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Das Sprachenzentrum der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck - eine besondere Universitätseinrichtung

Interview mit Sabine Kroneder

Sabine Kroneder ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Sprachenzentrums der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen (SOWI) Fakultät der Universität Innsbruck und ist seit 1994 Lehrbeauftragte für Wirtschaftsenglisch. Seit 1992 übt sie intensive Lehr- und Trainingstätigkeiten an mehreren Tiroler Firmen und Institutionen in Innsbruck aus. Außerdem ist sie Lehrbeauftragte für „Active Communication in English“ am „Fachhochschulstudiengang für unternehmensgestaltende Berufe“ in Innsbruck.

Academia: Frau Mag. Kroneder, das Sprachenzentrum der Universität Innsbruck scheint im Vorlesungsverzeichnis als besondere Universitätseinrichtung auf. Was versteht man darunter?

Kroneder: Eine besondere Universitätseinrichtung insofern, daß das Sprachenzentrum kein Institut mit Lehre und Forschung ist, sondern speziell eingerichtet wurde, um Sprache zu lehren und zwar Sprache im Wirtschaftskontext für Studierende der SOWI-Fakultät. Wir sind also ein reines Lehrinstitut. Das Sprachenzentrum wurde 1986 gegründet. Wir haben nun insgesamt 22 Mitarbeiter. Ursprünglich gab es nur einen Leiter, der auch am Sprachenzentrum unterrichtete. Die Sprachausbildung ist in diesen 10 Jahren sehr ausgeweitet worden. Neben dem Leiter und der Institutsreferentin haben wir inzwischen insgesamt 12 Lehrer, 7 Lehrbeauftragte und eine Austauschlektorin aus Frankreich. Insgesamt bieten wir pro Jahr 20 Wirtschaftsenglischkurse an, das heißt, wir bilden rund 600 Studierende in Wirtschaftsenglisch aus, 4 Wirtschaftsfranzösischkurse mit rund 120 Studierenden, 5 Wirtschaftsitalienischkurse, die in Kurse für Südtiroler und Nicht-Südtiroler unterteilt sind, und 3 Wirtschaftsspanischkurse. Außerdem bietet das SOWI-Sprachenzentrum auch einen Wirtschaftsrussischkurs an. Diese Kurse gehen immer über 2 Semester. Zudem können die Studenten am Sprachenzentrum noch folgende Kurse besuchen: Grundkurse in Spanisch sowie Französischgrundkurse mit landeskundlichem Schwerpunkt.

Academia: Wer besucht die Kurse des SOWI-Sprachenzentrums?

Kroneder: An sich fast alle Wirtschaftsstudenten. Für Betriebswirtschaftsstudenten ist es Pflicht, eine Sprache zu belegen, ebenso für Volkswirtschaftsstudenten. Seit einigen Jahren bietet die SOWI-Fakultät ein internationales Studienprogramm an: Wirtschaftswissenschaften mit internationaler Ausrichtung. Für jene Studenten, die diesen Studiengang gewählt haben, ist es Pflicht, zwei Sprachen zu belegen: entweder Englisch und Spanisch, Englisch und Französisch, Englisch und Italienisch oder Englisch und Russisch.

Academia: Wodurch unterscheidet sich aber das Sprachenzentrum der SOWI-Fakultät Innsbruck von anderen Einrichtungen, in denen Sprache gelehrt wird?

