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Bedarfsanalyse für den universitären Diplomstudiengang im Bereich Landwirtschaft

von Wilhelm Sapelza

Im Herbst 1998 wurde von der Universität für Bodenkultur Wien im Auftrag der Europäischen Akademie Bozen eine Bedarfsanalyse für den universitären Diplomstudiengang "Wirtschaft und Führung von Agrarbetrieben" durchgeführt. Im Zuge dieser Erhebung wurden rd. 3000 Maturanten in Südtirol, rd. 2000 in Trient und Verona und rd. 1200 in Nord- und Osttirol erreicht. Um auch die Erwartungen der Wirtschaft (Arbeitswelt) an Absolventen des geplanten Studienganges zu erkunden, wurden rd. 400 Landwirtschaftsexperten, Bürgermeister, Landwirte sowie Betriebs- bzw. Genossenschaftsleiter der selben Region mittels Fragebogen befragt. Eine erste Grobauswertung ergab ein deutliches Interesse der Maturanten an dem geplanten Lehrangebot sowie einen Bedarf an Absolventen seitens der (Land)wirtschaft.

Durch die hohe Rücklaufquote von knapp 30% erhalten die Auswertungen eine deutliche Aussagekraft. Der Fragebogen an die Maturanten enthielt eingangs einige Fragen zur Freien Universität Bozen im allgemeinen und anschließend mehrere Fragen zum geplanten Diplomstudiengang im Bereich Landwirtschaft im speziellen. Dabei zeigte sich bei einer numerischen Auswertung der Fragebögen, daß rd. 95% der Südtiroler Maturanten über die Freie Universität Bozen informiert sind, während rd. 5% noch nichts von der Uni Bozen gehört haben. In Nordtirol haben hingegen rd. 82% nichts von der Freien Universität Bozen gehört und nur rd. 18% sind informiert. In Trient und Verona sind rd. 44% informiert und rd. 56% nicht informiert.

In den Antworten zeigte sich neben einem deutlichen Interesse an den, im laufenden akademischen Jahr, bereits angebotenen Studiengängen der Freien Universität Bozen (Internationale Wirtschaft, Ausbildung von GrundschullehrerInnen und KindergärtnerInnen sowie Betriebsführung von Tourismusdiensten) ein hohes Interesse für den geplanten universitären Diplomstudiengang "Wirtschaft und Führung von Agrarbetrieben". Nach ersten Auswertungen und einer Hochrechnung unter Berücksichtigung statistischer Unschärfen (Schwankungsbereiche) ergibt sich für die beiden Studienzweige ein Potential (bezogen auf die Grundgesamtheit von 6200 Maturanten) von rd.

55 - 125 für den Studienzweig Obstwirtschaft bzw.
50 - 120 für den Studienzweig Berglandwirtschaft
Der Großteil dieses Potentials wird sich aus Südtirol rekrutieren (rd. 2/3 der Probanden).

Während für Südtiroler Maturanten die Nähe zum Heimatort und die Dreisprachigkeit die Hauptgründe für ein Studium an der Uni Bozen sind, stehen bei den Maturanten aus Trient und Verona bzw. aus Nord- und Osttirol die Dreisprachigkeit und eine kleine, überschaubare Universität im Vordergrund.

Bei der Frage nach der Wichtigkeit ausgewählter Leistungen während des Studiums halten rd. 56% der Befragten Praxiskontakte als wichtigsten Aspekt. Es folgen Information über Berufsfelder mit rd. 45%, der interkulturelle Kontakt mit rd. 42% sowie ruhige Studienzonen an der Universität mit rd. 41%.

Im Hinblick auf den dreisprachigen Unterricht an der Freien Universität Bozen wurden die Maturanten auch nach der Selbsteinschätzung ihrer Sprachkenntnisse gefragt. Es wurde davon ausgegangen, daß die Maturanten aus Trient und Verona kein Sprachdefizit in Italie- nisch und die Maturanten aus Nord- und Osttirol keines in Deutsch aufweisen. Dabei gab sich folgendes Bild: Rd. 98,3% der befragten Südtiroler Maturanten verfügen nach eigener Angabe über ausreichende bis sehr gute schriftliche Deutschkenntnisse und rd. 98,5% über ausreichende bis sehr gute mündliche Deutschkenntnisse. 51% der befragten Maturanten aus Trient und Verona gaben an, über ausreichende bis sehr gute schriftliche Deutschkenntnisse und 42,9% über ausreichende bis sehr gute mündliche Deutschkenntnisse zu verfügen.

In Südtirol gaben 90,9% der Befragten an, daß sie über ausreichende bis sehr gute schriftliche Italienischkenntnisse und 91,8%, daß sie über ausreichende bis sehr gute mündliche Italienischkenntnisse verfügen. In Nord- und Osttirol glauben 40,5% der Befragten über ausreichende bis gute schriftliche und 25,2% über ausreichende bis sehr gute mündliche Italienischkenntnisse zu verfügen.

Bei den Englischkenntnissen gaben 72,3% der befragten Südtiroler, 94,3% der Nord- und Osttiroler und 83,4% der Trientner und Veroneser Maturanten an über ausreichende bis sehr gute schriftliche Englischkenntnisse bzw. 78,2% der Südtiroler, 95,% der Nord- und Osttiroler sowie 81,6% der Trientner und Veroneser Maturanten über ausreichende bis sehr gute mündliche Englischkenntnisse zu verfügen.

Die Befragung der Landwirtschaftsexperten nach dem Bedarf an Absolventen des geplanten Studienganges zeigte sowohl im Studienzweig Obstwirtschaft als auch besonders im Studienzweig Berglandwirtschaft einen deutlichen Bedarf in der Beratung der Landwirte bzw. der Unternehmen im Landwirtschaftssektor. Es folgt ein Absolventenbedarf in der Produktions- und Betriebsleitung, im Management, weiters im Bereich Marketing und PR sowie in der Forschung, wobei in der Obstwirtschaft die Produktions- und Betriebsleitung und bei der Berglandwirtschaft das Management an zweiter Stelle genannt werden.

Für mehr als 60% der Befragten ist bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter die Selbständigkeit das wichtigste Kriterium (siehe Grafik), es folgen die Fähigkeit im Team zu arbeiten sowie die fundierten Fachkenntnisse und die Flexibilität. Insgesamt war die Bedarfsanalyse eine klare Bestätigung des ausgearbeiteten Projektes. Sowohl von seiten der künftigen Studenten als auch der (Land)wirtschaft wurde der Bedarf eines universitären Studienangebotes im Agrarsektor deutlich. In den nächsten Monaten werden die Erkenntnisse der Detailauswertung wichtige Hinweise für die Feinabstimmung des Studienplanes und -betriebes liefern.

Dr. Wilhelm Sapelza, Leiter des Projekts "Universitärer Diplomstudiengang im Bereich Landwirtschaft" an der Europäischen Akademie Bozen


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