Der virtuelle Bibliothekskatalog
von Michael Perathoner
Die erste Version eines virtuellen Katalogs (OPAC) feiert südtirolweit Premiere. Durch ihn wird eine Internet-Reise in den Beständen der Bibliotheken der Europäischen Akademie Bozen, der Freien Universität Bozen und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen ermöglicht. Der Katalog ist das Ergebnis eines Gemeinschaftsprojekts zwischen der Abteilung „Informations- und Kommunikationstechnologie” und den genannten Bibliotheken.
Die Einführung der elektronischen Datenverarbeitung in den Bibliotheken war auch die Geburtsstunde des sog. OPAC (= Online Public Access Catalog), d.h. eines für die BenutzerInnen* zugänglichen digitalen Katalogs. Damit wurde Wissenschaftlern und Studierenden ein erheblich verbesserter Service geboten. Während die herkömmlichen Bibliothekskataloge, die Kartenkataloge, nur einen sehr beschränkten Zugriff nach strengen Ordungskriterien auf die Bestände der Bibliothek bieten und vom Benutzer bei der Recherche nicht unerhebliche Regelwerkskenntnisse verlangen, kann im elektronischen Katalog nach allen möglichen Suchbegriffen strukturiert recherchiert werden, d.h. nach bestimmten Feldkategorien, z.B. Autor, Titelstichwort, Schlagwort, Notation aber auch – und dies praktizieren die Benutzer vor allem - im Sinne einer sog. Freitextsuche.
Das Angebot des OPAC im Internet stellt einen weiteren Qualitätssprung im bibliothekarischen Serviceangebot dar. Der interessierte, über einen Internetanschluß verfügende Benutzer kann jetzt standortunabhängig und losgelöst von den Bibliotheksöffnungszeiten über 24 Stunden vom heimischen Arbeitsplatz aus nach Literatur suchen.
Aktueller Stand
Seit einigen Wochen steht der WWW-OPAC und mit ihm die Bestände der drei genannten Bibliotheken im Internet zu Recherchezwecken zur Verfügung 1 . Die Projektpartner wählten die modernste der derzeit zur Verfügung stehenden Internetpräsentations-möglichkeiten. Der Zugriff auf den gemeinsamen OPAC erfolgt über die einheitliche Oberfläche des World Wide Web. Man spricht daher auch von einem WWW- oder Web-OPAC. Der Vorteil dieser Variante ist die perfekte Integration in die zur Zeit gängige Benutzeroberfläche im Internet, die relativ leichte Ausbaufähigkeit auch im Hinblick auf den Einsatz zukünftiger Technologien sowie die breite Verfügbarkeit.
Der WWW-OPAC ist sowohl über die Homepage der Europäischen Akademie Bozen als auch über die der Freien Universität Bozen aufrufbar. In einem Katalogmenü kann zwischen einer Recherche im gemeinsamen Katalog der Universitätsbibliothek und der Bibliothek der Philosophisch-Theologischen Hochschule bzw. dem der Bibliothek der Europäischen Akademie Bozen gewählt werden. Als Sucheinstieg stehen dem Benutzer die üblichen Suchbegriffe – Verfasser, Titel, Jahr, Schlagwort und allgemeines Stichwort – zur Verfügung. Die Treffer werden zunächst als Kurztitelanzeige geliefert. Auf Wunsch wird nach entsprechender Markierung der gefundene Titel mit vollständiger bibliographischer Beschreibung angezeigt. In der „Fußleiste” der Bildschirmanzeige wird der Standort des Werkes (Zweigstelle, Lokalkennzeichen, Signatur) mitgeteilt. Im WWW-OPAC werden auch Titel nachgewiesen, die erst bestellt bzw. sich noch in Bearbeitung befinden. Der Benutzer hat damit einen brandaktuellen Überblick über die Erwerbungsaktivitäten der Bibliothek. Über eine Hilfefunktion kann der Benutzer sich gezielt Informationen für weitere Suchschritte einholen.
Technische Details
An der Europäischen Akademie Bozen wie auch an der Freien Universität Bozen wird mit der Bibliotheksverwaltungs-Software Bibliotheca Win der Firma B.O.N.D., Gesellschaft für Bibliothekssoftware, gearbeitet. Das Bibliothekssystem ist Windows-basiert und bedient sich im Hintergrund einer Standard-SQL-Datenbank. In unserem Fall Oracle 7.3.3. Bibliotheca Win und Oracle laufen sowohl in der Akademie, als auch an der Universität unter Windows NT Server 4.0 auf einem Pentium Dualprozessor mit 128 Mbyte RAM und einem RAID 5 Festplattensystem. Der Datenbank-Server der Akademiebibliothek befindet sich in der Drususallee in Bozen, der der Universität im Priesterseminar, dem vorläufigen Standort der Universitätsbibliothek in Brixen.
