Deutsch als Fremdsprache Prüfungen,
Diplome und Zertifikate
von Andrea Abel
Im Herbst hat die Europäische Akademie Bozen eine Zulassungsprüfung zum mehrsprachigen Studium an der Wirtschaftsfakultät der Freien Universität Bozen ausgearbeitet und durchgeführt. Bei ihrer Arbeit sind die Projektbeteiligten auf zahlreiche weitere interessante Sprachprüfungen und Sprachzertifikate gestoßen. Im folgenden Beitrag soll auf einige Prüfungen, die vor allem den deutschen Sprachraum betreffen, näher eingegangen werden.
Zunächst läßt sich eine grundlegende Unterscheidung treffen zwischen solchen Prüfungen, die zum Nachweis der Sprachkenntnisse für berufliche Zwecke dienen, und solchen, die ausschließlich dazu konzipiert sind, ausländischen Studienbewerbern den Besuch einer Hochschule zu ermöglichen. Über die Sinnhaftigkeit einer derartigen Unterscheidung läßt sich streiten. Doch mehren sich in neuerer Zeit die Initiativen zur Schaffung einheitlicher Richtlinien. So sollen z.B. die Niveaustufen der verschiedensten Prüfungen auf einem Raster vergleichend dargestellt werden (siehe nächste Academia).
Vorab kurz einige generelle Hinweise zu Bedeutung, Zweck und Aufbau der existenten Sprachprüfungen: Die Prüfungen dienen großteils dem Nachweis allgemeinsprachlicher Fertigkeiten, es sei denn, sie sind ausdrücklich für bestimmte berufliche Zwecke ausgewiesen. Mit dem Begriff "Fertigkeiten" ist bereits ein weiteres wichtiges Merkmal angesprochen: Der Trend bei den Sprachprüfungen geht dahin, daß nicht so sehr das Abfragen reinen Sprachwissens in Form von Grammatiktests im Vordergrund steht, sondern der Nachweis des Sprachkönnens. Das bedeutet, daß vermehrt Wert auf die kommunikativen Fertigkeiten gelegt wird, und weniger darauf, ob ein Kandidat grammatische Phänomene in isolierter Form darstellen kann. Das heißt mit anderen Worten: Im Mittelpunkt steht die Frage, ob ein Kandidat bestimmte Alltagssituationen sprachlich bewältigen kann.
Die Prüfungen sind im allgemeinen so aufgebaut, daß die vier kommunikativen Grundfertigkeiten - Hören, Lesen, Sprechen, Schreiben - getestet werden sollen, wobei zu bemerken ist, daß zur Zeit auf den schriftlichen Prüfungsteil meist mehr Wert gelegt wird als auf den mündlichen, der bisweilen ganz wegfallen kann. Außerdem gibt es nach wie vor viele Prüfungsformen, bei denen grammatische Strukturen in einem eigenen Testteil abgefragt werden. Doch nun zu einigen wichtigen Prüfungen und Diplomen im einzelnen: Die wohl bekanntesten Prüfungen, Zertifikate und Diplome für Deutsch als Fremdsprache bietet zweifellos das Goethe-Institut an. Das Angebot umfaßt folgende Prüfungen:
- das Zertifikat Deutsch als Fremdsprache (ZDaF), in dem die Prüfungsteilnehmer nachweisen, daß sie Grundkenntnisse in der deutschen Sprache besitzen und sich in Alltagssituationen sprachlich zurechtfinden, einfache Sachverhalte mündlich und schriftlich darstellen können und Texte zu Alltagsthemen verstehen (Voraussetzung: 400-600 Unterrrichtseinheiten);
- die Zentrale Mittelstufenprüfung (ZMP), die als Nachweis solider allgemeinsprachlicher Deutschkenntnisse anerkannt wird und in der die Prüfungsteilnehmer beweisen, sich auch zu anspruchsvolleren Texten - z.B. Zeitungstexten oder Passagen aus Sachbüchern - mündlich und schriftlich korrekt äußern zu können (Voraussetzung: 800-1000 Unterrichtseinheiten);
- die Zentrale Oberstufenprüfung (ZOP), die die qualifizierte Beherrschung der deutschen Sprache bescheinigt und in der die Prüfungsteilnehmer nachweisen, daß sie die überregionale Standardsprache differenziert beherrschen, sie demnach imstande sind, schwierige authentische Texte zu verstehen und sich mündlich und schriftlich gewandt auszudrücken (Voraussetzung: 1200 Unterrichtseinheiten);
- das Kleine Deutsche Sprachdiplom (KDS), das im Schwierigkeitsgrad auf der Stufe der ZOP steht und in dem die Prüfungsteilnehmer zusätzlich den Nachweis erbringen, einen Überblick über Gebiete der deutschen Kultur und Landeskunde zu besitzen;
- das Große Deutsche Sprachdiplom (GDS), dessen Niveau muttersprachlichen Anforderungen nahekommt und das als höchstqualifizierender Abschluß in Deutsch als Fremdsprache, der nicht im Rahmen eines Universitätsstudiums oder einer Dolmetscher-/Übersetzer-Ausbildung erworben ist, gilt;
- das Zertifikat Deutsch für den Beruf (ZDfB), das Deutschkenntnisse auf dem Niveau des ZDaF voraussetzt und in dem die Prüfungsteilnehmer nachweisen, sich auch in Situationen des beruflichen Alltags in einer Firma angemessen ausdrücken zu können (Voraussetzung: ZDaF + 100-120 Unterrichtseinheiten);
- die Prüfung Wirtschaftsdeutsch (PWD), die Deutschkenntnisse auf dem Niveau der ZMP mit zusätzlichen fachsprachlichen sowie beruflichen bwz. fachlichen Kenntnissen im Bereich Wirtschaft voraussetzt.
