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Ecuador und Südtirol – zwei Welten – ein Bündnis Academia Nr: 20 (September - Dezember / settembre - dicembre 1999)Erich Tasser, Arno Teutsch Ecuador ist ein Land der Widersprüche. Diese äußern sich im Klima, der Natur, der Kultur und den Einwohnern. Ecuador kämpft – wie viele Länder der Dritten Welt - aber auch mit sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Problemen. Es fehlt an Geld, Know-how und tatkräftiger Unterstützung, um die Probleme selbständig zu lösen. Aus diesem Grund wurde 1989 das Klimabündnis ins Leben gerufen. Dem Bündnis gehören eine Vielzahl von Ländern und Gemeinden in Europa und Südamerika an. Auch das Land Südtirol und eine Reihe Südtiroler Gemeinden sind darin vertreten. Ihre Bündnispartner sind Organisationen der Indigenen in Ecuador, welche in diesem Frühjahr von einigen Vertretern Südtirols besucht wurden.
Das Klimabündnis Was hat denn Südtirol mit Ecuador gemein? Diese Frage werden sich einige Leser stellen. Nun, des Rätsels Lösung liegt im Klimabündnis. Globale Klimaveränderungen, der zunehmende Abbau der Ozonschicht und die Abholzung der tropischen Wälder stellen eine weltweite Gefährdung für die Biosphäre dar. Der Schutz des Klimas ist somit zu einer der zentralen Aufgaben der Menschheit geworden. Schöne Worte, denen nicht immer Taten folgen. Verbindliche Zielsetzungen und Programme sowie konkrete Maßnahmen zur umfassenden Reduzierung der klimagefährdenden Treibhausgase gibt es zwar, aber es mangelt an einer nationalen und internationalen Umsetzung. Vor diesem Hintergrund beschlossen im August 1989 Vertreter europäischer Kommunen und der indigenen Völker Amazoniens konkrete Maßnahmen einzuleiten. Dies war die Geburtsstunde des Klimabündnisses. Ziele des Klimabündnisses sind: • die Halbierung der Kohlendioxidemissionen bis zum Jahr 2010, • der vollkommene Verzicht auf Tropenholz, • die Reduzierung klimaschädigender Gase und • die Unterstützung der indigenen Völker. Heute gehören dem Bündnis fast 700 Kommunen in Europa und Südamerika an. Die Provinz Bozen/Südtirol sowie eine Vielzahl von Gemeinden Südtirols sind auch Mitglieder des Klimabündnisses. Ihre Partnerorganisationen sind die verschiedenen Indianerorganisationen in Ecuador. Im Rahmen der Partnerschaft verpflichtet sich Südtirol zum einen, im eigenen Land die Ziele des Klimabündnisses zu verwirklichen (z.B. durch Energieeinsparungs-, Verkehrsverringerungsprojekte) und zum anderen, die Partnerorganisationen in Ecuador bei deren Zielerreichung zu unterstützen. So wurde etwa im Amazonasgebiet bei Lago Agrio ein Bildungszentrum für lokale Umweltverbände und gemeinnützige Organisationen erbaut oder Dorferneuerungsprojekte in verschiedenen Großstädten unterstützt.
Die Bildungsinitiative „Klimaschutz und Klimabündnis" Zur aktiven Unterstützung des Klimabündnisses wurde 1999 in Südtirol eine Bildungsinitiative zum Thema „Klimaschutz und Klimabündnis" ins Leben gerufen. Im Rahmen der Bildungsinitiative wurden themenrelevante Seminare für die Mitgliedsorganisationen des Klimaschutzbündnisses in Südtirol veranstaltet. Neben lokalen Wirtschafts- und Umweltbelangen wurden in den Seminaren v.a. Themen wie die Nord-Südkooperation, die Agenda 21 von Rio de Janeiro sowie Klima- und Umweltschutz in ihrer Wechselbeziehung zur lokalen Ökonomie und Ökologie behandelt. Krönender Abschluß der Bildungsinitiative war eine Studienfahrt zu den Partnerorganisationen nach Ecuador, um Land und Partnerorganisationen besser kennenzulernen. Wir beide nahmen an dieser Studienfahrt als Vertreter der Europäischen Akademie und der Organisation Ecolnet teil.
