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Designerausbildung made in Südtirol

Interview mit Benno Simma

Bereits ab kommenden Herbst bietet die Fachhochschule für Design ihre ersten Lehrgänge an. In zwei Kursen sollen an die 30 Studenten zu professionellen Designern ausbildet werden. Mit der Realisierung dieser Fachhochschule hat die Südtiroler Landesregierung die Europäische Akademie Bozen beauftragt. Für das Projekt verantwortlich ist Benno Simma. Seit Anfang September arbeitet der Bozner Architekt am Aufbau dieser dreijährigen Fachhochschule Wir befragten den Projektleiter zum Stand der Arbeit.

Academia: Die Hochschule für Design soll bereits im nächsten Herbst ihre Lehrtätigkeit aufnehmen. Was bringt eine solche Ausbildung für Südtirol?

Simma: Vor drei Jahren, im Vorfeld der Gründung dieser Fachhochschule hat es ein wichtiges Treffen zwischen den Landeshauptleuten von Nord-, Südtirol und dem Trentino gegeben. Schon damals wurde entschieden, daß nicht nur für den gesamttiroler Raum, sondern auch für das Trentino und darüber hinaus eine Fachhochschule für Design in Bozen errichtet werden soll.

Academia: Bietet Südtirol besondere Standortvorteile für einen solchen Lehrgang ?

Simma: Sicherlich. Was ich jetzt sage, wirkt zwar abgedroschen, aber es trifft zweifellos immer wieder zu: Bozen ist eine Schnittstelle zwischen zwei Kulturen, genauer gesagt zwischen zwei Designkulturen. Zum einen gibt es die sogenannte italienische Schule, zum anderen die Design-Erfahrung nördlich der Alpen. Aufgabe der Bozner Fachhochschule für Design wird es sein, diese beiden Kulturen zusammenzuführen.

Academia: Wie sieht es in der Wirtschaft aus? Besteht in Südtirol sowie im In- und Ausland überhaupt genügend Bedarf an Designern?

Simma: In Zusammenarbeit mit einem Meinungsforschungsinstitut sind wir derzeit dabei, eine Landkarte mit allen Designerschulen in unserem Umkreis zu erstellen. Damit wollen wir zunächst das Interesse der Studierenden an einer Fachhochschule für Design ermitteln. Es ist jedoch derzeit schwer festzulegen, in welchen spezifischen Zweigen der Industrie oder des Handwerks eine besondere Nachfrage nach ausgebildeten Designern besteht. Hierfür müssen im Gleichschritt mit dem Aufbau des Lehrgangs enge Kontakte zu den Betrieben hergestellt werden. Hervorgehoben werden muß allerdings, daß den Unternehmern auf lokaler Ebene das große Interesse am Design sicherlich noch fehlt. Daher übernimmt die Hochschule auch eine kulturelle Aufgabe. Sie muß das Interesse für Design im Lande erst wecken.

Academia: Viele können sich unter dem Berufsbild des Designers nicht allzuviel vorstellen. Welche Ausbildung wird für die Ausübung dieses Berufes vorausgesetzt?

Simma: Die Ausbildung eines Designers sollte zunächst eine stark humanistische Ausprägung besitzen. Damit will ich sagen, ein Designer muß vor allem eine umfassende kulturelle Ausbildung haben. Der zweite Schwerpunkt liegt im künstlerischen Bereich, der parallel damit verbunden ist. Zudem sollte der Berufseinsteiger auch technisch ausgebildet sein, insbesondere was die Arbeit mit Materialien und dem Computer betrifft.

Academia: Wie soll der Lehrgang für Design in Bozen aufgebaut sein?

Simma: In der Fachhochschule für Design sind zwei Fachrichtungen vorgesehen. Es handelt sich dabei um die Lehrgänge Kommunikationsdesign und Produktdesign. Unter Kommunikationsdesign verstehen wir nicht nur die Grafik, sondern auch das Mediendesign, wie etwa das Design von Internet-Seiten. Diese gestalterische Arbeit zählt heute zum Dienstleistungsbereich. Der zweite Lehrgang beschäftigt sich mit Produktdesign, d. h. mit der Gestaltung von Produkten, die sowohl in der Industrie als auch im Handwerk hergestellt werden. Die Bozner Hochschule für Design wird ihr Augenmerk besonders auf das Handwerk richten, vor allem was die Produktion von Kleinserien und Einzelstücken betrifft.

Academia: Wie schaut es mit dem Lehrpersonal aus? Gibt es genügend qualifizierte Dozenten für die Bozner Hochschule für Design?

Simma: Wir haben kürzlich eine Expertengruppe mit sieben Fachleuten aus dem In- und Ausland einberufen. Diese Gruppe wurde damit beauftragt, ein Konzept zur Ausrichtung der Fachhochschule für Design zu erstellen. Anschließend werden wir uns auch um die Berufung der Dozenten kümmern. Zunächst sollen Professoren für Blockseminare gewonnen werden. Insbesondere denken wir dabei an Freiberufler, die auch an anderen Hochschulen tätig sind.

Academia: Was zeichnet einen guten Designer Ihrer Meinung nach heute besonders aus?

Simma: In erster Linie muß ein Designer talentiert sein. Er sollte die Fähigkeit besitzen, Projekte auf kreative Weise umzusetzen. Heutzutage genügt es nicht mehr, nur gut zeichnen zu können. Die Prioritäten haben sich geändert. Ein guter Designer muß zunehmend auch Marketing-Events oder Happenings planen können.

Dr. Günther Mathà, Journalist und Projektleiter für den Bereich "Öffentlichkeitsarbeit der Freien Universität Bozen".


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