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Kooperation im Umweltschutz: Der Umweltpakt Südtirol

von Stephan Ortner und Markus Tischner

Die Europäische Akademie hat in Kooperation mit der Südtiroler Umweltagentur und dem Alpenforschungsinstitut Garmisch-Partenkirchen ein Konzept für den „Umwelt-pakt Südtirol“ entwicklet. Der Umweltpakt Südtirol wurde am 15.3.1998 der Öffent-lichkeit vorgestellt und ist ein Modell dafür, wie in einer Region das Prinzip der nach-haltigen Entwicklung umgesetzt wird. Südtirol ist damit eine der Vorreiterregionen im Bereich des betrieblichen Umweltschutzes.

In der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro verpflichtete sich die Völkergemeinschaft zu einer dauerhaft umweltgerechten bzw. nachhaltigen Entwicklung. Das Prinzip der Nachhaltigkeit rückt den Umwelt-schutzgedanken von der Außenseiterrolle des Begrenzungsfaktors ins Zentrum der Über-legungen zum Erhalt der Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen. Ein wichtiger Ansatzpunkt für die praktische Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens ist der betriebliche Umweltschutz. Dieser hat sich durch die EG-Öko-Audit-Verordnung und die ISO-Norm 14001 in letzter Zeit erheblich verändert, indem immer mehr freiwil-lige vorsorgende Ansätze zur kontinuierlichen Verbesserung der betrieblichen Um-weltauswirkungen Anwendung gefunden haben. Zur Förderung dieser neuen Denkweise in Südtiroler Betrieben wurde der Umweltpakt Südtirol ins Leben gerufen. Wirtschaftsverbände, Banken, Politik und Landesverwaltung verpflichten sich durch den Umweltpakt, den Betrieben Beratung, Beiträge und begün-stigte Finanzierungen zur Verfügung zu stellen. Damit will Südtirol eine Vorreiterrolle im Bereich des betrieblichen Umweltschutzes einnehmen und einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Regionalentwicklung leisten.

1 Der Aufbau von Umweltmanagementsystemen
Beim Aufbau eines Umweltmanagementsystems werden alle Betriebsabläufe gezielt un-ter umwelttechnischen und organisatorischen Gesichtspunkten durchleuchtet. Dies birgt gerade in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Chance, die Arbeit zu syste-matisieren und somit eine Effizienzsteigerung zu erzielen. Damit wird das starre Reagieren der Unternehmen auf umweltrechtliche Regelungen von einem offensiven Agieren abgelöst. Die EG-Öko-Audit-Verordnung und die ISO-Norm 14001 stellen die wichtigsten Standards für die Einführung von Umweltmanagementsystemen dar. Die Wahl des Systems ist eine strategische Entscheidung, je nach Organisationsstruktur und Markteinbindung des Betriebs. Unabhängig vom gewählten Bezugsstandard kann der Ablauf zur Einführung von Umweltmanagementsystemen in Anlehnung an die EG-Öko-Audit-Verordnung folgendermaßen zusammengefaßt werden:

Umweltprüfung
In der Umweltprüfung werden alle umweltrelevanten Bereiche und Prozesse im Betrieb untersucht. Dabei werden drei Schwerpunkte gesetzt:
  • Erfassung der betrieblichen Umweltaus- wirkungen in Form einer Input-Output-Analyse;
  • Überprüfung der Einhaltung aller umwelt- rechtlichen Anforderungen am Standort;
  • Überprüfung der Organisationsstruktur in umweltrelevanten Bereichen.
Umweltpolitik
In der Umweltpolitik formuliert die Geschäftsleitung betriebliche Handlungsgrundsätze im Umweltschutz, die als fester Bestandteil in die Unternehmensleitlinien aufgenommen werden.

