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Fremdsprachenkenntnisse: messen und vergleichen Academia Nr: 18 (März - Juni / marzo - giugno 1999)von Andrea Abel Wege aus der babylonischen Verwirrung Der Fremdsprachenlerner sieht sich heute mit einer Unmenge an Prüfungen und Zertifikationen konfrontiert, welche die Fremdsprachenkenntnisse auf den verschiedensten Niveaustufen nachweisen (vgl. Beitrag Academia 17/6). Sie ermöglichen entweder ausländischen Studienbewerbern den Hochschulzugang oder werden als Qualifikationen in der Berufswelt anerkannt, manchmal auch beides. In der Diskussion um das Lehren und Lernen sowie den Nachweis von Fremdsprachenkenntnissen geht es immer wieder um die Vergleichbarkeit der Niveaustufen und um die Vereinheitlichung bestehender Zertifikatssysteme.
Messen ja, aber mit welchem Maß? Eine wichtige Grundlage für das Lehren und Prüfen von Fremdsprachen sind die Niveaustufenbeschreibungen, die im Auftrag des Europarates entwickelt worden sind. Der Europarat wurde 1949 mit dem Ziel gegründet, seine Mitglieder auf den Gebieten der Wirtschaft, der Kultur, des Bildungswesens, der Wissenschaft u.a. zu größerer Einheit zu führen. 1962 wurde vom Ministerkomitee des Europarats der Rat für kulturelle Zusammenarbeit ins Leben gerufen, um Vorschläge für die Kulturpolitik des Europarats zu erarbeiten. In seinem Auftrag entstanden unter anderem verschiedene Untersuchungen zum modernen Fremdsprachenlernen. Darunter fallen auch die Arbeiten zur Definition von vergleichbaren und gleichwertigen Lernzieleinheiten bzw. von Niveaustufen. Ziel dabei ist es, mit Hilfe von Kategorien, die nicht von Einzelsprachen abhängen (wie z.B. Sprechakte), zu beschreiben, was ein Fremdsprachenlerner am Ende eines Lernprozesses können soll und wie er es können soll. Bisher gibt es detaillierte Beschreibungen von zwei niederen Niveaustufen, dem sogenannten „Waystage Level", das elementarste Fremdsprachenkenntnisse, und dem „Treshold Level", das Grundkenntnisse bescheinigt. Mit der Beschreibung einer dritten Niveaustufe, dem sogenannten „Vantage Level", die sich zur Zeit in der Probephase befindet, wurde die Association of Language Testers in Europe (ALTE) beauftragt. Die Beschreibungen höherer Niveaustufen müssen erst ausgearbeitet werden.
Die ALTE-Niveaustufen Die eben genannte Association of Language Testers in Europe (ALTE) ist eine Vereinigung, zu deren Mitgliedern 18 europäische Prüfungsanbieter zählen, darunter z.B. das University of Cambridge Local Examinations Syndicate (UCLES), das Goethe-Institut und die Università per Stranieri (Perugia). Erklärte Ziele der Vereinigung sind u.a. die Vereinheitlichung von Niveaustufen zur Förderung der internationalen gegenseitigen Anerkennung von Fremdsprachenzertifikaten in Europa, woran ALTE in einem Langzeitprojekt arbeitet („The ALTE Framework"), die Vereinheitlichung von Qualitätskriterien bei der Prüfungserstellung und –abwicklung sowie der Austausch von Know-how und Fachwissen. ALTE hat eine Niveaustufenbeschreibung ausgearbeitet, die aus fünf Levels besteht. Zu jedem Level gibt es eine detaillierte Beschreibung sowohl der produktiven als auch der rezeptiven, mündlichen und schriftlichen Fertigkeiten. Die beiden untersten Niveaustufen fallen mit den vom Europarat herausgegebenen Niveaustufenbeschreibungen „Waystage Level" und „Treshold Level" zusammen. Weiter entspricht die dritte Stufe („Independent User") dem „Vantage Level". Die vierte und fünfte Stufe beschreiben die Kenntnisse, die ein „Competent User" und ein „Good User" besitzen muß. Die Tabelle zeigt einige Prüfungen, die von ALTE-Mitgliedern entwickelt wurden und betreut werden, und deren Einordnung in eines der fünf Levels:
