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Artikel9
Die ersten Bozner Managementgespräche
Im fremden Blick des Nachbarn
Deutsche und Italiener kennen sich vor allem durch Klischees: Ein neues Miteinander könnte Synergien freisetzen
von Hans-Herbert HolzamerWarum sollte man die Unterschiede im Management deutscher und italienischer Führungskräfte besonders hervorheben? Warum geringe kulturelle Differenzen größer erscheinen lassen, als sie sind? Rechtsanwalt Frank Nussbaum stand mit diesen Fragen beim 1. Bozner Managementgespräch nicht allein. Auch Mario Comelli, Geschäftsführer bei Lange & Springer Italia, vertrat mit Verve die Meinung, guter Wille sei das, was gefragt ist, nicht analytisches Aufzeigen der Unterschiede. Der Unternehmer Oswald Zuegg meinte, Hauptsache sei, man wolle den anderen nicht "kolonialisieren".
Aber natürlich gibt es Unterschiede und ihre Wurzeln liegen tief. Anders als zwischen deutschem und französischem Management bewegt sich der Dialog zwischen deutschem und italienischem Management in freundlichen Nichtigkeiten. "Die Deutschen lieben die Italiener, aber sie schätzen sie nicht, bei den Italienern ist es genau umgekehrt", ist der Spruch, der jedem zu diesem Thema einfällt. Der Grund, daß man sich damit "lieber nicht" befaßt, liegt nach Meinung des deutschen Botschafters in Rom, Dieter Kastrup, gerade in seiner Vielschichtigkeit. "Die Deutschen waren den Italienern nie gleichgültig und umgekehrt auch nicht. Aber die Kenntnis voneinander entspricht den Kontakten nicht."
Aus diesen Unterschieden, weil nicht erklärt, erwachsen täglich Entscheidungen, die nicht nur die Vorurteile vertiefen, sondern richtig Geld kosten. Daher war die Entscheidung der Europäischen Akademie Bozen mutig und richtig, einen Dialog zu beginnen, der Wurzeln, aber keine Wunden bloßlegen will, um Synergien zu schaffen, und das an einem Ort, wie er schwieriger nicht sein könnte. Nimmt man nur das Vokabular, das derzeit im Streit um die Besetzung der Bozner Universität bemüht wird, dann erkennt man, aus welchem Untergrund an Mißtrauen und Klischees die Argumente gewachsen sind. Oder warum wohl wird, wie Staatsrat Vittorio Ferraris berichtete, in Italien Kindern, die nicht schlafen wollen, mit der "Buba" (Bundesbank) und dem "grimmigen Hunnen" Hans Thietmeyer Angst gemacht?
"Wir haben den Fehler gemacht", berichtet auch Ugo G. Dadomo, Chef der TUI Italia, "uns im Tourismus auf die Mentalität der Deutschen zu konzentrieren und die des Gastlandes zu negieren." "Aber der Massentourismus", so Kastrup, "hat die Zerrbilder nicht beseitigt, im Gegenteil, er ist Quelle neuer Mißverständnisse." Es ist in der Tat ein Witz, daß auf den Kulturseiten der deutschen Tageszeitungen diejenigen, die ihr Wissen "beim Italiener" aus dem Prosecco-Glas gezogen haben, sich derzeit darüber Gedanken machen, die Wiedervereinigung könnte die Mediterranisierung der westdeutschen Gesellschaft gefährden. Die TUI hat die Fehler dieser Oberflächlichkeit korrigiert. Heute sind 90% der Mitarbeiter in Italien "nazionali". Vom Massentourismus hat man sich verabschiedet. Man versucht nicht nur das Land Dantes, sondern auch, in den Worten des Historikers Heinrich von Treitschke, "die fürchterliche Prosa der italienischen Gegenwart zu zeigen."
Die nicht minder fürchterliche Prosa deutscher Wirklichkeit lernten viele Italiener nach der Wiedervereinigung kennen, wie der Rechtsanwalt Jürgen Blume berichtete. "In jüngster Zeit erlebten viele italienische Bauunternehmen in den neuen deutschen Bundesländern ihr Waterloo, weil sie zwar wochenlang über Preise und Fertigstellungstermine verhandelten, zum Schluß aber einen Formularvertrag unterschrieben hatten, mit dem sie nicht umgehen konnten." Sie waren in die Falle ihrer Vorstellungen von der deutschen Professionalität getappt.