Einige dieser Prüfungen befreien Studienbewerber in Deutschland von einer Aufnahmeprüfung zur Feststellung der sprachlichen Fertigkeiten, so die ZOP, das KDS, das GDS sowie - an einer Reihe von deutschen Hochschulen - die ZMP. In Deutschland gibt es außerdem das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz, das auf zwei Stufen an Schulen im Ausland erworben werden kann. An dieser Stelle ist v.a. die Stufe 2 (Voraussetzung: ca.1600 Stunden Schulunterrricht) interessant, die in Deutschland als Nachweis ausreichender Deutschkenntnisse für den Hochschulzugang gilt.
Ein anderes, weniger bekanntes, Zertifikatssystem für Deutsch als Fremdsprache ist das Österreichische Sprachdiplom Deutsch (ÖSD). Es handelt sich dabei um ein dreistufiges Zertifikatssystem mit - derzeit - vier Prüfungen. Im einzelnen sind das:
- die Grundstufe 1, auf deren Niveau die Prüfungsteilnehmer fähig sein sollen, sich in Alltagssituationen auf elementarer Basis zu verständigen, und deren Schwerpunkt auf den rezeptiven Fertigkeitsbereichen liegt (Voraussetzung: 300 Unterrichtseinheiten);
- die Grundstufe 2, auf der die Prüfungsteilnehmer nachweisen, daß sie Alltagssituationen sowohl auf rezeptiver wie auch auf produktiver Ebene bewältigen können (Voraussetzung: 500 Unterrichtseinheiten);
- die Mittelstufe, auf deren Niveau die sprachliche Kompetenz über die Alltagskommunikation hinaus bis zur Sachkommunikation reicht (Voraussetzung: 800 Unterrichtseinheiten);
- das Diplom Wirtschaftssprache Deutsch, auch dieses auf Oberstufenniveau, das neben dem Nachweis über die hohe allgemeinsprachliche Kompetenz auch die Einsetzbarkeit der Absolventen in Wirtschaftsberufen sichert.
Die sprachliche Grundlage des ÖSD ist eine plurizentrische Sprachauffassung des Deutschen, die die Standardvarianten der deutschsprachigen Länder Österreich, Schweiz und Deutschland als gleichwertig ansieht. Für Studienbewerber an österreichischen Universitäten bzw. Hochschulen ist der Nachweis der Sprachbeherrschung auf dem Niveau der Mittelstufe erforderlich. Auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung sind die Sprachenzertifikate der Volkshochschulen zu nennen, d.h. die Zertifikate der International Certificate Conference (ICC), eines internationalen Zusammenschlusses von Organisationen der Erwachsenenbildung in Europa.
In Deutschland gibt es außerdem eine eigene Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH), wobei es sich allerdings nicht um "eine" Prüfung handelt, denn es existiert lediglich eine allgemeine Rahmenordnung, die Prüfungsordnungen hingegen variieren stark von Universität zu Universität. Im Durchschnitt überwiegt bei diesem Test der schriftliche Prüfungsteil; auf den mündlichen wird bisweilen sogar verzichtet. Außerdem wird großes Gewicht auf den Grammatikteil der Prüfung gelegt, der überdies eine gute Kenntnis der linguistischen Terminologie erfordert. Da sich die DSH in dieser Form als unzureichend und unbefriedigend erweist, wird derzeit an einer neuen Prüfung für den Hochschulzugang gearbeitet, dem Test "Deutsch als Fremdsprache für ausländische Studienbewerber" bwz. dem sogenannten "TESTDAF", der vom Goethe-Institut in München im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) entwickelt wird.
