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Internationale Meßkampagne im Passeiertal

Ulrike Tappeiner und Erich Tasser


Unter der Leitung der Europäischen Akademie Bozen werden schon seit 2 Jahren Untersuchungen auf den Waltner Mähdern im Passeiertal durchgeführt. Ziel dieser Untersuchungen ist es, die ökologischen Auswirkungen von Bewirtschaftungsänderungen (Brachlegung, Extensivierung, Intensivierung) in der Berglandwirtschaft zu untersuchen (Projekte ECOMONT und INTERREG-II). Im Juli und August 1997 wurde auf den Waltner Mähdern im Rahmen eines Europäischen Experiments eine Intensivmeßkampagne mit den ausländischen Partnern der Europäischen Akademie (Paul Scherrer Institut, CH; Universität Innsbruck, A; sowie dem Institute of Terrestrial Ecology, UK) durchgeführt. Problemstellung Die Berglandwirtschaft befindet sich heute in allen Gebirgsregionen Europas in einer kritischen Situation, die zu einer Extensivierung und Brachlegung von ehemals bewirtschafteten Flächen führt. Große aufgelassene Flächen in den Westalpen und in den Pyrenäen führen uns deutlich vor Augen, daß dies zu einer weittragenden Veränderung der Landschaft führt. Die daraus resultierenden Fragen werden in der Europäischen Gemeinschaft zur Zeit intensiv diskutiert. Eine wissenschaftliche Untersuchung dieser Zusammenhänge bildet dabei eine unentbehrliche Diskussionsgrundlage.

Wissenschaftliche Untersuchungen in Südtirol

Obwohl die Agrarpolitik in Südtirol zu einer deutlich günstigeren Entwicklung der Berglandwirtschaft als im übrigen Alpenraum geführt hat (EUROPÄISCHE AKADEMIE BOZEN, 1996), zeichnet sich auch hier zunehmend der internationale Trend - Verlust an Substanz - ab. Die Europäische Akademie Bozen führt daher zwei eng miteinander verknüpfte Forschungsprojekte durch, die einerseits die ökologische Funktion der Tätigkeit des Bergbauern untersucht (INTERREG-II und ECOMONT) und andererseits das ökonomische Umfeld der Berglandwirtschaft und deren Zukunftsperspektiven analysiert ("Agrarstrukturen in Südtirol"). Bereits 1995 wurden im hinteren Passeiertal im Zuge des INTERREG-II die "Waltner Mähder" als Projektgebiet ausgewählt. Dieses Gebiet wurde vor ca. 20 Jahren noch vollständig von den Bergbauern bewirtschaftet, wobei die gesamte Fläche für die Bergmahd genutzt wurde. Heute werden nur mehr 1/4 der Mähder gemäht, über die Hälfte sind brachgefallen und ca. 1/5 werden als Weide genutzt (vgl. Abb. 2). Auffallend ist dabei der deutliche Zusammenhang zwischen der Bewirtschaftung und den Zufahrtsmöglichkeiten. Wie unsere Untersuchungen zeigten, sind bereits über 90% der Bergmähder, die von den Bauern nicht mit ihren Ladewagen und Traktoren erreichbar sind, aufgelassen, wogegen von den Flächen, die Zufahrtswege aufweisen immerhin noch 56% bewirtschaftet werden. Im INTERREG-II Projekt, das von der Abt. Forstwirtschaft getragen wird und an dem außer der Europäischen Akademie in Südtirol das Versuchszentrum Laimburg und das Hydrographische Amt mitarbeiten, geht es vor allem darum, angewandte Fragestellungen (z.B. Bodenstabilität, landwirtschaftlicher Ertrag, Bildung von Gleitschneelawinen, natürliche Wiederbewaldung von aufgelassenen Mähdern u.a.m.) zu untersuchen. Das EU-Projekt ECOMONT hat eine stärker grundlagenorientierte Zielsetzung und untersucht entlang eines europäischen Nord-Süd - Transekts (spanische Pyrenäen - Alpen - schottisches Hochland), wie sich Bewirtschaftungsänderungen in den Bergregionen auf die Funktion und Stabilität von Vegetation und Boden, die ökologischen Stoffkreisläufe, die Sensibilität und Stabilität von Ökosystemen und der Landschaft auswirken (CERNUSCA et al. 1997).

