contact | site map | imprint           27.7.2008
Logo EURAC  
  NEWS ARCHIVE    
      Events    
      Education courses    
      On research    
      New print releases    
      Job openings    
SITE SEARCH  
 

 Academia 20 
Home  |  Press  |  Academia  |  20  |  art_12  

Regionalentwicklung für strukturstarke Gebiete
Academia Nr: 20 (September - Dezember / settembre - dicembre 1999)

von Birgit Wegner
Der Begriff der Regionalentwicklung wird gedanklich vor allem mit der Stärkung strukturschwacher Regionen in Verbindung gebracht: Grenzregionen, die nur langsam Kraft aus den Kooperationsmöglichkeiten mit ihren Nachbarn schöpfen, ländlich geprägte Räume, in denen es für nachfolgende Generationen kaum mehr Zukunftsperspektiven gibt – das sind auf den ersten Blick die wesentlichen Zielgebiete von Maßnahmen zur Stärkung der heimischen Wirtschaft und Steigerung der Lebensqualität für die einheimische Bevölkerung.

Welche Bedeutung hat dagegen Regionalentwicklung in strukturstarken und wirtschaftlich florierenden Gebieten? Je nach den Gegebenheiten vor Ort können hier unterschiedliche Aspekte in den Vordergrund treten: Gebiete, die maßgeblich vom Tourismus leben, suchen nach Möglichkeiten, ihr Angebot an Arbeitsplätzen zu diversifizieren oder brauchen Unterstützung bei Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen, um die Grundlage ihrer touristischen Attraktivität nicht sukzessive zu zerstören. Wirtschaftlich starke Regionen möchten für ihre Zukunft nicht nur auf ökonomische Vorteile setzen, sondern bemühen sich darüber hinaus auch um die Bewahrung und Entwicklung ihres kulturellen Reichtums, um dauerhaft Lebensqualität zu sichern. Unabhängig von den Voraussetzungen, die eine Region mit sich bringt, sollten allen Maßnahmen und Projekten zur Regionalentwicklung jedoch folgende Überlegungen zugrunde liegen: Im „Europa der Regionen" ist regionale Entwicklung nicht nur mit dem Gedanken der ökonomischen Nachhaltigkeit, sondern auch mit der Idee einer ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit verbunden. Nur die gleichmäßige Berücksichtigung aller drei Säulen ermöglicht tragfähige Entwicklungen für die Zukunft. Auch die vernetzte Betrachtung verschiedener Themenbereiche wie z.B. Tourismus, Naturschutz und Landwirtschaft, ist hierfür von besonderer Bedeutung. Regionalentwicklung wird nicht „von oben" verordnet. Nur durch die Einwohner und mit den Einwohnern einer Region können Zielsetzungen für die zukünftige Entwicklung erarbeitet und darauf aufbauend konkrete Maßnahmen ausgearbeitet und umgesetzt werden. Dabei stehen nicht kurzfristige Erfolge und schnelle Ergebnisse im Vordergrund: Regionalentwicklung zielt auch darauf ab, innerhalb eines Raumes Strukturen zu schaffen, die im Sinne eines „Regionalmanagements" wirken können und damit dauerhaft eine aktive Gestaltung der Zukunft gewährleisten.
Im Alpenraum sind Maßnahmen zur Regionalentwicklung bereits vielfach initiiert oder umgesetzt worden: In strukturarmen Gebieten beispielsweise mit Unterstützung des LEADER Programmes der Europäischen Union, in wirtschaftsstärkeren Gebieten oftmals auf Initiative der Gebietskörperschaften selbst. In Bayern werden z.B. im Rahmen von landkreisweiten Regionalentwicklungsprozessen Arbeitsgruppen gebildet, die Zielsetzungen für verschiedene Handlungsfelder (z.B. Verkehr, Energie, Landwirtschaft u.a.) diskutieren sowie darauf aufbauend entsprechende Maßnahmenprogramme ableiten und deren Umsetzung vorantreiben. Jeder interessierte Einwohner ist dabei zur Mitwirkung in den Arbeitsgruppen aufgerufen, so daß eine breite Bevölkerungsbeteiligung gesichert wird. Die Moderatorenfunktion übernehmen oftmals externe Berater, die darüber hinaus bei konkreten Fragestellungen auch als Fachexperten zur Verfügung stehen. Die politischen Vorgaben für die Durchführung dieser Projekte wurden bereits 1992 in Rio de Janeiro geschaffen mit der von 178 Staaten unterzeichnete AGENDA 21 für eine nachhaltige Entwicklung.
In Südtirol sind Regionalentwicklungsprozesse in dieser Form bisher weniger bekannt. Von der Europäischen Akademie Bozen wird daher seit Anfang des Jahres in Zusammenarbeit mit dem Alpenforschungsinstitut Garmisch-Partenkirchen ein zweijähriges Pilotprojekt mit dem Titel Gröden 2005 zur Regionalentwicklung durchgeführt. Projektgebiet ist die strukturstarke und wirtschaftlich hochentwickelte Talschaft Gröden mit den Gemeinden St. Christina, St. Ulrich und Wolkenstein, die das Projekt tatkräftig unterstützen. Für die Akademie eine Herausforderung in zweifacher Hinsicht!