Kroneder: Es unterscheidet sich sehr grundlegend von anderen Einrichtungen, in denen Sprache gelehrt wird, weil wir Sprachtraining einmal in erster Linie als Kommunikationstraining sehen: In einem Wirtschaftskontext ist es also wichtig, das, was man sagen will, hinüberzubringen. Dabei muß man nicht immer grammatikalisch korrekt sein sondern vielmehr fließend sprechen können. Uns sind dieses fließende Sprechen und die Effizienz besonders wichtig. Folgendes Schema verdeutlicht die drei Begriffe, die in unserem Sprachenzentrum wesentlich sind, wobei effiziente Kommunikation das Hauptziel des Sprachunterrichts darstellt.
Die Studenten der SOWI-Fakultät können zum Teil ganz gut Englisch, doch wenn die Umgangsformen nicht passen, wenn der Ton nicht paßt, dann hilft es ihnen nichts, linguistisch gut zu sein. Der Student soll zum Beispiel lernen, ein Produkt zu präsentieren: In erster Linie ist dabei wichtig, daß er reden kann, daß er fließend spricht, und in zweiter Linie nur, daß er das grammatikalisch korrekt macht. Wir führen Sprachtraining also im Sinne von Kommu-nikationstraining durch, im Sinne auch von Training von Managementfähigkeiten, von Fähigkeiten, die man durchaus auch in der Muttersprache braucht. Dazu möchte ich ein einige Beispiele wie Verhandeln oder Präsentationsfähigkeiten erwähnen. Letztere stellen gut dar, worum es uns beim Unterricht der Sprache geht: Es wird mir sehr wohl verziehen, wenn ich in einer Präsentation einen Grammatikfehler mache, aber eine langweilige uninteressante Präsentation wird mir im Wirtschaftsleben nicht verziehen. Insofern sind wir also sehr praxis-orientiert, wobei wir besonders auf die Bedürfnisse der Wirtschaft ausgerichtet sind.

Academia: Woher wissen Sie, was in der Praxis gefragt ist?

Kroneder: Das ist leicht zu beantworten. Die meisten Mitarbeiter im Sprachenzentrum haben selber in der Praxis gearbeitet, das heißt, sie waren in Banken oder in Firmen tätig, oder sie sind derzeitig als Trainer in Firmen beschäftigt. Inzwischen hat sich unser Sprachenzentrum einen guten Ruf erworben, so daß von außen verschiedene Firmen oder andere Bildungseinrichtungen auf uns zurückgreifen. Dadurch haben wir auch gute Kontakte zur Privatwirtschaft. Was die Praxis anbelangt, muß außerdem ein wichtiges Ereignis erwähnt werden, das einmal im Jahr stattfindet: die „English Business Conference“. Diese findet im nächsten Jahr bereits zum fünften Mal statt. Daran nehmen alle Studierende, die Wirtschaftsenglisch gewählt haben, teil. Es handelt sich dabei um eine Konferenz, die die Studierenden selbst organisieren, bei der sie an drei Tagen Präsentationen halten. Eingeladen sind Mitglieder vom Land Tirol, Firmen von ganz Österreich, auch Schulklassen usw. Die Studierenden präsentieren in einer möglichst wirklichkeitsnahen Situation ihre Vorträge vor einem Publikum, das nicht nur aus ihren Mitstudent/innen besteht. Seit zwei Jahren haben wir bei dieser Konferenz auch Stände: Wie auf einer Messe präsentieren die Studenten Produkte oder auch Firmen. Die ganze Konferenz findet, wie der Name schon sagt, auf Englisch statt und ist bis jetzt immer sehr erfolgreich gewesen.

Academia: Welche Visionen hegt das SOWI-Sprachenzentrum für die Zukunft?

Kroneder: Derzeit werden am Sprachenzentrum der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Sprachen nur im ersten Studienabschnitt gelehrt. Dabei ist der Unterricht schon relativ intensiv, aber die Zeitspanne bis zum Eintritt ins Berufsleben ist sehr lang. Wir wünschen uns für die Zukunft, im zweiten Studienabschnitt Spezialkurse anbieten zu können, um eine direkte Brücke ins Berufsleben zu bieten. Eine zweite Richtung, in die wir in Zukunft gehen möchten, besteht darin, wissenschaftliche Arbeiten in der Fremdsprache zu fördern, das heißt in Form von Kursen, wie beispielsweise der Kurs „akademisches Schreiben“, oder in Form einer Betreuung von Diplomanden und Dissertanten.

Dott.ssa Sandra Campisi, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der „Koordinierungsstelle für Hochschulentwicklung“ an der Europäischen Akademie Bozen


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