Umweltprogramm
Die abstrakten Handlungsgrundsätze der Umweltpolitik und der Handlungsbedarf, der aus der Umweltprüfung abgeleitet wurde, führen zur Erstellung eines Umweltprogramms mit Umweltzielen in umweltrelevanten Handlungsfeldern.

Umweltmanagementsystem
Das Herzstück der EG-Öko-Audit-Verordnung ist das Umweltmanagementsystem. Es ist die Grundlage zur kontinuierlichen Verbesserung im Umweltschutz. Im Umweltmanagementsystem werden Verantwortlichkeiten für wichtige umweltrelevante Betriebsabläufe festgelegt und als wiederkehrende Tätigkeiten in den Betriebsalltag integriert. Zur Dokumentation dieser Organisationsstruktur wird ein Umweltmangementhandbuch erstellt.

Umwelterklärung/Umweltbericht
In der Umwelterklärung/Umweltbericht sind alle Umweltauswirkungen des betreffenden Standorts in knapper und verständlicher Form schriftlich zu fixieren und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Umwelterklärung ist nach der EG-Öko-Audit-Verordnung Voraussetzung für das Erreichen des Zertifikats. Die ISO14001 bietet die Möglichkeit eines freiwilligen Umweltberichts.

2 Der Umweltpakt Südtirol
Der Leitgedanke des Umweltpakts Südtirol ist es, alle wichtigen Vertreter aus Wirtschaft, Politik und öffentlicher Verwaltung einer Region zusammenzubringen, um den betrieblichen Umweltschutz gemeinsam in Form einer innovativen Kooperation voranzutreiben. Zur Umsetzung des Umweltpakts Südtirol arbeiten folgende Institutionen zusammen (siehe Abb. 1):
  • die Südtiroler Betriebe als Innovatoren im betrieblichen Umweltschutz;
  • die Landesagentur für Umwelt und Arbeitsschutz als übergeordnete Instanz zur Koordinierung des Umweltpakts, zur Be- ratung der Betriebe und zur Durchführung von Pilotprojekten;
  • das Assessorat für Handwerk, Handel und Fremdenverkehrswesen und das Assessorat für Personalverwaltung, Industrie und italienische Berufsbildung als Träger der Förderprogramme;
  • die Verbände als Mittler zwischen den Betrieben und den anderen Beteiligten des Umweltpakts;
  • die Banken als Finanzdienstleister.
3 Die Leistungen des Umweltpakts Südtirol

Die Förderung von Umweltmanagement-systemen
Das Herzstück des Umweltpakts ist ein Programm zur Förderung von Umweltmanagementsystemen. Die Förderung richtet sich besonders an kleine und mittlere Unternehmen (KMU), da Südtirol sehr kleinbetrieblich strukturiert ist. So arbeiten in rund 85% der Südtiroler Betriebe 5 oder weniger Beschäftigte.

Aus diesem Grund wurde ein zweistufiges Fördersystem eingerichtet, wobei die Förderstufen einzeln oder in Kombination angeboten werden. Kleinbetriebe, die erste Erfahrungen mit dem Thema Umweltmanagement sammeln möchten, können zunächst mit der Förderstufe 1 beginnen. Sie haben jedoch auch nach Beendigung der Förderstufe die Möglichkeit, die zweite Stufe in Anspruch zu nehmen und bis zum Öko-Audit-Zertifikat zu gelangen.

Förderstufe 1
Die Förderstufe 1 umfaßt die Durchführung der ersten Umweltprüfung, die Festlegung der Umweltpolitik und die Erstellung des Umweltprogramms. Sehr kleinen Betrieben, die kein vollständiges Umweltmanagementsystem aufbauen wollen, bietet die Förderstufe 1 die Möglichkeit einer kompletten Bestandserhebung ihrer Umweltauswirkungen. Mit der Aufnahme des Umweltprogramms in die Förderstufe 1 wird darüber hinaus sichergestellt, daß der betriebliche Umweltschutz auch nach Abschluß der Förderung ein Thema im Betrieb bleibt, da im Umweltprogramm Termine und Verantwortlichkeiten für das Erreichen der gesetzten Umweltziele festgeschrieben werden.