Die Eurogrille Linguistique: Sprachprüfungen im europäischen Überblick Eine interessante Quelle für den Vergleich von Sprachprüfungen bildet außerdem die im Rahmen des EU-Projekts Leonardo ausgearbeitete „Eurogrille Linguistique", die ebenfalls eine Übersicht über die Sprachniveaus und Sprachzertifikate auf europäischer Ebene bietet. Dieses sprachwissenschaftliche „Euroraster" ermöglicht eine Gegenüberstellung aller Prüfungen, welche von folgenden Institutionen angeboten werden: Camara Oficial de Comercio de España en Francia, Camera di Commercio Italiana per la Francia, Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer, Franco-British Chamber of Commerce and Industry, Goethe-Institut, International Conference Certificate, University of Cambridge Local Examinations Syndicate (UCLES). Auf dem Raster werden die Kenntnisse – getrennt nach den vier kommunikativen Grundfertigkeiten Hören, Sprechen, Lesen, Schreiben –, die für die verschiedenen Zertifikate erforderlich sind, dargestellt. Die Niveaustufen werden einerseits mit einem Punktesystem nach den Normen des European Language Council (dieses reicht von 0- 9), andererseits mit einem Punktesystem nach den internationalen Niveaustufen (dieses reicht von 0-5) beschrieben. Zu bemängeln ist an der Darstellung, daß nicht erklärt wird, welche Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten mit einer bestimmten Punktezahl erfaßt sind. Außerdem wird weder erklärt, was unter „internationalen Niveaustufen" zu verstehen ist bzw. wo und von wem diese ausgearbeitet wurden, noch worum es sich bei den Normen des European Language Council handelt. Daher ist die Darstellung nur mit Einschränkungen brauchbar. Ein Sprachenpaß gibt Auskunft über die Sprach(en)-kenntnisse Als eine weitere maßgebliche Initiative des Europarates ist neben der oben genannten Niveaustufenbeschreibung die Ausarbeitung des „Common European Framework of Reference for Language Learning and Teaching" zu nennen, in dem allgemeine Kriterien zum Fremdsprachenerwerb bzw. zur Fremdsprachendidaktik für alle europäischen Staaten und Sprachen festgelegt sind. Angelehnt an den Framework ist das sogennante „European Language Portfolio", das bis zum Jahr 2001, dem „Jahr der Sprachen", in ganz Europa eingeführt werden soll. Das Sprachenportfolio gibt Auskunft über die Kenntnisse einer Person in verschiedenen Sprachen auf der Grundlage von international vergleichbaren Niveaustufenbeschreibungen. Es besteht aus mehreren Teilen: einem Sprachenpaß, der zeigt, für welche Niveaus man Diplome erworben hat u.ä., einem Teil, der alle Diplome und Bestätigungen enthält, die man im Laufe der Zeit gesammelt hat, sowie einem Teil mit einer Sprachlernbiographie und einem Dossier, das alle persönlichen Arbeiten enthält, die dokumentieren, welche Leistungen man in verschiedenen Sprachen erbracht hat. Betrachtet man die Niveaustufenbeschreibungen, die dem Sprachenportfolio beigefügt sind, so kann man drei Hauptstufen, die jeweils in zwei Unterguppen unterteilt werden, unterscheiden. Im einzelnen sind das: • Proficient User (Mastery und Effectiveness) • Independent User (Vantage und Treshold) • Basic User (Waystage und Breakthrough). Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Projekt DIALANG, das von der Europäischen Kommission im Rahmen des SOCRATES-ERASMUS-LINGUA Action D Programms finanziert wird und dessen Ziel die Entwicklung eines Selbsteinstufungstests in 15 europäischen Sprachen ist, wobei es sich an den Arbeiten des sogenannten „Common European Framework" orientiert.