In der umfangreichen Vorstudie dazu wurden zentrale Sprachtests in verschiedenen Ländern untersucht, wie z.B. der Test of English as a Foreign Language (TOEFL) und das International English Language Testing System (IELTS). Von den untersuchten Prüfungen wurden lediglich TOEFL und IELTS eigens als Prüfung für den Hochschulzugang konzipiert, die anderen wurden und werden nicht ausschließlich als Zulassungsprüfungen für ausländische Studienbewerber verwendet. Zwischen den sieben Prüfungssystemen bestehen sehr große Unterschiede. Wichtig sind bei allen Prüfungen Fragen der Meßgenauigkeit und Zuverlässigkeit. Weiter ist die hohe Zahl der Prüfungsteilnehmer zu berücksichtigen. So zählt beispielsweise die weltweit größte Fremdsprachenprüfung TOEFL jährlich fast 900.000 Teilnehmer. Diese Tatsache erfordert u.a. Testmaterialien, die maschinenlesbar sind. Diese Voraussetzung wirkt sich wiederum auf die Aufgabenformen aus. So sind beispielsweise Multiple-Choice-Aufgaben für den rezeptiven Prüfungsteil sehr verbreitet, welche allerdings in bezug auf die kommunikativen Fertigkeiten nicht besonders aussagekräftig sind.
Bei TESTDAF sollen sich die Aufgabentypen abwechseln, um den verschiedenen Lernertypen gerecht zu werden, wobei man sich an IELTS orientiert. Die Prüfungsinhalte sollen auf die Situation von zukünftigen Studenten zugeschnitten und die Aufgaben so authentisch wie möglich sein und eine reale Sprachverwendung widerspiegeln. Neben klaren Bewertungskriterien - diese sind v.a. bei Verwendung subjektiv bewerteter Aufgaben unerläßlich (bei Aufgabentypen mit objektiven Verfahren der Bewertung durch Scanner oder ähnliches ist die Bewertung einfacher) - sind für eine Sprachprüfung auch die Vergleichbarkeit der Niveaustufen mit anderen Sprachprüfungen wichtig. Eine wichtige Grundlage sind diesbezüglich die Niveaustufenbeschreibungen des Europarates. Doch darauf und auf weitere Initiativen und Programme, die über den deutschen Sprachraum hinausgehen, soll in einem eigenen Beitrag näher eingegangen werden.
Der Beitrag sollte mit seinem Überblick über die breite Palette bestehender Prüfungen und Zertifikationen für Deutsch als Fremdsprache bzw. dahinterstehender Organisationen und Verbände einerseits eine kurze Bestandsaufnahme darstellen und andererseits in Zusammenhang mit den Erfordernissen der Freien Universität Bozen gesehen werden, die sich aufgrund ihrer speziellen Bedürfnisse mit existierenden Prüfungsmodellen, internationalen Standards und Richtlinien auseinandersetzen mußte und muß. Die Vielzahl an Prüfungen macht außerdem deutlich, daß eine Vereinheitlichung der Prüfungen bzw. eine einheitliche Niveaustufenbeschreibung unbedingt notwendig ist.
Dr. Andrea Abel, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich "Sprache und Recht" an der Europäischen Akademie Bozen
Nützliche Internetadressen:
Association of Language Testers in Europe
Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang
Deutscher Akademischer Austauschdienst
Deutscher Volkshochschul-Verband
Fachverband Deutsch als Fremdsprache
Goethe-Institut
International Certificate Conference
Österreichisches Sprachdiplom Deutsch
Esami di conoscenza del tedesco come lingua straniera
Continuiamo, in questo numero, con l'analisi di modelli valutativi utilizzati in altre realtà universitarie e non, con l'intento di verificare quali modelli potrebbero essere applicati ed eventualmente adattati alla realtà universitaria bolzanina. In questo contributo si presenta una panoramica degli esami aventi come oggetto il tedesco come lingua straniera. Nel contributo vengono analizzate tipologie di valutazione: quella che permette agli studenti l'accesso alle facoltà universitarie e quella che certifica la conoscenza linguistica a livello più generale o per motivi professionali.