Eine Studienreise nach Ecuador verbindet Theorie und Praxis „Das einzige Regelmäßige an Ecuadors vielfältigen geographischen, meterologischen und biologischen Gegebenheiten ist schlußendlich seine Unregelmäßigkeit!" (Feser 1998). Dieser Satz spiegelt den Gesamteindruck unserer Reise wider. Das für Südamerika kleine, direkt am Äquator gelegene Land mit einer Gesamtgröße von etwa 272.000km2 (entspricht in etwa der Oberfläche der ehemaligen BRD) fasziniert durch seine Vielfalt. Diese bezieht sich nicht nur auf die Natur, Bevölkerung und Kultur, sondern auch auf die sozialen und ökologischen Probleme. Unsere Reise führte uns zunächst in das Amazonasbecken (Oriente), welches, im Osten gelegen, fast die Hälfte des gesamten Staatsgebietes einnimmt. Den Oriente überziehen noch weitgehend unberührte, immergrüne Regen- und Nebelwälder. Neben der vielfältigen Tierund Pflanzenwelt (ca. 25.000 Pflanzenarten) faszinierte uns am Oriente der unerwartet freundliche Eindruck des ursprünglichen Regenwalds. Auf den ersten Blick schien er aufgrund seiner immensen Ausdehnung kaum gefährdet zu sein, was sich jedoch im Laufe der Fahrt durch den nördlichen Teil des Gebietes als Fehleinschätzung erwies. Hier sind etwa 1.000.000ha Wald bereits durch die Ölförderung zerstört worden. Die Regierung Ecuadors hat in den letzten Jahren zudem einen Großteil des Amazonasgebiets an ölfördernde Firmen verpachtet. Diese Firmen versuchen möglichst gewinnorientiert das Ölvorkommen zu fördern und betreiben dabei oftmals skrupellosen Raubbau an Natur und Menschen. Die Förderabfälle werden meist möglichst billig entsorgt. So landet etwa mit Öl oder mit sonstigen Giftstoffen kontaminiertes Wasser häufig in nicht abgedichteten Abscheidebecken. Dadurch gelangt verschmutztes Wasser in den Grundwasserspiegel. In schlimmeren Fällen brechen schlecht gebaute Becken ganz durch. Der Beckeninhalt endet im Fließgewässer und damit auch im Regenwald und auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen, wie wir aus Gespräche mit Indigenos und Bauern in Erfahrung bringen konnten. Das gewonnene Öl und Gas wird in Pipelines vom Oriente über die Anden bis hin zur Küste gepumpt. Auch hier lassen technische Standards und die Umweltvorsorge zu wünschen übrig. Für den Bau der Pipelines und Förderanlagen werden durch das gesamte Gebiet Zufahrtstraßen gebaut. Diese Straßen sind für den Regenwald weit gefährlicher als die eigentliche Ölförderung. Entlang der Zufahrtsstraßen siedeln sich sehr schnell Einwanderer an. Diese wiederum verdienen ihren Lebensunterhalt entweder durch Holzgewinnung oder Landwirtschaft. Wenn sich der derzeitige Trend der Rodungstätigkeit weiter fortsetzt, so dürfte in etwa 5 Jahren der gesamte Regenwald zerstört sein (Feser 1998). Ausnahme bildet jener Teil des Tropenwaldes, der unter Naturschutz steht. Die touristische Nutzung des Amazonasgebietes, die ebenfalls durch den Bau der Straßen ermöglicht wird, erscheint in Anbetracht dessen kaum erwähnenswert. Vom Regenwald führte uns die Reise ins zentrale Hochland. Gibt es im Oriente noch sehr viel unberührte Naturlandschaft, so trifft dies für den Bereich des innerandinen Hochlandbeckens (Sierra) nicht mehr zu. Das Becken zieht sich zwischen den beiden Kordillerenketten von Norden nach Süden und wurde bereits in der Inkazeit dicht besiedelt und großteils landwirtschaftlich genutzt. In Folge der Kolonialisierung des Gebietes durch die Spanier kam es zu einer weiteren Ausdehnung der Kulturflächen. Heute gibt es im gesamten Becken nur mehr kleinste naturnahe Restflächen in Höhenlagen zwischen 1800-3200m. Ein ähnliches Schicksal haben unsere Alpen im Mittelalter erlebt. Aber auch in Ecuador zeichnen