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Academia 17 
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Interview mit Prof. Heinz Kurz

Professor Heinz D. Kurz lehrt an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz und zählt zum wissenschaftlichen Organisationsgremium der Brixner Summer School.

Academia: Dieses Jahr fand zum zweiten Mal die Internationale Sommerschule für Postgraduierte zum Thema "Europäischen Einigung" statt. Wer waren die Teilnehmer und was war die Thematik?

Prof. Kurz: Während die letztjährige Sommerschule sich mit dem bisherigen Prozeß der Europäischen Einigung befaßt hat, war die diesjährige vor allem der Zukunft der Europäischen Gemeinschaft gewidmet. Behandelt wurden insbesondere die voraussichtlichen Folgen der Einführung des Euro und die Frage der Aufnahme weiterer Mitglieder, darunter Polen, Tschechien, Ungarn und Slovenien. Wie ist die Aufnahme dieser und anderer Länder unter wirtschaftlichem, politischem und kulturellem Aspekt zu sehen? Welche langfristigen Entwicklungstendenzen in Europa behindern, welche fördern den Prozeß der europäischen Integration? Die Vortragenden und postgraduierten Studierenden kamen vorwiegend aus den Mitgliedstaaten der EU, aber auch aus den USA und Israel. Erfreulich war das Interesse von Wissenschaftlern aus Ost- und Südosteuropa. Unter den jüngeren Kollegen waren auch Russen und Litauer.

Academia: Wie war das Programm strukturiert?

Prof. Kurz: Wie im vergangenen Jahr auch, wurden nicht nur wirtschaftliche, sondern auch historische, politische und kulturelle Aspekte behandelt. Der Komplexität der Problemstellung, so die Überzeugung der Organisatoren, ist nur eine interdisziplinäre Herangehensweise angemessen. In einem Teil wurden von Historikern jene geschichtlichen Faktoren behandelt, von denen angenommen werden kann, daß sie bis auf den heutigen Tag ihre Wirkung entfalten. So sind insbesondere die Ursachen und Folgen der beiden Weltkriege erörtert worden. Ein zweiter Teil hat sich mit der wirtschaftlichen und politischen Lage in den um Aufnahme in die EU ansuchenden Ländern befaßt. Anders als die in jüngerer Vergangenheit erfolgten Neuaufnahmen bringen die ost- und südosteuropäischen Länder im Falle ihres Beitritts der EU einen großen Bevölkerungszuwachs, aber nur einen niedrigen Einkommenszuwachs. Dies in einer Zeit, wo die Bereitschaft einiger der Hauptzahler der EU gewisse Ermüdungserscheinungen zeigt. Im dritten Teil sind innovative Entwicklungen in der Wirtschaftswissenschaft vorgestellt worden. Behandelt wurden u.a. die Ursachen von Bevölkerungswanderungen. Es wurde gezeigt, daß es keinen Grund zur Annahme gibt, daß ein bloßer Pro-Kopf-Einkommensunterschied zwischen Regionen dazu führt, daß der ärmeren Region allmählich die Bevölkerung abhanden kommt. Schließlich ist auch der Versuch gemacht worden, die Konsequenzen aus den gewonnenen Einsichten für die Lehre an den Universitäten zu ziehen.

Academia: Waren auch Ehrengäste anwesend?

Prof. Kurz: Ja. Zu nennen ist inbesondere Prof. Padoa-Schioppa, Mitglied des Executive Board der Europan Central Bank, jener Zentralbank also, die demnächst geld- und währungspolitisch unser Geschick bestimmen wird. Prof. Padoa-Schioppa hat einen vielbeachteten Vortrag gehalten und sich anschließend Fragen gestellt. Erwähnenswert ist, daß er auf die Frage, ob die Maastricht-Kriterien nicht mitverantwortlich für die gegenwärtige Stagnation und hohe Arbeitslosigkeit seien, geantwortet hat, er könne dies nicht ausschließen. Er hat darüber hinaus eine beschäftigungspolitische Verantwortung der Europäischen Zentralbank eingeräumt. Erfreuliche Töne im Vergleich zu den Verlautbarungen aus der Deutschen Bundesbank!

Academia: Sind weitere Sommerschulen dieser Art geplant?

Prof. Kurz: Nach dem Urteil der Studierenden war die Sommerschule äußerst erfolgreich. Tatsächlich ist einhellig die Bitte an die Organisatoren herangetragen worden, auch im kommenden Jahr eine derartige Schule abzuhalten. Das von der EU mitfinanzierte Projekt war jedoch von Beginn an nur auf zwei Jahre hin angelegt, so daß kurzfristig andere Möglichkeiten der Finanzierung geprüft werden müssen. Selbstverständlich wäre die Sache ohne die Unterstützung und vorzügliche Betreuung seitens der Europäischen Akademie und des Brixener Priesterseminars nicht so gut gelungen.


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