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Academia 19 
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Das Gemeinde-Netzwerk „Allianz in den Alpen"
Academia Nr: 19 (Juni - September / giugno - settembre 1999 1999)

von Karin Amor
Im März 1995 ist die Alpenkonvention als völkerrechtlich verbindender Vertrag zwischen den Alpenanrainerstaaten und der EU in Kraft getreten. Ziel dieser Konvention ist es, einheitliche Rahmenbedingungen für Umweltstandards im gesamten Alpenraum zu schaffen. 32 Alpengemeinden bemühen sich um eine Umsetzung der Alpenkonvention auf kommunaler Ebene und haben sich zu einem Verein zusammengeschlossen. Das Alpenforschungsinstitut, die CIPRA (Internationale Alpenschutzkomission) und die Europäische Akademie Bozen unterstützen diesen Verein.

Das Projekt Gemeinde-Netzwerk „Allianzin den Alpen"
Dem Alpenforschungsinstitut (AFI) in Garmisch-Partenkirchen (D) und der CIPRA- International (Internationale Alpenschutzkommission) in Schaan (FL) ist es stets ein Anliegen, die konkrete Umsetzung der Ziele und Vorgaben der Alpenkonvention sowie der Agenda 21 voranzutreiben. Die Alpenkonvention ist ein völkerrechtliches Abkommen zwischen den Alpenanrainerstaaten sowie der EU. Sie ist am 6. März 1995 in Kraft getreten und wurde inzwischen von Österreich, Liechtenstein, Deutschland, Slowenien, Frankreich und der Europäischen Union ratifiziert. In Protokollen zu verschiedenen Themenbereichen wurden von den Alpenstaaten und der EU einheitliche Rahmenbedingungen für Umweltstandards und die Förderung einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung im Alpenraum vereinbart.
Die Agenda 21 hingegen wurde bereits 1992 auf der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro verabschiedet. Im Kapitel 28 der Agenda 21 werden explizit die Kommunen angesprochen und aufgefordert, in lokalen Agenda 21- Prozessen eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Dabei wird großer Wert auf die Einbeziehung der Bevölkerung in die Entscheidungsfindung der politischen Gremien gelegt.
1996 entstand die Idee zu einem Projekt, in dem in Zusammenarbeit mit regionalen Organisationen ein Netzwerk von Alpengemeinden aufgebaut werden sollte. Ziel des Projektes war die Umsetzung der Alpenkonvention auf kommunaler Ebene sowie die Professionalisierung des Informations- und Erfahrungsaustausches zwischen den teilnehmenden Gemeinden. Wie in Kapitel 28 der Agenda 21 gefordert, wurde großer Wert auf eine frühzeitige Beteiligung interessierter Bürger gelegt. Eine geeignete Vorgehensweise stellte sicher, daß sich die beteiligten Gemeinden mit den Zielen der Alpenkonvention auseinandersetzen und konkrete Maßnahmen für ihre Umsetzung, also die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung im Alpenraum, erarbeiten.

Am Projekt Beteiligte
Insgesamt haben sich 27 Testgemeinden aus allen Alpenstaaten am Projekt beteiligt: Bad Reichenhall, Großweil, Mittenwald, Oberammergau, Oberstaufen und Schliersee in Deutschland; Ste. Marie du Mont in Frankreich; Budoia, Bobbio Pellice, Levico Terme, San Zeno di Montagna, Treviso Bresciano, Eppan und Naturns in Italien; Schaan in Liechtenstein; Brandberg, Großraming, Mäder und Saalbach-Hinterglemm in Österreich; Saas Fee, Salgesch, Silenen, St. Martin, Val Lumnezia und Zweisimmen in der Schweiz; Bovec und Kranjska Gora in Slowenien. Angestoßen, betreut und geleitet wurde das Projekt vom Alpenforschungsinstitut in Garmisch-Partenkirchen und von der CIPRA-International (Internationale Alpenschutzkommission) in Liechtenstein. In jedem Land gab es darüber hinaus direkte Betreuer für die Arbeit in den Gemeinden, in Bayern und Südtirol wurde diese Aufgabe ebenfalls vom Alpenforschungsinstitut übernommen. Finanziell unterstützt wurde das Projekt von der Generaldirektion XI (Umwelt) der EU-Kommission in Brüssel. Die restlichen Kosten wurden von den Gemeinden selbst sowie den CIPRA-Vertretungen getragen.
Ein Projektbeirat, bestehend aus Experten verschiedener Fachbereiche von Umweltmanagement über Landwirtschaft bis Naturschutz und Landschaftspflege, stand Projektbetreuern und Gemeinden beratend zur Seite. In den teilnehmenden Gemeinden selbst wurde jeweils ein Projektverantwortlicher bestimmt sowie ein bis zwei Arbeitskreise gebildet.