Daß es auch eine nachahmenswerte "Prosa" gibt, berichtet der Vorstandsvorsitzende der Schering AG, Giuseppe Vita. Seiner Meinung nach ist das Zusammenspiel von Vorstand, Aufsichtsrat und Betriebsrat, das es in Italien nicht gibt, ein Zeichen von Stärke und nicht ein Problem für Investoren, wie es (nicht nur) in Italien oft gesehen wird. "Im Vordergrund steht der Wille zur Verständigung." Die Unternehmensführung in Deutschland und in Italien könne man mit dem Kampf eines Containerschiffs gegen ein Schnellboot vergleichen. "Italienische Unternehmen planen kurzfristig, agieren schnell und wirken daher flexibler. Deutsche Firmen sind durch sorgfältige Planung und breite Abstimmungsprozesse gekennzeichnet." Auch Franz Kuen, Chef der KSC Service e Consulting, hat Vorstellungen von dem "optimalen Mix" der deutschen und italienischen Management-Kultur. "Die deutsche Professionalität und Entscheidungsfreudigkeit, verbunden mit dem italienischen Talent, die Entscheidungen intelligent und phantasievoll umzusetzen, sind ein Plus für Unternehmen." Wobei nicht nur Vita hinsichtlich der Entscheidungsfreude anderer Meinung war. Viele Urteile basieren naturgemäß auf persönlicher Erfahrung und nicht wissenschaftlicher Empirie. Systematische Ansätze suchte beim 1. Bozner Management-Meeting der Leiter des Innsbrucker Instituts für Management, Hans Hinterhuber. Er kam zu dem Ergebnis, daß in Deutschland die Prinzipien der Teamarbeit besser Einzug gehalten hätten als in Italien - mit dem Ergebnis, daß dort ein "autoritärer Führungsstil" gefragt sei. Unterstützt wurde er von Hans Thoenes von Eric Salomon und Partners in Mailand. In deutschen Betrieben würde von Managern Integrationsfähigkeit und soziale Kompetenz verlangt, italienische wollten die Individualität. Was Thoenes herausstellte und Raffaele Durante, Präsident der Detusch-Italienischen Handelskammer in Mailand bestätigte, war, daß die Globalisierung nicht den internationalen Managertypus fördere, sondern denjenigen, der in dem Einsatzland "verwurzelt" sei, der "local expatriot". Damit dürfte feststehen daß die Zukunft nicht in einem englisch dominierten und kulturell geprägten Management liegt, sondern daß das Wissen von Besonderheiten Wettbewerbsvorteile verspricht.
Die Bozner Managementgespräche waren ein Anfang, warfen aber mehr Fragen auf, als es Antworten geben konnte. Die Europäische Akademie Bozen arbeitet seit ihrer Gründung vor drei Jahren daran, "Forschung in europäischer Abstimmung lokal und praxisnah" zu betreiben. Auch das Deutsche Institut Florenz, dessen Leiter Heiner Roland unter den Referenten war, arbeitet an dem Verstehen kultureller Unterschiede, ohne jedoch bisher den Management-Aspekt in den Vordergrund gehoben zu haben. "Unterschiede", sagte Ferraris, "sollen nicht zur Überheblichkeit führen." Das gelinge nur, wenn man sich akzeptiere. "Aber nicht", so Ferraris, "weil man sich gegenseitig liebt. Das gibt es zwischen Völkern ohnehin nicht." Sondern weil man die Gründe der Unterschiede versteht.
Hans-Herbert Holzamer, Redaktionsleiter der Beilagenredaktion der Süddeutschen Zeitung
Il 23 e 24 ottobre l'Accademia Europea di Bolzano ha organizzato il 1° Congresso di Bolzano sul Management. Un'occasione che ha consentito ad illustri personaggi del mondo imprenditoriale ed universitario italiano e tedesco di poter verificare direttamente le proprie idee e le proprie esperienze. Il congresso non ha solo proposto "ricette" su come migliorare ed intensificare i rapporti manageriali tra l'Italia ed il mondo tedesco, ma si è anche rivelata come buona occasione per parlare delle differenze e delle peculiarità dei due modi di lavorare. La convinzione che sia proprio la differenza tra i due mondi manageriali a rendere attraente ed interessante la collaborazione ha caratterizzato lo scambio di esperienze: la professionalità tedesca e la fantasia italiana sono due elementi fondamentali che insieme arricchiscono l'attività manageriale. Alla luce del grande successo che ha riscontrato il 1° Congresso di Bolzano sul Management, l'evento verrà riproposto l'anno prossimo in data 22/23 ottobre 1998.
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