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Artikel9
Know-how durch Kooperation: Maturaprojekt der Gewerbeoberschule im "Landschaftsinventar Südtirol"
von Ulrike Tappeiner und Flavio V. RuffiniIm Forschungsprojekt „Landschaftsinventar Südtirol” des Bereichs „Alpine Umwelt” soll in einem flächendeckenden Ansatz die Qualität der Natur- und Kulturlandschaft Südtirols erfaßt und den verschiedenen Nutzungsansprüchen gegenübergestellt werden. Die für den geplanten breiten Einsatz dieses neuen Instrumentariums notwendige Benutzeroberfläche wird im Rahmen eines Maturaprojektes durch die Klasse 5IB der Gewerbeoberschule „Max Valier“ in Bozen realisiert.
Nicht nur das Erarbeiten von Forschungsergebnissen, sondern zunehmend auch die „mundgerechte” Aufbereitung dieser Ergebnisse für teilweise sehr heterogene Benutzergruppen sind eine große Herausforderung für die Wissenschaft. Ohne eine gute Schnittstelle Forscher - Nutzer verbleiben die Ergebnisse häufig im wissenschaftlichen „Elfenbeinturm” und haben damit nur eine geringe praktische Relevanz.
Dies gilt insbesondere auch für ein derzeit im Bereich „Alpine Umwelt” der Europäischen Akademie Bozen laufendes Forschungsprojekt, das „Landschaftsinventar Südtirol”. Zielsetzung dieses Projektes ist es, Informationsgrundlagen zum gesamten Südtiroler Natur- und Landschaftsraum bereitzustellen. In einem flächendeckenden Ansatz wird versucht, die Qualität und Schutzwürdigkeit der Natur- und Kulturlandschaft zu erfassen und zu bewerten sowie den verschiedenen Nutzungsansprüchen gegenüberzustellen. Ziel ist die Entwicklung eines methodischen, praxisgeeigneten Ansatzes für ein Instrument der Landschafts- und Raumplanung, welches eine bessere Berücksichtigung ökologischer Belange in Planungsprozessen mit Wechselwirkungen auf Natur- und Kulturlandschaft gewährleistet. Die Aufgabe des Bereichs liegt dabei in der Erarbeitung der wissenschaftlichen Grundlagen und Methoden und in der Auslotung der inhaltlichen Möglichkeiten im Rahmen eines Vorprojektes. Ein zentraler Punkt ist auch die Abstimmung des Projektes mit den vorhandenen Instrumenten und die Eingliederung der Daten in das bestehende geographische Informationssystem des Landes. Das Ergebnis des Projektes ist als Dienstleistungsprodukt und Entscheidungsgrundlage für alle Nutzer der Landesfläche und für alle die Nutzung steuernden Verwaltungsdienststellen gedacht.
Im Rahmen des Projektes fällt eine sehr große Menge an Einzelinformationen (geologische und klimatische Verhältnisse des Standortes, Vegetation, ökologische Sensibilität, Naturnähe, vorhandene Nutzungen u.a.) an, die für ganz unterschiedliche Fragestellungen (Raumplanung, Forst-wirtschaft, Naturschutz u.a.) möglichst übersichtlich dargestellt werden muß. Für diesen Zweck bietet sich natürlich primär eine kartographische Darstellung an. Das Medium der klassischen Papierkarten scheidet aber schon allein wegen des Umfangs (die Daten würden einen mehrere tausend Seiten umfassenden Atlas ergeben) und wegen der unterschiedlichen Anforderungen an den Maßstab der Darstellung aus. Allerdings steht heute mit dem geographischen Informationssystem (GIS) ein Instrument zur Verfügung, das hinreichend mächtig und flexibel ist, um den genannten Anforderungen zu genügen. Es gibt dabei jedoch ein nicht zu unterschätzendes Problem: Geographische Informationssysteme sind, auch wenn sie laufend benutzerfreundlicher entwickelt werden, nach wie vor ein Instrument nur für Experten. Gerade das technische Potential eines GIS führt dazu, daß sich ein „normaler” Nutzer des Systems, der z.B. mit Hilfe des zukünftigen „Landschaftsinventar Südtirol” eine grobe Trassenplanung eines Projektes durchführen möchte, allzu leicht im technischen Überbau des Programms verfängt.