Förderstufe 2
Die Förderstufe 2 umfaßt alle notwendigen Ausgaben für die Einführung des Umweltmanagementsystems, die Erstellung der Umwelterklärung (Öko-Audit) / Umweltbericht (ISO 14001) und die Validierung nach Öko-Audit bzw. die Zertifizierung nach ISO 14001. Betriebe, die sich für eine Zertifizierung nach ISO 14001 entscheiden, erhalten nur dann den vollständigen Förderbetrag, wenn sie einen Umweltbericht nach den Maßgaben der EG-Öko-Audit-Verordnung veröffentlichen.
Die Zweiteilung der Förderung ist für die Betriebe, die beide Förderstufen durchlaufen, aus zwei Gründen sinnvoll. Zum einen wird zur Mitte des Projekts bereits ein Teil der Fördersumme ausgezahlt. Zum anderen ermöglicht die erfolgreiche Teilnahme an Förderstufe 1 den Betrieben eine günstige Kreditaufnahme bei den am Umweltpakt Südtirol teilnehmenden Banken, um größere Geldbeträge vorzufinanzieren.

Die Förderung von Umweltinvestitionen
Parallel zur Förderung von Umweltmanagementsystemen werden durch das neue Südtiroler Wirtschaftsförderungsgesetz Beiträge für investive Umweltschutzmaßnahmen bereitgestellt. Diese sollen die Errichtung von Anlagen bzw. Maßnahmen unterstützen, die über geltende Umweltstandards hinausgehen. Umweltinvestitionen werden unabhängig vom Aufbau der Umweltmanagementsysteme gefördert. Wenn jedoch Umweltschutzinvestitionen als Maßnahme im Umweltprogramm eines Umweltmanagementsystems geplant werden, besteht für die Betriebe die Möglichkeit, günstige Kredite bei den am Umweltpakt teilnehmenden Banken aufzunehmen.

Unterstützende Maßnahmen
Neben den beiden Förderprogrammen werden im Rahmen des Umweltpakts Südtirol unterstützende Maßnahmen im betrieblichen Umweltschutz finanziert, die von der Landesagentur für Umwelt und Arbeitsschutz koordiniert werden. Dabei werden schwerpunktmäßig drei Felder bearbeitet:
  • In wichtigen Südtiroler Branchen, in denen bisher wenig Erfahrungen beim Auf- bau von Umweltmanagementsystemen existieren, werden in Pilotprojekten Betriebe besonders betreut. Die Erfahrungen, die in diesen Pilotprojekten gewonnen werden, sollen in Branchenleitfäden für den Aufbau von Umweltmanagementsystemen schriftlich für interessierte Folgebetriebe bereitgehalten werden.
  • Die Landesagentur für Umwelt und Arbeitsschutz wird in Koordination mit den Verbänden betriebliche Weiterbildungsmaßnahmen zum Thema Umweltmana- gement anbieten.
  • Das Modell der sogenannten Ökopartnerschaften bietet kleinen Betrieben eine gute Möglichkeit, Umweltmanagement-systeme zu installieren. In einer Ökopartnerschaft werden mehrere Betriebe einer Branche oder Region (z.B. Talschaft) gemeinsam beim Aufbau von Umweltmanagementsystemen unterstützt.
4 Die Aufgaben der am Umweltpakt beteiligten Institutionen

Die Betriebe
Im Brennpunkt des Umweltpakts Südtirol stehen die Unternehmen mit Standort in Südtirol. Sie sind die Umsetzungsorte des betrieblichen Umweltschutzes und verkörpern das Innovationspotential des Landes Südtirol. Es ist das zentrale Ziel des Pakts, möglichst viele Unternehmen zum Aufbau eines Umweltmanagementsystems zu motivieren. Vorrangig soll dabei der Blick auf kleine und mittlere Unternehmen gerichtet werden.

