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Academia 18 
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Berglandwirtschaft im Wandel Hydrologische Konsequenzen und Gefahrenpotentiale
Academia Nr: 18 (März - Juni / marzo - giugno 1999)

Günter Salchner, Erich Tasser
in Memoriam Dr. Luis Halle

Die Europäische Akademie Bozen beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren intensiv mit den ökologischen Funktionen der Berglandwirtschaft. In enger Zusammenarbeit mit der Abt. Forstwirtschaft, dem Hydrographischen Amt, dem Amt für Forstplanung der autonomen Provinz Bozen, dem Versuchszentrum Laimburg, der Forstlichen Bundesversuchsanstalt (Innsbruck) und der Universität Innsbruck wird am Beispiel der „Waltner Mähder" im hinteren Passeiertal untersucht, wie sich Bewirtschaftungsänderungen auf die Stabilität dieser sensiblen Agrarökosysteme auswirken (INTERREG II Projekt). Von besonderem Interesse sind dabei angewandte Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Wasserkreislauf zwischen Landschaft und Atmosphäre und den sich daraus ableitenden Gefahrenpotentialen. Nach vier Jahren intensiver Messungen sind wir nun in der Lage, Aussagen über die hydrologischen Gesamtzusammenhänge dieser im Wandel begriffenen Landschaften zu machen.

Quo vadis agricola europeæ?
Mit der Reform der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) im Jahre 1992 wurde ein M o d e r n i s i e –rungsprozeß eingeleitet, der die europäische Landwirtschaft aus der Krise führen sollte. Mit der Umsetzung der Agenda 2000 findet diese Neuausrichtung der GAP mit ihrer obersten Maxime: Reduktion der Erzeugerpreise und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ihre Fortsetzung. Die Berglandwirtschaft mit ihren naturräumlich bedingten Wettbewerbsnachteilen könnte als großer Verlierer einer einseitigen, rein sektororientierten Reform der Agrarpolitik hervorgehen. Das große Ausmaß von Extensivierungen und Flächenstillegungen in allen Gebirgsregionen Europas führt uns bereits heute die negativen Auswirkungen einer solchen Entwicklung vor Augen. So ist durch die Aufgabe der Bewirtschaftung die über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft in vielen Teilen Europas akut gefährdet. Mit ihrem Verlust ist häufig ein Rückgang der biologischen Vielfalt und ein erhöhtes Erosionsrisiko verbunden. Ein Zusammenbruch der Berglandwirtschaft hat auch eine Entvölkerung ländlicher Gebiete und einen Verlust des kulturellen Erbes zur Folge. Um den anhaltenden Trend einer Konzentration der Landwirtschaft auf die Gunstlagen des Flachlandes aufzuhalten, aufzuhalten, beinhaltet die neue GAP auch Entwicklungsstrategien für benachteiligte Gebiete. In den Bergregionen spielen dabei besonders Instrumente zur Förderung von extensiven Produktionsmethoden, zur Schaffung eines stärkeren Bewußtseins für den gesamten Bereich des Umweltschutzes sowie zur Eindämmung der Landflucht eine zentrale Rolle. In diesem Zusammenhang ist einmal mehr die Wissenschaft gefordert, dieFunktionen der Berglandwirtschaft aufzuzeigen und Empfehlungen zu erarbeiten, die für den Schutz der ländlichen Umwelt und den Erhalt der Landwirtschaft in allen Berggebieten Europas maßgeblich sind.

Forschungsschwerpunkt Berglandwirtschaft – Vorzeige-projekte für Europa
Im Bereich der Berglandwirtschaft im Alpenraum zählt die Europäische Akademie bereits seit einigen Jahren zu den federführenden Forschungseinrichtungen. So laufen derzeit neben dem INTERREG-II Projekt zwei weitere EU-Forschungsprojekte zur Berglandwirtschaft im Bereich „Alpine Umwelt": SUSTALP (vgl. Academia 12/97, 15/98) analysiert die Auswirkungen von EU-Verordnungen und Richtlinien auf die Berglandwirtschaft im gesamten Alpenbogen, während ECOMONT untersucht, wie sich Bewirtschaftungsänderungen in verschiedenen Berggebieten Europas auf das sensible ökologische Gleichgewicht dieser alten und reizvollen Kulturlandschaften auswirken. Diese im 4. Rahmenprogramm für Forschung, Entwicklung und Demonstration angesiedelten Projekte wurden von der Europäischen Kommission als richtungsweisende Beispiele für das Folgeprogramm ausgewählt. Die Europäische Akademie präsentierte die beiden Vorzeigeprojekte ECOMONT und SUSTALP zusammenmit der Universität Innsbruck im Rahmen der Informationsveranstaltung für das 5. Rahmenprogramm am 24. und 25. Februar dieses Jahres in Essen. (vgl. Beitrag S. 23)

