FREIE UNIVERSITÄT BOZEN
Auf dem Weg zur Gründung
von Günther Mathà
Am 31. Oktober wurde die Freie Universität Bozen mit einem feierlichen Akt gegründet. Dazu aufgerufen waren achtundfünfzig Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben Südtirols. Die Unterschrift dieser Gründungsmitglieder ebnet den Weg zur Verwirklichung eines lang ersehnten Projektes: den Aufbau einer hochqualifizierten, mehrsprachigen Universität in Südtirol.
Aus rechtlicher Sicht gaben die Gründungsmitglieder durch ihre Unterschrift das Einverständnis zur Berufung des eigentlichen Gründungsrates. Diesem siebenköpfigen Gremium stehen in den kommenden Monaten alle wichtigen Aufgaben zu. Bis zum Beginn der Vorlesungen wird dieser provisorische Verwaltungsrat alle maßgeblichen Entscheidungen in Sachen Finanzierung, Geschäftsordnung und Räumlichkeiten treffen. Außerdem ernennt er den Gründungsrektor sowie die akademischen Gründungsausschüsse, die sich als Vorläufer der Fakultätsräte verstehen. Deren Aufgabe wird es sein, die sogenannte akademische Säule samt ihren didaktischen und wissenschaftlichen Zielsetzungen aufzubauen. Dazu zählt unter anderem die Berufung des Lehrkörpers sowie die Festlegung des Lehrplans. Vorläufig sind die Befugnisse der Gründungsausschüsse noch beschränkt. Denn die wichtigsten Akzente wird vorerst der Gründungsrat setzen. Ihm steht es letztendlich zu, das Statut und die Verordnungen zu verabschieden sowie im Laufe des nächsten Jahres den endgültigen Universitätsrat zu ernennen. Die endgültige Fassung des Statuts bedarf überdies der Genehmigung des Wissenschaftsministeriums im Einvernehmen mit der Südtiroler Landesregierung. Zusammengesetzt ist der Gründungsrat aus Politikern und wissenschaftlichen Experten, die mit der Uniplanung vertraut sind. Den Vorsitz führt der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder. Weitere Mitglieder sind Prof. Hans Moser, Pro-Rektor an der Universität Innsbruck, Dr. Friedrich Schmidl, Leiter des Bereiches Hochschulentwicklung an der Europäischen Akademie Bozen, Franz Grießmair, Direktor der Internationalen Schule für Alpinen Tourismus in Bruneck, die italienischsprachigen Vertreter Italo Ghirigato, Vize-Direktor des Arbeitsförderungsinstituts, und Alcide Berloffa, ehemaliger Präsident der Zwölferkommission sowie Theo Rifesser, Leiter des Ladinischen Pädagogischen Instituts.
Daß die Bestellung des Gründungsrates auch auf öffentliche Kritik stieß, ist auf seine zum Teil politische Besetzung zurückzuführen. Vertreter der Opposition sprachen von einer Verpolitisierung der Freien Universität Bozen. Eine erste Antwort auf diesen Vorwurf kam anläßlich des Gründungsaktes am 31. Oktober von seiten des Landeshauptmannes. Aufgabe des Gründungsrates sei es nicht - so Luis Durnwalder -, Politik zu betreiben, sondern ausschließlich organisatorische Entscheidungen zu treffen. Der Auftrag dieses Gremiums sei deshalb vorwiegend verwaltungstechnischer und nicht politischer Natur. Bei einer genaueren Betrachtung erübrigt sich das Problem der politischen Einflußnahme aber vorerst. Denn von einer Verpolitisierung der Freien Universität Bozen könnte man allenfalls erst dann sprechen, wenn die ersten wichtigen Entscheidungen gefallen sind. Jedenfalls wird es vor diesem Hintergrund besondere Aufgabe des Gründungsrates sein, der Öffentlichkeit zu beweisen, daß die Grundsätze der Magna Charta Universitatum in der Freien Universität Bozen "großgeschrieben" werden, insbesondere was die Freiheit von Lehre und Forschung betrifft.