Ausgangslage für die Entwicklung unseres WWW-OPAC war die Webkomponente der Bibliotheksverwaltungssoftware Bibliotheca Win. Der auf Frames basierende WWW-OPAC baut auf der Technologie der ASPs (Active Server Pages) auf. Ruft ein Benutzer mittels Microsoft Internet Explorer, Netscape Navigator oder eines anderen Webbrowsers den WWW-OPAC auf, baut dieser mit Hilfe eines SQL-Services, der auf dem Internet-Server installiert ist, die Kommunikation über das Wide Area Network (WAN) mit der entsprechenden Mediendatenbank der Akademie oder der Universität auf.
Dabei spielt es schlußendlich keine Rolle, ob sich die Datenbank-Server, die angewählt werden, im lokalen Netzwerk oder irgendwo im Internet befinden. Somit ist eine Erweiterung um beliebig viele weitere Bibliothekskataloge möglich. Der Vorteil für den Benutzer liegt auf der Hand: Er kann unter einer einheitlichen, ihm vertrauten Suchoberfläche in verschiedenen Datenbeständen auch unabhängig von deren Betriebssystemplattform recherchieren.
Zukunftsperspektiven
Mit dem Angebot eines WWW-OPAC wurde auch ein weiterer entscheidender Schritt zum Aufbau einer „digitalen Bibliothek” getan. Der WWW-OPAC wird gezielt und mit Nachdruck weiterentwickelt. Ziel ist es, dem Benutzer möglichst schnell Informationen zu den Beständen der beteiligten Bibliotheken liefern zu können, wobei diese Informationen so differenziert sein sollten, daß sie den maximalen Informationsgehalt widerspiegeln, der in den Beständen verfügbar ist.
Neben noch komfortableren Such- bzw. Recherchemöglichkeiten soll der WWW-OPAC in Kürze über weitere Funktionalitäten verfügen. Der Benutzer soll bald auch die Möglichkeit haben, sein Ausleihkonto einzusehen und von zuhause aus Leihfristen gegebenenfalls zu verlängern und Vormerkungen auf noch in der Bearbeitung befindliche bzw. gerade entliehene Werke zu machen. Natürlich sind diese sensiblen Daten bzw. Vorgänge gegen den Zugriff von unbefugter Seite geschützt. Wenn wir der Wissenschaftlerin auf Studienreise in Japan um 24:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Möglichkeit bieten, die Leihfrist ihres Buches zu verlängern, dann sind wir dem Ziel eines zeit- und technikgemäßen Bibliotheksservice wirklich näher gekommen.
Dr. Michael Perathoner, verantwortlich für die Informations- und Kommunikationssysteme der Bibliothek der Freien Universität Bozen
Fußnoten:
1 Europäische Akademie Bozen
Freie Universität Bozen
Philosophisch-Theologische Hochschule Brixen: Zugriff z.B. über die Webseiten der Freien Universität Bozen, Auswahl Katalog „THEO”
* der Einfachheit halber im restlichen Text als Benutzer angeführt
Abstract:
Il catalogo bibliografico virtuale
Alcune settimane fa è stato inaugurato in Internet il primo catalogo bibliografico in linea dell'Alto Adige. Attualmente è possibile effettuare ricerche biblio-grafiche nei cataloghi della Biblioteca dell'Accademia Europea di Bolzano, della Libera Università di Bolzano e dello Studio Teologico Accademico di Bressanone attraverso un Pc ed un collegamento alla rete Internet (vedi indirizzo sopra citato).
Il catalogo digitale permette di ricercare nomi di autori, titoli di opere, effettuare interrogazioni per soggetto e per parola chiave in tutto il testo della scheda cata-lografica, ampliando notevolmente le capacità di risposta informativa offerta dai tradizionali cataloghi cartacei.
Il lavoro è frutto di una intensa collaborazione fra la Libera Università e l'Acca-demia Europea che ha portato una integrazione delle risorse, permettendo un accesso trasparente a distinti database su server distinti. Dalla home page del l'Accademia Europea o della Libera Università l'utente può passare da una banca dati all'altra senza difficoltà e senza accorgersene.
Grazie ad Internet oggi è possibile consultare i cataloghi delle tre biblioteche 24 ore su 24, ma in un prossimo futuro gli utenti potranno anche controllare la scadenza dei propri prestiti ed eventualmente farne una proroga; inoltre è in programma l'allestimento di un'interfaccia ancora più semplice, ma allo stesso tempo più funzionale per l'utente esperto.