Um das entwickelte Instrumentarium attraktiv zu gestalten, und eine intensive Nutzung zu motivieren, ist es daher notwendig, eine spezifische Benutzeroberfläche zu erstellen, die dem jeweiligen Benutzer gerade soviel Funktionalität zur Verfügung stellt, wie für die jeweilige Aufgabe notwendig ist. Im Idealfall soll der Benutzer ein „mitdenkendes Sytem” mit effizienter Selbstbeschränkung vor sich haben. Die Realisation derartiger Oberflächen ist durch die in das jeweilige GIS integrierten Programmiersprachen, die durchwegs der objektorientierten Programmierung zuzurechnen sind, möglich. Für die Europäische Akademie hat sich in diesem Zusammenhang die klassische Frage des „make or buy” gestellt.
Gerade eine Forschungsinstitution hat aber vielfach nicht nur die Möglichkeit, sondern durchaus auch die Aufgabe von „klassischen Wegen” abzuweichen. Der besondere Weg, der hier beschritten wurde, ergab sich sehr einfach durch die vorhandenen Möglichkeiten: Es gibt in Südtirol ja durchaus Ausbil-dungseinrichtungen, die über ein erhebliches Know- how auf dem geschilderten Gebiet verfügen. Als erstes kam uns dabei die Gewerbeoberschule „Max Valier” in Bozen mit ihrer Fachrichtung Industrieinfomatik in den Sinn. Eine Kooperation zwischen dieser Institution und der Europäischen Akademie verhieß auf den ersten Blick eine Reihe von Synergieeffekten: eine hohe Problemlösungskapazität von seiten der Schule, die Involvierung hochmotivierter junger Nachwuchskräfte und einen für beide Seiten vielversprechenden Kommunikationsprozeß. Wir haben uns sehr darüber gefreut, daß sich der zuständige Lehrer Michael Wild sofort für das Thema interessiert hat, und es nach demokratischer Rücksprache mit den Schülern der Klasse 5IB als Maturaprojekt für tauglich gefunden hat. Nicht zuletzt ist dies wieder einmal ein sehr positives Beispiel für das offene Gesprächsklima zwischen unterschiedlichen Einrichtungen in Südtirol.
In der Zwischenzeit setzten sich die 15 Schüler unter der Betreuung von M. Wild und dem Assistenten K. Lunger (siehe Bild) intensiv und hochmotiviert mit ihrem Maturaprojekt im Rahmen des Landschaftsinventars Südtirol auseinander. In engem Kontakt mit den Mitarbeitern der Akademie wurde eine klare Projektdefinition und eine entsprechende Projektplanung auf die Füße gestellt. Die Schüler haben drei Projektgruppen gebildet, die bestimmte Teilbereiche (Datenmodell und funktionale Anforderungen, technische Anforderungen, Dokumentation) schwerpunktmäßig erarbeiten. Neben der Definition der notwendigen Datenbankstruktur, der Auswahl von geeigneten Programmiersprachen erfolgte bereits eine erste Übersicht der geplanten Benutzeroberfläche (siehe Grafik auf S. 27), eine genaue Analyse von notwendigen Schnittstellen, Benutzerklassen, Datenhandling, Benutzer- und Gruppenverwaltung sowie der Dokumentation bis hin zu den Navigationsmö-glichkeiten der potentiellen Nutzer des Systems. Mit anderen Worten: der „Hoch-geschwindigkeitszug” des Maturaprojektes fährt pünktlich nach dem von der Klasse vorgesehene Projektfahrplan und wir erwarten schon mit Spannung seine Ankunft im Rahmen einer öffentlichen Präsentation der Ergebnisse.
Univ.-Prof. Dr. Ulrike Tappeiner, Leiterin des Bereichs „Alpine Umwelt” an der Europäischen Akademie Bozen Dipl.-Ing. Flavio V. Ruffini, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich „Alpine Umwelt” an der Europäischen Akademie Bozen
Nel progetto di ricerca 'Inventario degli habitat in Alto Adige' dell'area scientifica "Ambiente alpino" la qualità del paesaggio naturale e culturale dell'Alto Adige viene analizzata in un approccio interdisciplinare integrato e confrontata con gli altri tipi di uso del suolo. L'interfaccia per gli utenti, necessaria per l'applicazione di questa base informativa, viene realizzata nell'ambito di un progetto per l'esame di maturità della classe 5 IB dell'Istituto Tecnico Industriale "Max Valier" di Bolzano.
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