Mit der konkreten Verwirklichung des Südtiroler Hochschulprojektes ist bereits seit Jahren der Fachbereich Hochschulentwicklung an der Europäischen Akademie Bozen betraut. Unter der Leitung von Dr. Friedrich Schmidl wurde zunächst eine genaue Bedarfserhebung durchgeführt sowie das Statut und ein Plan zur Logistik entworfen. Insgesamt galt es, ein umfassendes Hochschulkonzept zu entwickeln sowie zu in- und ausländischen Universitäten vielseitige Kontakte zu knüpfen. Ziel ist es die Bozner Hochschule in ein Netz europäischer Universitäten einzubinden. Derzeit arbeitet die Hochschulplanung am Aufbau der akademischen Dienste sowie an mehreren Konzepten zum Lehrangebot und zur Öffentlichkeitsarbeit.
Auch die didaktischen und fachlichen Ziele der Freien Universität Bozen stehen in ihren Grundzügen bereits fest. Im Vordergrund steht das mehrsprachige Bildungsangebot. In diesem Sinne versteht sich die Südtiroler Hochschule als europäische Universität, die zwischen dem deutschen und italienischen Sprachraum eine Brückenfunktion ausübt. Dank der Mehrsprachigkeit ist Südtirol idealer Standort für den Aufbau einer solchen Universität, die das Angebot der benachbarten Hochschulen gezielt ergänzt.
Mit dem Beginn der ersten Vorlesungen rechnet man bereits im nächsten Herbst. Den Auftakt des akademischen Jahres 1998/99 bilden voraussichtlich die Fakultäten für Bildungs- und Wirtschaftswissenschaften. Die Fakultät für Bildungswissenschaften in Brixen wird zunächst die akademische Ausbildung für GrundschullehrerInnen und KindergärtnerInnen sowie einen Spezialisierungskurs für SekundarschullehrerInnen anbieten. Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften beginnt ihre Lehre mit einem Vollstudiengang für Betriebswirtschaft und zwei Diplomstudiengängen in den Bereichen Tourismus und Unternehmensführung. Diese ersten Lehrangebote sollen zunächst sowohl den regionalen als auch den überregionalen Bedürfnissen Rechnung tragen. Zum einen ist die akademische Ausbildung der GrundschullehrerInnen seit 1990 durch das sog. Ruberti-Gesetz vorgeschrieben, zum anderen besteht in Südtirols Betrieben großer Bedarf an qualifizierten Führungskräften. Für Studenten aus dem In- und Ausland wird die Bozner Universität vor allem dank ihres mehrsprachigen Studienangebots zu einem besonderen Anziehungspunkt werden. Nicht zuletzt weil angesichts des wachsenden Konkurrenzdrucks am Arbeitsmarkt die Sprachkenntnisse zunehmend wichtiger werden.
Als nicht ganz unproblematisch hat sich bislang das Verhältnis der künftigen Freien Universität Bozen zu den Nachbaruniversitäten Innsbruck und Trient erwiesen. Insbesondere in Innsbruck befürchtete man, die Bozner Hochschule wolle der Landesuniversität den Rang streitig machen. Daß diese Befürchtungen unbegründet sind, hat sich mittlerweile gezeigt. Denn die Freie Universität Bozen verfolgte nie die Absicht, zu den Nachbaruniversitäten in Konkurrenz zu treten. Ganz im Gegenteil. Die in Südtirol angebotenen Fakultäten sollen die Lehrgänge der anderen Hochschulen lediglich durch ein praxisnahes, innovatives Angebot ergänzen. Aufgrund der europäischen Ausrichtung wird außerdem eine völlig andere Zielgruppe angesprochen. De facto wird der Großteil der Südtiroler Jugendlichen auch in Zukunft in Innsbruck studieren.
Die Bozner Universität kann allerdings die Erfahrungswerte der bereits bestehenden Hochschulbetriebe für sich nutzen. Als vorerst kleine Hochschule mit etwa höchstens 50 Erstinskribenten pro Lehrgang in Bozen und an die 150 in Brixen kann sie im Gegensatz zu den großen Universitäten eine praxisnahe Ausbildung anbieten. Daher wird die Bozner Universität besonderen Wert auf den Aufbau der Diplomstudiengänge legen. Diese Kurzstudien, die im italienischsprachigen Raum unter der Bezeichnung "lauree brevi" bekannt sind, dauern durchschnittlich zwei bis drei Jahre und unterscheiden sich von den Vollstudiengängen durch ihre fachhochschulähnliche Ausbildung. Im Lehrplan sind ein oder mehrere Pflichtpraktika vorgesehen, die in Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Betrieben angeboten werden. Hierbei handelt es sich um ein didaktisches Konzept, das dem gesamteuropäischen Trend entspricht. Die Zahlen beweisen es: Während die Studentenzahlen an den traditionellen Universitäten europaweit abnehmen, steigt die Quote der Studienanwärter an den Fachhochschulen stetig.