Die Landesagentur für Umwelt und Arbeitsschutz
Die Landesagentur für Umwelt und Arbeitsschutz ist als Promotor des Umweltpakts Südtirol vorrangig verantwortlich für:
  • die Durchführung von Pilotprojekten und Weiterbildungsmaßnahmen;
  • die Erstellung von Leitfäden in Zusammenarbeit mit den Verbänden;
  • den Aufbau von Ökopartnerschaften in Zusammenarbeit mit den Verbänden.
Sie überprüft die Umsetzung der im Umweltpakt vorgesehenen Leistungen und leitet das im folgenden erläuterte Expertenforum.

Die Assessorate für Industrie und Handwerk
Das Assessorat für Personalverwaltung, Industrie und italienische Berufsbildung und das Assessorat für Handwerk, Handel und Fremdenverkehrswesen übernehmen die zentrale Aufgabe der Verwaltung und Kontrolle der Fördergelder. Außerdem dienen die Assessorate als weiterer Ansprechpartner für die Betriebe zum Thema Umweltmanagement.

Die Verbände
Die Verbände nehmen in erster Linie eine Mittlerfunktion zwischen den Betrieben und der Landesagentur für Umwelt und Arbeitsschutz ein. So bringen sie Vorschläge für Pilotprojekte für den Aufbau von Branchenleitfäden ein, sorgen über gezielte Mitgliederinformationen für einen reibungslosen Informationsfluß und stellen Kontakte zu geeigneten Betrieben für derartige Projekte her.

Die Banken
Die Banken unterstützen die Unternehmen finanziell bei der Umsetzung des Umweltmanagementsystems über eine unkomplizierte und günstige Kreditvergabe. Mit der Bestätigung über die erfolgreiche Teilnahme an der Förderstufe 1 besteht für die Betriebe die Möglichkeit, günstige Kredite sowohl für die laufenden Kosten für den Aufbau des Umweltmanagementsystems, als auch für eventuelle Folgeinvestitionen aufzunehmen.

Das Expertenforum
Das Expertenforum besteht aus Vertretern der am Pakt beteiligten Institutionen. Als Lenkungsausschuß für den gesamten Umweltpakt überprüft es die Umsetzung der geplanten Leistungen des Umweltpakts und kann neue Ziele für den Pakt festlegen.

Dr. Stephan Ortner, Direktor der Europäischen Akademie Bozen

Dipl. Geogr. Markus Tischner, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich „Betriebliches Umweltmanagement” am Alpenforschungsinstitut Garmisch-Partenkirchen

Abstract:
Il Patto Ambientale per l'Alto Adige

L'Accademia Europea di Bolzano ha elaborato in stretta collaborazione con l'Agenzia Provinciale per la Protezione dell'Ambiente e la Tutela del Lavoro e l'Alpenforschungsinstitut Garmisch-Partenkirchen (G) un progetto per la realizzazione di un Patto Ambientale per l'Alto Adige. Questo patto, presentato al pubblico il 15 marzo scorso, costituisce un importante elemento sul lungo cammino verso la realizzazione di un management ambientale sostenibile per aziende. Il Patto Ambientale per l'Alto Adige è stato ratificato oltre dai su menzionati promotori dell'iniziativa, da associazioni di settore, banche, alti esponenti politici nonché dall'amministrazione provinciale. Con la loro firma le varie istituzioni s'impegnano ad offrire alle aziende la loro consulenza, nonché agevolamenti finanziari nella loro adesione volontaria ad un sistema comunitario di ecogestione ed audit "Eco-Audit" promosso dall'UE nel 1993. Con questo Patto Ambientale l'Alto Adige si pone all'avanguardia nell'ambito della realizzazione di un management ambientale sostenibile.


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