Vereinheitlichung von Zertifikatssystemen Hier ist UNICERT, ein Fremdsprachenzertifikatssystem im Hochschulbereich, zu erwähnen, das 1992 in Kraft getreten ist. Bei UNICERT, deren Trägerorganisation der Arbeitskreis der Sprachenzentren, Sprachlehrinstitute und Fremdspracheninstitute (AKS) ist, handelt es sich um ein hochschulübergreifendes Fremdsprachenzertifikat, das es z.B. für Deutsch als Fremdpsrache, Englisch, Französisch, Italienische, Russisch, Spanisch oder Türkisch gibt. Hauptanliegen des Zertifikatssystems ist die Vereinheitlichung der Praxis der Zertifizierung von Fremdsprachenkenntnissen im Hochschulbereich. Ein weiteres Anliegen ist die Förderung der Gleichwertigkeit der Sprachausbildung an Hochschulen. UNICERT soll darüberhinaus zu einem auch außerhalb der Hochschulen akzeptierten Nachweis von Fremdsprachenkenntnissen führen. Die Ziele der Fremdsprachenausbildung nach dem UNICERT-System sind: • die Befähigung zur Bewältigung hochschulbezogener sprachlicher Situationen, • die Vorbereitung auf die sprachlichen Anforderungen entsprechender akademischer Berufe, • die Einführung in die Fachsprache bestimmter Wissenschaftsbereiche. Das UNICERT- System bestätigt Fremdsprachenkenntnisse auf vier Stufen (8- 12 Semesterwochenstunden pro Stufe). Ab der dritten Stufe ist es möglich, ein – entweder allgemeinsprachlich oder fachsprachlich orientiertes – Zertifikat zu erlangen. Die erste Stufe ist eine Grundstufe, für die keinerlei Vorkenntnisse nötig sind. Auf der zweiten Stufe sollen die sprachlichen Grundkenntnisse ausgebaut sowie erste Kenntnisse mit Ausrichtung auf bestimmte Wissenschaftsbereiche vermittelt werden. Absolventen ab der dritten Stufe sollet den sprachlichen Anforderungen eines Studienaufenthalts im Land der Zielsprache gewachsen sein. Die vierte Stufe führt zu weit fortgeschrittenen Fremdsprachenkenntnissen. Bislang finden sich die UNICERT- Zertifikate noch in keiner der erwähnten Niveaustufenbeschreibungen. Was die Vereinheitlichung von Zertifikatssystemen betrifft, so scheint sich auf Hochschulebene langfristig das UNICERT- Zertifikatssystem durchzusetzen. In bezug auf die Niveaustufenbeschreibungen sind im internationalen Rahmen die Richtlinien des Europarates maßgebend, wobei die erste ausgearbeitete und festgelegte Stufe, der „Treshold Level" die Ausgangsbasis bildet. Bisher gibt es, wie leicht zu erkennen ist, noch keine einzige, verbindliche Niveaustufenbeschreibung, doch ist zu hoffen, daß sich mit der Zeit eine solche durchsetzen wird, um die Vergleichbarkeit von Prüfungen, Diplomen und Zertifikaten zu gewährleisten. Ausführlichere Informationen zu diesem Thema können über die anschließend angeführten Internetadressen eingeholt werden.
Mag. Andrea Abel, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich „Sprache und Recht" an der Europäischen Akademie Bozen Andrea.Abel@eurac.edu
Association of Language Testers in Europe (ALTE) http://www.alte.org/ Common European Framework http://culture.coe.fr/lang/eng/eedu2.4.html Eurogrille Linguistique http://www.eurogrille-langue.com/ Europarat http://www.coe.fr/index.asp European Language Portfolio http://www.unifr.ch/ids/Portfolio/ Rat für kulturelle Zusammenarbeit http://culture.coe.fr/indexeng.htm UNICERT http://www.uni-hohenheim.de/~spraz/unicert/index.html
Certificare le conoscienze linguistiche
Nel presente contributo vengono illustrati alcuni sistemi di certificazione, come UNICERT, sistema di certificazione a livello universitario elaborato in Germania per tutte le lingue, sia per la lingua comune che per i linguaggi settoriali. Inoltre si presentano diverse griglie che individuano i livelli di competenza e le difficoltà linguistiche per lingue e livelli diversi. Si accenna poi a Portfolio, un documento elaborato in base a dei criteri paragonabili nelle diverse lingue che permettono un confronto degli esami e dei corsi a livello internazionale. Esso dovrebbe rappresentare un documento personale che racchiude in sè tutte le certificazioni raggiunte, i corsi frequentati gli esami sostenuti.
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