sondern allen, die sich für die italienisch-deutsche Rechts- und Verwaltungsterminologie interessieren, zur Verfügung stehen.
Dr. Felix Mayer, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich "Sprache und Recht" ·
Ahmad, Kurshid; K.-H. Freigang; F. Mayer; U. Reinke; K.-D. Schmitz (1995): Analysis of Terminology Management Systems. EU-Project "Pointer" LRE 63090. Final Report.
Blanchon, Elisabeth (1994): Logiciels de terminologie, in: Terminometro, 16, S. 4-67.
Freigang, Karl-Heinz; F. Mayer, K.-D. Schmitz (1991): Micro- and Minicomputer-based terminology data bases in Europe. TermNet Report 1, Wien.
Mayer, Felix (Hrsg.)(1996): Criteria for the Evaluation of Terminology Management Systems. Gesellschaft für Terminologie und Wissenstransfer (GTW). Europäische Akademie, Bozen.
Schmitz, Klaus-Dirk (1994): Überlegungen zum Einsatz und zur Evaluierung von Terminologieverwaltungssystemen, in: Lebende Sprachen 4, 1994, S. 145-149.
Negli ultimi due anni sono stati condotti, in stretta collaborazione con l'Area scientifica "Lingua e diritto", due studi riguardanti sistemi di gestione della terminologia.
Alla fine dello scorso anno un gruppo di lavoro internazionale della GTW ("Gesellschaft für Terminologie und Wissenstechnik"/"Società per la terminologia e la tecnica") ha pubblicato, con i contributi dell'Accademia Europea, un rapporto finale intitolato "Evaluation Criteria for Terminology Management Systems". Questo rapporto intende offrire a coloro che sviluppano ed impiegano sistemi di gestione terminologica dei criteri di valutazione per la classificazione di tali sistemi. I primi risultati scientifici del suddetto gruppo di lavoro sono stati in seguito ripresi in uno studio successivo, realizzato nell'ambito di un progetto UE ("Pointer"- "Proposals for an Operational Infrastructure for Terminology in Europe"), come parte del più complessivo progetto che si occupa dell'analisi di sistemi di gestione di dati terminologici sul mercato europeo. Questa ricerca si proponeva come principale obiettivo la valutazione del grado di sviluppo e delle varie possibilità d'impiego futuro dei sistemi di gestione terminologica nonché l'elaborazione di proposte concrete per l'UE a tale riguardo.
Notes :
(1) Eine ausführliche Darstellung von Kriterien zur Evalulierung von TVS enthalten insbesondere Ahmad et al. (1995), Blanchon (1994), Freigang et al. (1991), Mayer (1996) und Schmitz (1994).
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(2) Eine Datenkategorie ist der Typ eines Datenelements. Die Datenkategorien entsprechen somit in etwa den Feldnamen in Datenbanken.
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