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Wo liegt Lettland? Zur Notwendigkeit der Sommer Akademie „Transnational Regionalism and Minority Protection in Europe. A Challenge for Eastern Enlargement?"
Academia Nr: 20 (September - Dezember / settembre - dicembre 1999)

von Stephanie Risse-Lobis
Das ist ihm noch nie passiert, weder in Swasiland, noch in Vietnam oder Israel. Bahtijors Hasans ist Staatssekretär im Außenministerium Lettlands, ein weitgereister Diplomat, hat in Neu-Delhi, Jerusalem und Tokio studiert und wurde nun am Flughafen in Verona eineinhalb Stunden von der italienischen Grenzpolizei aufgehalten. Der Grund: niemand dort kannte „Lettland" und auch Hasans Diplomaten-Paß wollten die Beamten zunächst nicht akzeptieren. Erst nach langen Diskussionen konnten er und seine beiden Kollegen, Zane Kesele und Olgerts Tipans, die Grenze passieren und ihre Weiterreise nach Brixen antreten, zur Sommer Akademie „Transnational Regionalism and Minority Protection in Europe: A Challenge for Eastern Enlargement?" des Bereichs „Minderheiten und Regionale Autonomien".

Allein dieser kleine Vorfall, der bei den drei lettischen Regierungsberatern eher ein belustigtes Schmunzeln als wirklichen Ärger hervorrief, zeigt wie wichtig und notwendig diese Sommer Akademie ist und wie wenig nicht nur die mittel-und osteuropäischen Länder, sondern offenbar auch die „alten" Mitglieder auf die Osterweiterung der Europäischen Union vorbereitet sind. Dreiviertel der 40 Teilnehmer kamen aus Mittel- und Osteuropa, darunter so „jungen" Staaten, wie Weißrussland, Moldawien, aber auch der Slowakei. Das große Interesse an der Sommer Akademie in diesen Ländern zeigt wiederum das Beispiel Lettland: Der baltische Staat mit seinen 2,6 Millionen Einwohnern gehörte 1988/89 zusammen mit den Nachbarn Litauen und Estland zu den friedlichen Kämpfern für Unabhängigkeit von der Sowjetunion, die schließlich auch gelang und den Zerfall des Imperiums mit verursachte. Die Letten und Esten haben jedoch mit der relativ großen russischen Minderheit ihren Staaten, in Lettland ca. 34%, in Estland ca. 30% Russen, große Schwierigkeiten.
Zwei Wochen lang diskutierten die Teilnehmer mit ebenso vielen Experten, Wissenschaftlern und Praktikern über Minderheitenschutz, grenzüberschreitende regionale Zusammenarbeit und die Osterweiterung der Europäischen Union. Die Referenten boten philosophische und kulturtheoretische Ansätze wie Romedi Arquint (Präsident der FUEV), Emil Kirchner (Universität Essex) oder Bojko Bucar (Universität Laibach) oder kamen aus der Wirtschaft wie der steirische Landesrat Herbert Paierl und der Rektor der Universität Bozen und Direktor der Europäischen Investitionsbank, Alfred Steinherr. Einen Schwerpunkt der Sommer Akademie bildete der rechtliche Aspekt des Minderheitenschutzes, dazu referierten so renommierte Wissenschaftler wie Asbjörn Eide (Präsident der UNO Arbeitsgruppe für Menschenrechte, Oslo), Bruno de Witte (Universität Maastricht) und Geoff Gilbert (Universität Essex). Aber auch Thomas Jansen und Sandro Gozi, Vertreter der EU Kommission kamen zu Wort, ebenso wie Martin Sajdik, Sprecher des österreichischen Außenministeriums.
Fazit der ersten Sommer Akademie des Bereichs „Minderheiten undregionale Autonomien": Es war für alle Beteiligten sehr anstrengend, aber die Idee ist gut, die Richtung stimmt und die Stimmung unter den Teilnehmern war „bärig". Ein voller Erfolg also, weswegen die Sommer Akademie im nächsten Jahr auf jeden Fall wiederholt wird und vielleicht wird daraus ja in kürze auch ein eigener Lehrgang, ein Masterprogramm zu Minderheitenschutz, Regionalismus und Osterweiterung.

Stefanie Risse-Lobis M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich „Minderheiten und regiomale Autonomien" an der Europäischen Akademie Bozen
Stephanie.Risse@eurac.edu


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