Ergebnisse und Ausblick
Die in den Testgemeinden erarbeiteten Maßnahmen reichen von kleinen, organisatorischen Maßnahmen, wie etwa die Benennung eines Verantwortlichen für Umweltbelange in der Verwaltung, über Konzepte und Studien, wie z.B. die Erarbeitung eines Kommunikationskonzeptes für die Öffentlichkeitsarbeit im Umweltbereich oder eines Konzeptes für die Direktvermarktung, über kleinere Strukturmaßnahmen, wie etwa die Umrüstung der gemeindlichen Einrichtungen auf wassersparende Armaturen, bis hin zu größeren Projekten, wie eine Verkehrsberuhigung und Neugestaltung des Ortszentrums, die Errichtung eines Themenwanderweges oder die Einrichtung eines Energiecontrollingsystemes. Die Arbeit in den Arbeitsgruppen wird fortgesetzt, um die Umsetzung der Maßnahmen voranzutreiben bzw. die Umweltprogramme laufend fortzuschreiben und zu überarbeiten.
Beispielhaft seien nachfolgend bereits umgesetzte Maßnahmen sowie Planungen von deutschen und schweizer Gemeinden genannt: In Oberammergau (Oberbayern, Deutschland) wurden erste bauliche Maßnahmen zur innerörtlichen Verkehrsberuhigung durchgeführt und eine Parkraumbewirtschaftung eingeführt. Weitere Verschönerungsmaßnahmen (Gestaltung von Plätzen, Fußgängerzone, Brunnen) zur Umgestaltung des Ortskern sind in Planung.
In Schliersee (Oberbayern, Deutschland) wurde gemeinsam mit einer Nachbargemeinde eine kommunale Verkehrsüberwachung eingeführt. Als erster Schritt für die geplante Ortsneugestaltung fand eine Begehung statt und wurde gemeinsam mit engagierten Bürgern eine Liste von Punkten für Verschönerungsmaßnahmen erstellt. Geplant ist außerdem eine bessere Verkehrsanbindung des Spitzing- Sees mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein Probebetrieb dazu wurde bereits durchgeführt.
In Silenen (Kanton Uri, Schweiz) wurde eine kommunale Energiebuchhaltung eingeführt sowie Energiesparwochen in den Schulen veranstaltet. In St. Martin (Kanton Uri, Schweiz) ist ein thematischer Wanderweg von Ossona bis zur neu eröffneten Berghütte „Becs de Bosson" geplant. Er wird 2000 Höhenmeter überwinden und soll einen Einblick in die frühere und heutige alpine Landwirtschaft geben.
Während der Projektlaufzeit wurden interne Informationsmaterialien mit den Adressen und Ansprechpartnern aller Netzwerkgemeinden und Informationen über Aktivitäten der Gemeinden im Umweltbereich erarbeitet. Eine Informationsbroschüre stellt die in der Anlaufphase beteiligten Gemeinden vor. Die Gemeindevertreter hatten an insgesamt drei großen Veranstaltungen Gelegenheit, sich kennenzulernen und erste Erfahrungen auszutauschen. Dies führte zu regen Kontakten und gegenseitigen Besuchen.