Aktuelle internationale Meßkampagne im Passeiertal

Im heurigen Sommer wurde auf den Waltner Mähdern im Rahmen der vorgestellten Forschungsprojekte in einem großangelegten europäischen Experiment eine intensive Meßkampagne durchgeführt. Das Wesentliche an diesem Experiment ist, daß einerseits Untersuchungen auf der Ebene eines einzelnen Blattes in einer Wiese mit Messungen auf der Ebene der gesamten Wiese (des Ökosystems) verknüpft werden und diese wiederum mit Messungen auf der Ebene der gesamten Landschaft. Gleichzeitig werden all diese Prozesse mit Hilfe von mathematischen Modellen abgebildet. Durch diese Kombination von Messungen und Modellen ist es möglich, wesentliche neue Erkenntnisse zu gewinnen, die nicht nur eine einzelne Wiese betreffen, sondern auf die gesamte Landschaft übertragbar sind. Die im Juli und August im Passeiertal durchgeführten Messungen betreffen vor allem den Aspekt des Klimas. Der Austausch von Wasser und Kohlendioxid zwischen der Landschaft und der Atmosphäre führt dazu, daß sich Bewirtschaftungsänderungen in weitem Umfeld bemerkbar machen können, da sich der Wasserkreislauf Atmosphäre - Land ändert. Von der Universität Innsbruck und der Europäischen Akademie Bozen wurde untersucht, wieviel Wasser die noch bewirtschafteten Mähwiesen im Verhältnis zu den aufgelassenen Flächen verdunsten und wie groß der Unterschied in der Kohlendioxid - Aufnahme dieser beiden Ökosysteme ist. Eine Forschergruppe des Paul Scherrer Instituts der Schweiz hat im angegebenen Zeitraum mit optischen Geräten, Sensoren, die auf einen Meßturm montiert waren, und Instrumenten in einem leichten Motorflugzeug atmosphärische Messungen durchgeführt (vgl. Abb.3). Die optischen Geräte senden drei helle, eng gebündelte Lichtstrahlen von 300 bis 700m Länge über die Versuchsfläche auf den Waltner Mähdern aus, welche bei günstiger Witterung im gesamten hinteren Passeiertal zu sehen waren. Mit dieser Einrichtung ist es möglich, den aus der Vegetation austretenden Wasserdampf gesamthaft zu bestimmen. Ein 22m hoher Meßturm, der vom Amt für Forstwirtschaft der Autonomen Provinz Bozen/Südtirol im Bergwald aufgebaut wurde, trägt Windmeßgeräte, verschiedene Temperatur- und Feuchtefühler, sowie Lichtmesser. Das Motorflugzeug ist in der Lage, das von den Pflanzen abgegeben Wasser und das aufgenommenen Kohlendioxid flächendeckend für die ganze Landschaft zu messen. Zudem wurden von schottischen Wissenschaftlern digitale Infrarotfotographien aus einem weiteren speziellen "Meßflugzeug" aufgenommen, um den Zustand der Wiesenflächen und des Waldes flächendeckend beurteilen zu können. All diese Untersuchungen sollen in Summe aufzeigen, wie vielfältig und wichtig die ökologische Funktion des Bergbauern im Gebirge ist. Ein Anhalten des aktuellen negativen Trends in der Berglandwirtschaft wird nicht nur auf den nicht mehr gemähten Wiesen sichtbar sein, sondern vielfältige und vor allem auch weitreichende Auswirkungen auf die Umwelt und damit auch die Menschen im Alpenraum haben.

Univ.-Doz. Dr. Ulrike Tappeiner, Leiterin des Fachbereichs "Alpine Umwelt" der Europäischen Akademie Bozen Dr. Erich Tasser, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich "Alpine Umwelt" der Europäischen Akademie Bozen

Literaturhinweise

  • CERNUSCA A., TAPPEINER U., BAHN M., BAYFIELD N., CHEMINI C., FILLAT F., GRABER W., ROSSET M., SIEGWOLF R. & TENHUNEN J. (1997) ECOMONT - Ecological Effects of Land Use Changes on European Terrestrial Mountain Ecosystems, Pirineos (in Druck).
  • EUROPÄISCHE AKADEMIE BOZEN (HRSG.) (1996) Landwirtschaft im Alpenraum - unverzichtbar, aber zukunftslos? Blackwell Wissenschafts-Verlag Berlin, Wien, 1996.

Abstract:
Campagne di misura nella Val Passiria

Da ormai due anni l'Accademia Europea di Bolzano sta conducendo, in stretta collaborazione con altri istituti di ricerca europei che partecipano al progetto ECOMONT ed al programma INTERREG II, delle analisi sui "Waltner Mähder" in Val Passiria. Scopo delle ricerche è l'analisi degli effetti ecologici delle modifiche nell'uso del suolo dovute alle tendenze economiche (uso intensivo o estensivo, abbandono ecc.). L'agricoltura di montagna è sicuramente un esempio classico della crescente polarizzazione, cioè dell'aumento dello sfruttamento intensivo del territorio nelle aree più propizie, accompagnato da un esodo dalle zone marginali ed impervie. Questo è il motivo per cui si è avvertita l'esigenza di analizzare con la dovuta attenzione le conseguenze delle modifiche nello sfruttamento delle risorse sulla realtà agro-forestale montana. Nei mesi di luglio ed agosto del 1997 sono state effettuate delle campagne di misura nell'ambito di questo esperimento europeo in collaborazione con i partner stranieri (Paul Scherrer Institut, CH; Universität Innsbruck, A; Institute of Terrestrial Ecology, UK).


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