Klare Vorstellungen gibt es auch, was längerfristig geplante Lehrgänge betrifft. Abgesehen von den Fakultäten für Wirtschafts- und Bildungswissenschaften sind zu einem späteren Zeitpunkt zwei weitere Vollstudiengänge in den Bereichen Landwirtschaft und Gesundheitswesen sowie drei Diplomstudiengänge in den Bereichen Technik und soziale Dienste geplant. Insbesondere auf dem Gebiet der Landwirtschaft könnte die künftige Universität eng mit den lokalen Forschungsanstalten zusammenarbeiten. Eine weitere Besonderheit der Freien Universität Bozen wird auch die intensive Studentenbetreuung sein. Die vorerst geringe Zahl der Studierenden ermöglicht es, diesen Service bedürfnisgerecht auszubauen. Geplant ist zudem ein innovatives Sprachenzentrum sowie eine Universitätsbibliothek, die allen Anforderungen der modernen Kommunikationstechnik entspricht.
>
Die Perspektiven der Südtiroler Hochschule sind insgesamt vielversprechend. Trotz zahlreicher Unkenrufe werden sich nun doch in spätestens 5 bis 6 Jahren an die 1000 bis 2000 Studenten sowie etwa 60 Professoren und Dozenten zwischen Bozen und Brixen tummeln. Dabei verwundert es nicht, daß ehemalige Universitäts-Gegner, die das Uniprojekt jahrelang als trojanisches Pferd der ethnischen Unterwanderung brandmarkten, zu Uni-Befürwortern der letzten Stunde wurden, während eingefleischte Hochschulpromotoren plötzlich von einer politisierten Provinz- oder Marmeladenuniversität sprechen. Das Thema Hochschule ist brisant und sorgt für Diskussionsstoff. Denn eines ist klar: In Sachen Hochschule spiegeln sich Hoffnungen und Sehnsüchte Einzelner sowie ganzer Interessengruppen wider. Nicht alle Vorstellungen können in das endgültige Konzept münden. Eine moderne Hochschule muß zuallererst für die künftigen Generationen klare Perspektiven schaffen. Dies wird auch die größte Herausforderung der Freien Universität Bozen sein.
Dr. Günther Mathà, Journalist und Projektleiter für den Bereich "Öffentlichkeitsarbeit der Freien Universität Bozen" an der Europäischen Akademie Bozen.
Il 31 ottobre scorso è stata fondata, con un solenne atto costitutivo, la Libera Università di Bolzano. 58 personaggi della vita pubblica altoatesina sono stati chiamati a firmare l'atto di fondazione. La firma apposta dai soci fondatori pone le basi per la realizzazione di un progetto auspicato da lungo tempo: l'istituzione in Alto Adige di un ateneo caratterizzato dall'offerta trilingue (italiano, tedesco, inglese) e dall'alta qualità dei corsi di studio. Le firme dei soci fondatori hanno reso giuridicamente possibile procedere alla nomina del Comitato istitutivo. A questo organo, composto da sette membri, spetteranno nei prossimi mesi compiti decisivi: in particolare dovrà occuparsi del problema dei finanziamenti, della definizione del regolamento del personale nonché delle questioni logistiche. Il Comitato istitutivo dovrà inoltre provvedere alla nomina del rettore e dei Comitati ordinatori, ossia degli organi che, nella fase istitutiva, fungono da "predecessori" dei Consigli di facoltà. I compiti dei Comitati ordinatori riguardano l'organizzazione e la pianificazione dell'attività didattica e scientifica, l'individuazione del personale docente e la programmazione dei corsi di studio che verranno attivati nelle singole facoltà. I primi corsi prenderanno il via nell'autunno dell'anno prossimo. Per l'anno accademico 1998/99 è prevista l'attivazione delle Facoltà di Scienze della Formazione e di Economia. La Facoltà di Scienze della Formazione, dislocata a Bressanone, offrirà un corso di laurea per la formazione degli insegnanti di scuola elementare e di scuola materna nonché un corso di specializzazione per gli insegnanti delle scuole secondarie. La Facoltà di Economia attiverà un corso di laurea in Economia Aziendale e due corsi di diploma universitario nell'ambito del turismo e dell'amministrazione delle imprese.