Veränderungen im Wasserkreislauf Alpiner Agrarökosysteme
Im INTERREG II Projektstehen in erster Linie angewandte Fragestellungen, die sich aus diesem massiven Rückgang der Bewirtschaftung ergeben, im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses. Ein besonderes Augenmerk kommt dabei dem Wasserkreislauf zwischen Landschaft und Atmosphäre zu.
Die Art der Vegetation sowie der Zustand des Bodens - Größen die wesentlich von der Bewirtschaftung mitbestimmt werden - haben einen entscheidenden Einfluß darauf, wieviel Niederschlagswasser im Ökosystem durch Speicherung im Boden verbleibt und wieviel über Verdunstung und Abfluß wieder abgegeben wird. Aus einem geschlossenen Wald fließt rund sechsmal mehr Wasser über Verdunstungsprozesse an die Atmosphäre zurück, als bei offenen Flächen wie Mähwiesen, Weiden oder auch Zwergstrauchheiden. Die in der Regel sehr humus- und porenreichen Böden von Wäldern und extensivbewirtschafteten Bergmähdern besitzen ein größeres Infiltrations- und Speichervermögen als die durch Viehtritt verdichteten Böden intensiv beweideter Flächen.
All diese Wasserströme laufen großteils unbemerkt vom menschlichen Auge ab. Erst wenn es durch katastrophenartige Starkniederschlägezu Hochwasserereignissen und Murenabgängen kommt, wird deutlich, wie sehr die Stabilität dieser alpinen Agrarökosysteme und in weiter Folge auch die Sicherheit der Siedlungen in den Tälern von hydrologischen Prozessen abhängig sind.

Konkrete Untersuchungen in Südtirol
Für den Raum Südtirol wurden bereits 1995 die „Waltner Mähdern" im hinteren Passeiertal (Academia 12/97) als Intensivmeßgebiet ausgewählt. Vor ca. 60 Jahren wurde das gesamte Gebiet für die Bergmahd genutzt. Heute hingegen werden praktisch nur mehr die mit den landwirtschaftlichen Maschinen leicht erreichbaren Teile gemäht. Etwaein Fünftel der Fläche wird beweidet, mehr als die Hälfte aber sind brachgefallen.
Unsere, gemeinsam mit den regionalen und internationalen Partnern durchgeführten Untersuchungen in diesem Gebiet, haben ganz deutlich gezeigt, daß die Bewirtschaftung Bewirtschaftung einen entscheidenden Einfluß auf den Wasserhaushalt der Almen undBergmähder hat. Durch das Auflassen von Mähdern und Weiden wird eine Entwicklung zurück zur ursprünglichen Vegetation eingeleitet. Am Ende dieser Entwicklungsreihe stehen wieder geschlossene Bergwälder beziehungsweise alpine Grasheiden oberhalb der Waldgrenze. Die beiden Eckpunkte dieser Sukzessionsreihe, die bewirtschafteten Flächen zu Beginn, und der Wald am Ende können als relativ stabil eingestuft werden. Im ersten Fall sind es die Pflegemaßnahmen der Bauern, die diese Stabilität bewirken, im zweiten Fall die höhere natürliche Stabilität eines Waldes. Gerade aber die Übergangsstadien dieser Sukzessionsreihe können mit einer erheblichen Destabilisierung verbunden sein. Die zunehmende Verstrauchung der ehemals offenen Grasflächen führt zu einer Abnahme der Vegetationsbedeckung und fördert die Bildung einer wasserabweisenden Streuschicht an der Bodenoberfläche. Diese Faktoren können den Oberflächenabfluß bei Starkniederschlägen begünstigen und somit die Gefahr von Wildbachereignissen erhöhen. Im Zuge der Verbrachung kommt es zu einer zunehmenden Bodenversauerung, was zu einem vermehrten Zerfall von stabilen, ein bis zwei Millimeter großen Bodenaggregaten führt. Der Zerfall dieser Aggregate beeinträchtigt die Stabilität des Porenraumes und in weiterer Folge die Wasserleitfähigkeit des Bodens. Die anfallenden Partikel werden vom Sickerwasser in tiefere Bodenschichten verfrachtet, wo sie eine wasserundurchlässige Schicht aufbauen können. An einer solchen, auch als Gleithorizont bezeichneten Schicht kann es zu Bodenrutschungen kommen.