Dipl.-Ing. Birgit Wegner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Alpenforschungsinstitut Garmisch-Partenkirchen


Grunddaten des Projekts Gröden 2005

Während vor allem im deutschen Raum Regionalentwicklungsprojekte in dieser Form als Mittel für die Zukunftsgestaltung kleinerer bzw. mittelgroßer Gebiete nicht mehr wegzudenken sind, steckt in Südtirol die Ausarbeitung und die Durchführung von Regionalentwicklungsprojekten immer noch in den Kinderschuhen. Die Europäische Akademie Bozen führt nun in Zusammenarbeit mit dem Alpenforschungsinstitut Garmisch-Partenkirchen ein zweijähriges Pilotprojekt mit dem zukunftsweisenden Namen Gröden 2005 durch. Das strukturstarke und wirtschaftlich hochentwickelte Projektgebiet umfaßt die drei Gemeinden St. Christina, St. Ulrich und Wolkenstein sowie die ladinischen Fraktionen der Gemeinde Kastelruth. Das Projekt startete im Juni dieses Jahres und wird voraussichtlich bis Ende 2000 laufen.

Die Steuerungsgruppe
Um die politischen Entscheidungsträger des Tales sowie die Interessenvertreter der bedeutendsten Handlungsfelder direkt in das Projekt miteinzubeziehen, wurde eine Steuerungsgruppe eingesetzt. Die namentliche Festlegung ihrer Mitglieder erfolgte in Absprache mit den zuständigen Organisationen, welche selbst eine geeignete Person dafür nominierten. Der Steuerungsgruppe kommt die wesentliche Aufgabe zu, das Gesamtprojekt zu lenken und als Multiplikator zu fungieren, um die Projektidee in der Grödner Bevölkerung weiterhin bekannt zu machen und lokale Akteure für die Umsetzung von Maßnahmen zu gewinnen.

Das „Forum Gröden 2005"
Um eine möglichst große Vielzahl lokaler Akteure und Interessensgruppen von Beginn an in den Prozeß der Regional-entwicklung zu integrieren, wurde das „Forum Gröden 2005" als Sprachrohr für die gesamten Bevölkerung eingerichtet. Am ersten Treffen des Forums im Juni beteiligten sich rund 300 interessierte Grödner und Grödnerinnen. Um die Erarbeitung des Maßnahmensystems möglichst effizient zu gestalten, werden vom Forum ausgehend kleinere Arbeitsgruppen bzw. Stammtischrunden gebildet, die sich jeweils mit ausgewählten Themenbereichen auseinandersetzen werden. Während der gesamten Projektdauer sind immer wieder Forumstreffen geplant, um die Bevölkerung in den weiteren Projektverlauf ständig mit einzubeziehen.

Ideenwettbewerb
Um der Bevölkerung die Gelegenheit zu geben, ihre Vorschläge und Ideen für die Zukunft in das Projekt einzubringen, wurde am 19. Juli ein Ideenwettbewerb gestartet. Man erhofft sich, Maßnahmenvorschläge herausgreifen zu können, welche eine nachhaltige Entwicklung Grödens unterstützen und welche von den Einheimischen auch in der Umsetzung mitgetragen werden. Derzeit läuft in den Mittelschulen das Projekt G2005 Junior. Im Rahmen dieses Ideenwettbewerbs für Mittelschüler wird auch den Jugendlichen ein Mitspracherecht um die Zukunft ihres Tales zuteil. Bei der Umsetzung der Ideen werden die Europäische Akademie Bozen und das Alpenforschungsinstitut durch ihre fachliche Hilfe eine wichtige Stütze darstellen.

Stammtischrunden und Arbeitsgruppen
Um eine Vertiefung in die einzelnen Problembereiche zu gestatten, werden Stammtischrunden für Interessierte geplant. Ziel dieser Stammtischabende ist es vor allem, in einer überschaubaren Gruppe ein objektives Bild des Problems aufzuzeigen und konkrete Lösungsvorschläge zu diskutieren. Um der Bevölkerung eine starke Mitarbeitsmöglichkeit bieten zu können, werden, vom Forum und den Stammtischrunden ausgehend, kleinere Arbeitsgruppen gebildet, welche für verschiedene Handlungsfelder Maßnahmenprogramme ausarbeiten und umsetzen.



Gherdëina 2005 N proiet per l daunì

Gherdëina 2005 ie l prim proiet de svilup raionel che vën metù a jì dal'Academia Europeica de Bulsan. L se trata de n proiet drët inovatif te Südtirol. Tl raion tudësch à chisc proiec bele na gran tradizion. N à bele abù suzes te n valgun luesc cun proiec mirei a arjonjer n svilup sann, respetan la persona y la natura. Perchël lëura l'Academia Europeica de Bulsan nce adum cun l'Alpenforschungsinstitut de Garmisch-Partenkirchen, istitut spezialisà te chësc ciamp. Te Gherdëina ie la situazion economica bel drët svilupeda, ma mpò possa tlo n proiet de svilup raionel purté drët scialdi. L proiet Gherdëina 2005 uel miuré la situazion ti ciamps pu mpurtanc, danter l'auter tl ambiënt, tl'economìa y tl lëur da paur, tl artejanat, tl turism y tl trafich. Te chisc ciamps uelen sën se fé n pensier per l daunì y lauré òra cunzec da mëter n drova. N se à tëut dant de arjonjer velch de cuncret y no de lauré ora papieresc che sta cà te na ciauzela. Dantaldut uelen nce cialé de miuré la comunicazion y la culaburazion danter i chemuns, danter la organisazions y la lies y danter la populazion. L'esperiënza à desmustrà che me cun l sustëni de duc canc iel mesun purté a bon fin n tel proiet.


  The latest issue
 

 
 
Copyright © EURAC 2008 Send page Print page Top of page