Der Verein Gemeinde-Netzwerk „Allianz in den Alpen"
Aufgrund der durchwegs positiven Erfahrungen im Projekt haben die Testgemeinden beschlossen, einen Verein zu gründen. Damit bekräftigen die Gemeinden den Willen, weiterhin einen engen Kontakt zu pflegen und zusammenzuarbeiten. Am 27.9.1997 gründeten die Gemeinden in Bovec (Slo) den Verein „Gemeinde- Netzwerk „Allianz in den Alpen" e.V., Réseau de communes „Alliance dans les Alpes", Rete di comuni „Alleanza nelle Alpi", Omrezje obcin „Povezanost v Alpah"". Ziel des Vereins ist die Unterstützung seiner Mitglieder bei der Umsetzung der Alpenkonvention und der Agenda 21 sowie die Förderung des Informations- und Erfahrungsaustausches untereinander.
Inzwischen zählt der Verein bereits 35 Mitgliedsgemeinden. Die Europäische Akademie Bozen ist als kooperatives Mitglied dem Verein beigetreten. Für seine Mitglieder gibt der Verein zweimal im Jahr einen Newsletter (INFO) heraus, der u.a. über Projekte in den Mitgliedsgemeinden und interessante Entwicklungen und Veranstaltungen im Alpenraum informiert. Die Mitgliederversammlung sowie Exkursionen in Mitgliedsgemeinden sind willkommener Anlaß für einen Erfahrungsaustausch in verschiedenen Themenbereichen.
Die Projektbetreuer stehen weiterhin in engem Kontakt mit den Testgemeinden und versuchen außerdem, die Errichtungsphase voranzutreiben, in der die in den Testgemeinden gemachten Erfahrungen auf weitere Alpengemeinden übertragen sowie der Informations- und Erfahrungsaustausch weiter verbessert werden sollen. In der Schweiz hat das BUWAL (Bundesamt für Wald und Landschaft) eine finanzielle Unterstützung für das Gemeinde-Netzwerk zugesagt. In Deutschland, Österreich und Italien wurde ein eigenes Projekt formuliert, das im Rahmen des Gemeinsamen Pilotaktionsprogrammes nach Art. 10 EFRE für den Alpenraum von der Europäischen Kommission gefördert wird. Auch in Slowenien und Frankreich bemüht man sich, neue Gemeinden für das Gemeinde-Netzwerk zu gewinnen.

Nähere Infos unter:http://www.alpenallianz.org/


Mag. Karin Amor, Betreuerin „Gemeinde-Netzwerk
– Allianz in den Alpen", wissenschaftliche Mitarbeiterin am Alpenforschungsinstitut Garmisch- Partenkirchen
Karin.Amor@eurac.edu



La rete di comuni alpini

L'Alpenforschungsinstitut (AFI) di Garmisch-Partenkirchen (G) e la CIPRA-International (Commissione internazionale per la protezione delle Alpi) con sede a Schaan (FL) sono costantemente impegnati nel promuovere l'attuazione concreta degli obiettivi e delle prescrizioni della Convenzione delle Alpi. In tale contesto è stata sviluppata l'idea di un progetto che preveda la costituzione, in collaborazione con enti e associazioni regionali, di una rete di comuni alpini. L'obiettivo del progetto era la realizzazione della Convenzione delle Alpi a livello comunale nonché la promozione dello scambio di esperienze e di informazioni tra i comuni partecipanti. Una opportuna procedura di lavoro nei comuni ha fatto sì che i comuni partecipanti si confrontassero con gli obiettivi della Convenzione delle Alpi ed elaborassero misure concrete per la promozione di uno sviluppo sostenibile nelle regioni alpine.
Basandosi sulle esperienze positive maturate nell'ambito del progetto, alla conclusione della fase pilota i comuni hanno deciso di fondare l'associazione Rete di comuni "Alleanza nelle Alpi", alla quale ha aderito anche l'Accademia Europea di Bolzano. Per ulteriori informazioni:
http://www.alpenallianz.org/


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