sich, wie im Alpenraum, Strukturprobleme in der Landwirtschaft ab. Die Landwirtschaft rentiert sich nicht mehr. Immer mehr Bauern lassen ihre Nutzflächen auf. Die aufgelassenen Flächen werden dann zwar aufgeforstet, aber meist mit nicht einheimischen Baumarten, was wiederum das natürliche Gleichgewicht stört. Zusätzlich ist dieses Gebiet von einer starken Zersiedelung, teilweise auch Urbanisierung um die großen Städte (z.B. Quito, Cuenca, Ambato) gekennzeichnet. Der technische Umweltschutz (Kläranlagen, Katalysatoren, Müllabfuhr) weist auch in den urbanisierten Gegen den große Mängel auf. Meist liegt das am fehlenden Geld. Die Ureinwohner Ecuadors, die Inkas, wurden zur Zeit der spanischen Kolonialpolitik aus ihrem ursprünglichen Siedlungsraum entlang des Hochlandbeckens vertrieben. Sie siedelten sich vielfach in höheren Lagen zwischen 3200 - 4400m an. Die typische Grassteppenvegetation in dieser Höhenlage ist in der Folge einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung (Ackerbau und Viehzucht) gewichen. In dieser Höhenlage, so etwa um das Andendorf Salinas herum, finden sich heute die für die Anden typischen Ackerstreifen längs der Hänge oder aber die weidenden Lamaund Alpakaherden. Entlang der Panamericana Sur (Straße der Vulkane) trafen wir auf ein großartiges Naturschauspiel. Inmitten dieser Hochlandebene ragen immer wieder bis zu 6500m hohe Vulkane empor (z.B. Cotopaxi und Chimborazo). Sie sind das gesamte Jahr hindurch mit Schnee bedeckt und bilden einen wunderschönen Kontrast zur Umgebung. Ihr Anblick schien uns Betrachtern um so verwunderlicher, weil wir wußten, daß wir uns direkt auf Äquatorhöhe befanden. Dieses Phänomen der besonderen Art war der letzte und sicher bleibende Eindruck von Ecuador. „Wenn ich von einer Reise zurückkomme, wundere ich mich, mit welchen Problemen wir uns manchmal beschäftigen" (Klaus Kinkel). Sieht man einmal von der Schönheit und Vielfalt Ecuadors ab und betrachtet auch die sozialen, ökonomischen und ökologischen Aspekte, so relativieren sich die Probleme im eigenen Land. Eine Erkenntnis, die uns diese Studienreise mit Sicherheit erbracht hat. Gleichzeitig hat sie alle Teilnehmer motiviert, die Zielsetzungen des Klimabündnisses nicht aus den Augen zu verlieren.
Mag. Erich Tasser, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich „Alpine Umwelt" an der Europäischen Akademie Bozen Erich.Tasser@eurac.edu
Dr. Arno Teutsch, Präsident des Vereins Ecolnet, Südtirolerstr. 19, Bozen
Literatur Feser, V. (1998): Ecuador. Michael Müller Verlag, Erlangen.
Reiseroute und Reiseziele in Ecuador: (1) Reserva Faunistica Cuyabeno,; (2) Ölstadt Lago Agrio, (3) Hauptstadt Quito, (4) Andendorf Salinas.
Soggiorno di studio in Ecuador
Nell'ambito dell'alleanza per il clima sottoscritta fra l'Alto Adige e le popolazioni indigene dell'Ecuador nel marzo 1999 è stato organizzato un soggiorno di studio in Ecuador. Tale soggiorno faceva parte dell'iniziativa culturale "Protezione del clima e alleanza per il clima" dell'Alto Adige e aveva come scopo l'approfondimento della conoscenza del paese e delle sue strutture. Il viaggio ha permesso di ammirare le bellezze del paese, dalla foresta tropicale fino ai vulcani innevati delle Ande. I partecipanti erano affascinati dalla diversità floristica e faunistica, dalle diverse zone climatiche e dalla varietà paesaggistica. Grazie al supporto offerto dai partner associati hanno inoltre avuto l'opportunità di conoscere aspetti sociali, economici ed ecologici di questo paese in via di sviluppo. Le esperienze fatte hanno sottolineato l'importanza della realizzazione concreta dell'alleanza per il clima.
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