Neue Möglichkeiten der Forschung
Das Wissen über die großflächigen hydrologischen Veränderungen, die mit Extensivierungen und Flächenstillegungen in der Berglandwirtschaft verbunden sind, ist heute noch gering. Das INTERREG II Projekt soll gerade in diesem Zusammenhang eine Reihe noch offener Fragen beantworten. Vier Jahre intensive Messungen aller Einzelglieder der Wasserbilanz (Niederschlag, Verdunstung, Bodenwassergehalt und Abfluß) auf unterschiedlich bewirtschteten Flächen helfen uns nun, die mit einer Nutzungsänderung einhergehenden Verschiebungen im Wasserkreislauf aufzuzeigen. So wird z.B. der Niederschlag, der entlang eines Höhentransektes auf den „Waltner Mähdern" gemessen wurde, dem Abflußgeschehen von vier verschiedenen Bächen, die aus dem Untersuchungsgebiet kommen, gegenübergestellt. Aus der zeitlichen Verschiebung und der Höhe der Abflußspitzen gegenüber dem Niederschlag kann man auf die Infiltrationsleistung und Speicherkapazität der verschiedenen Boden-Vegetationskomplexe, die im Untersuchungsgebiet vorkommen, schließen (Abb. 2). Da diese wiederum von der Art der Nutzung geprägt werden, kann hier der Zusammenhang zwischen Bewirtschaftung und Wasserhaushalt hergestellt werden. Durch das Zusammenführen aller hydrologischen Parameter und durch die Verbindung mit anderen Messungen (Klima, Geländeform, Boden- und Vegetationseigenschaften) können nun auch die Funktionsweisen dieser Ökosysteme mit Hilfe von mathematischen Modellen dargestellt werden. Diese Modelle ermöglichen eine Vorausschau landschaftlicher Veränderungen als Folge neuer agrarpolitischer Rahmenbedingungen als auch ein Abschätzen einzelner, eng an den Wasserhaushalt gekoppelter Risikofaktoren.af-Ein besseres Verstehen des Wasserhaushaltes von Gebirgsökosystemen ist aber nicht nur bei der Prävention von Naturkatastrophen von zentraler Bedeutung. Es ermöglicht auch, bei Fragen der Trinkwasserversorgung, der Wasserverschmutzung und der Klimaveränderung ein entscheidendes Stück weiterzukommen. Veränderungen des Wasserkreislaufes in den Berggebieten haben also nicht nur eine lokale und regionale Dimension, sondern beeinflussen auch das Leben in den Ballungszentren tieferer Lagen.

Mag. Günter Salchner, freier Mitarbeiter im Bereich „Alpine Umwelt" an der Europäischen Akademie Bozen

Mag. Erich Tasser, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich „Alpine Umwelt" an der Europäischen Akademie Bozen

Erich.Tasser@eurac.edu

Dank:
Die Finanzierung des Projektes erfolgt im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative INTERREG II: Italien – Österreich, Projekt Integralp.




Aspetti idrologici dell'agricoltura di montagna

L'Accademia Europea si occupa già da qualche anno dello studio delle conseguenze ecologiche nell'ambito dell'agricoltura di montagna. In stretta collaborazione con la ripartizione forestale, l'ufficio idrografico, l'ufficio pianificazione forestale della Provincia di Bolzano ed il centro sperimentale Laimburg, il centro forestale di Innsbruck e dell'Università di Innsbruck si stanno analizzando le influenze delle modifiche nell'uso del suolo sulla stabilità degli ecosistemi di montagna. L'area di studio scelta si trova nell'alta Val Passiria, nei pressi di Valtina. Particolare interesse è stato rivolto al ciclo dell'acqua, analizzando soprattutto le relazioni che intercorrono fra l'ambiente terrestre e l'atmosfera e i potenziali rischi che possono sorgere. Dopo quattro anni di rilevamenti siamo in grado di esprimere alcuni concetti riguardanti le connessioni idrologiche di questi ecosistemi soggetti ad un continuo cambiamento.


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